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Legende: Audio Putin wird vom Westen eingeladen abspielen. Laufzeit 03:32 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 19.08.2019.
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Macron und Putin in Frankreich «Von einem Coup für Putin würde ich nicht unbedingt sprechen»

Der russische Präsident Wladimir Putin besucht seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron. Ein Treffen mit Symbolcharakter, denn am Samstag treffen sich in Frankreich die G7-Länder – und zwar ohne Putin. Seit der Krim-Annexion 2014 ist Russland nicht mehr Teil dieser Gruppe von wichtigen Industriestaaten. Ein für Putin politisch bedeutendes Treffen, meint Russland-Korrespondentin Luzia Tschirky.

Luzia Tschirky

Luzia Tschirky

Russland-Korrespondentin

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Luzia Tschirky ist SRF-Korrespondentin für die Region Russland und die ehemalige UdSSR. Zuvor war sie im trimedialen Journalismus-Stage bei SRF.

SRF News: Welche Bedeutung hat diese Einladung für Russland?

Luzia Tschirky: Für Präsident Putin ist jede Einladung von einem westlichen Staatsoberhaupt grundsätzlich eine Möglichkeit, Russland als international respektierten Partner zeigen zu können. Nicht unbedingt nur nach aussen, sondern vielmehr auch nach innen für das eigene Fernsehpublikum. Denn der Präsident zeigt seine Stärke in Russland vor allem durch Stärke in seiner Aussenpolitik.

Nach der Krim-Annexion war Russland auf der internationalen Bühne isoliert. Dieser staatspolitische Besuch ist also eine Art politischer Coup für Putin?

Von einem Coup würde ich jetzt nicht unbedingt sprechen. Seit der Annexion ist mehr als ein halbes Jahrzehnt vergangen und Wladimir Putin war seither ja schon mehrmals in Westeuropa zu Besuch. Dennoch sind die Sanktionen weiterhin in Kraft und für Russland ist jede Einladung natürlich grundsätzlich eine Chance. Gerade auch eine Einladung nach Frankreich ist eine Gelegenheit, sich international präsentieren zu können. Ein Coup ist vielleicht ein bisschen ein zu starker Ausdruck dafür.

Putin im Schweizer Luftraum

Beim Rückflug aus Frankreich wurde die Maschine des russischen Präsidenten Wladimir Putin über Genf von der Schweizer Luftwaffe begleitet. Russland spricht von «Gastfreundlichkeit» der Schweiz.

Was erhofft sich Russland jetzt konkret von diesen Treffen mit Macron?

Auf russischer Seite wurde eine ganze Reihe von Themen angekündigt für das Treffen zwischen Putin und Macron: Die Situation im Nahen Osten, in Syrien und dem Iran sowie die eingefrorenen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Konkret zum G7-Gipfel hat man keine Äusserung gemacht auf russischer Seite. Doch es geht in erster Linie darum, dass sich Putin mit dem wichtigsten Staatsoberhaupt Europas treffen kann. Denn Merkel verlässt aus russischer Sicht bald die politische Bühne und Grossbritannien wird aus der EU austreten. Da bleibt nur noch Frankreich um sich mit dem wichtigsten europäischen Staatsoberhaupt zu treffen. Das ist eigentlich der Kern der Sache für Putin.

Russland hat letzte Woche einen französischen Investor in Russland aus der Untersuchungshaft entlassen. Muss man das als Geste des guten Willens verstehen?

Also wenn in Russland irgendwie guter Wille vorherrschen würde, dann hätte man diesen Mann gar nicht erst festnehmen müssen. Die Untersuchung wird von vielen Seiten sehr heftig kritisiert als eine Farce, die von Konkurrenten mit besseren Verbindungen zu russischen Sicherheitsorganen orchestriert worden war. Es ist mehr eine Geste im Vorfeld eines Treffens. Und Putin dürfte durchaus hoffen, etwas im Gegenzug vom französischen Staatsoberhaupt zu erhalten.

Russland will also möglichst schnell eine Lockerung der Wirtschaftssanktionen. Was kann sich das Land bestenfalls erhoffen von diesem Treffen?

Frankreich kann gegenüber Russland die Rolle eines Türöffners für weitere Treffen Putins mit anderen europäischen Staatsoberhäuptern einnehmen. Aber ob die Sanktionen auf absehbare Zeit durch die Rolle Frankreichs abgeschwächt werden, hängt stark vom Widerstand der Europäischen Union ab. Und da kommt es darauf an, inwiefern durch diese Einladung nach Frankreich vielleicht noch weitere Treffen möglich sind.

Das Gespräch führte Marc Allemann

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Brauchli  (Rondra)
    Der gute Herr Macron weibelt, was das Zeug hält. Natürlich gaaaar nicht in Eigeninteresse. Das ist Diplomatie. Vieles anreissen, nichts lösen und sich dabei noch gut verkaufen.
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  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    Wichtigstes Staatsoberhaupt Europas? Ich finde, gelinde gesagt, diese Formulierung geschmacklos, gegenüber all den Schwer- und Schwerstverletzten der Gilet Jaunes! Ein Präsident, der seit über einem Jahr so rücksichtslos gegen sein eigenes Volk, geächtete und im übrigen Europa verbotene Waffen einsetzt, ist kein Präsident sondern Diktator! Selbst EU-Kommission vergleicht Vorgänge mit Handeln der Polizeigewalt mit Handeln im SUDAN, aber nicht Europa!
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  • Kommentar von Drago Stanic  (drago stanic)
    Niemand in Russland redet von Sanktionen. Landwirtschaft ist Dank Sanktionen endlich aufgewacht. Viele Produkte kann heute Rusland selber produzieren und grösste Investor in russische Wirtschaft ist USA. Handel mit Deutschland und Frankreich hat in letzte Jahr um zweistelige Zahl zugenommen. Sanktionen sind da um Baltische Länder und Polen zu beruhigen, aber keine haltet sich noch daran.
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    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Gerade lese ich diesen Kommentar. Darf ich mir die Frage erlauben, fällt es nicht auf, dass hier versch. Verfasser am Werk sind. Das Deutsch von
      Herrn Drago bei seinen ...Kriegsberichtserstattungen...und dieser
      Kommentar hier. Da schreiben doch versch. Personen unter diesem Namen.
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    2. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      Frau Wüstner, wenn ich während der Arbeit, unter Zeitdruck, schnell etwas in das Handy eintippe mache ich auch viel mehr Fehler als wenn ich mir dafür Zeit nehmen kann. Denken sie nicht anderen geht es auch so?
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    3. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Herr Neuhaus, ich mache beim Schreiben auch viele Tippfehler, wenn es schnell gehen muss. Verstehe ich vollkommen. Aber diese Kommentare sind so auffällig unterschiedlich. Aber lassen wir es, ich wollte nur darauf aufmerksam machen.
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