Maduro lässt halbe Million Venezolaner aufmarschieren

In Venezuela sollen über eine halbe Million Menschen an der bisher grössten Militärübung des Landes teilgenommen haben. Das teilt die Regierung mit. Mitgemacht hätten nicht nur Soldaten, sondern auch Reservisten sowie freiwillige Zivilisten.

Maduro spricht vor Soldaten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Präsident Nicolás Maduro beim Besuch eines Trainingscamps der venezolanischen Armee. Keystone

Mit Panzern im Gelände und Kampfansagen wappnet sich Venezuela gegen eine angeblich drohende Invasion. Mit einer landesweiten Militärübung hat Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolás Maduro das Volk auf die Verteidigung gegen äussere Bedrohungen eingeschworen.

Nach Angaben des Portals «El Universal» beteiligten sich 520 000 Soldaten, Reservisten und Freiwillige an den Übungen unter dem Motto «Unabhängigkeit 2016». Maduro bezichtigt in erster Linie die USA, seine Regierung stürzen zu wollen. Er spricht von «unkonventioneller Kriegsführung» und warnt vor einer Infiltration rechter paramilitärischer Gruppen.

Maduro hat den Ausnahmezustand verhängt

Die Streitkräfte seien «bereit wie nie zuvor», um eine Invasion zurückzuschlagen. Maduro hat den Ausnahmezustand verhängt. Zudem verlieh er dem Militär und den von Sozialisten kontrollierten Bürgerwehren neue Vollmachten, etwa um die Lebensmittelversorgung zu sichern.

Venezolanische Soldaten stehen in Reih' und Glied Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Laut Präsident Maduro sind die Streitkräfte «bereit wie nie zuvor», um eine Invasion zurückzuschlagen. Keystone

Seine Gegner sehen die neuen Dekrete und Warnungen vor einer möglichen Invasion als ein Ablenkungsmanöver – mit dem Dekret hat Maduro vor allem auch Rechte des von der Opposition dominierten Parlaments eingeschränkt. Oppositionsführer Henrique Capriles, der bei der Präsidentenwahl 2013 knapp gegen Maduro verloren hatte, betonte: «Den Krieg, den man in Venezuela erklären muss, ist der gegen den Hunger.»

Venezuela steht vor dem Ruin

Der Gouverneur des Bundesstaates Miranda wirft dem früheren Busfahrer und Nachfolger des 2013 verstorbenen Staatschefs Hugo Chávez vor, eine Art Staatsstreich zu planen, um das vom Oppositionsbündnis «Tisch der demokratischen Einheit» (MUD) auf den Weg gebrachte Referendum zu Maduros Abwahl zu verhindern.

Das vor dem Ruin stehende Land ächzt unter einer enormen Versorgungskrise. Venezuela hat zwar die grössten Ölreserven der Welt, aber auch immer grössere Probleme, Kredite zurückzuzahlen. Der Erdölexport beschert einen Grossteil der Staatseinnahmen, sonst wird kaum noch etwas exportiert.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Venezuela im Krisensumpf

    Aus Tagesschau vom 18.5.2016

    Als hätte Venezuela nicht genug Probleme mit der Wirtschaftskrise: Jetzt kommt auch noch ein erbitterter Machtkampf zwischen Präsident und Parlament hinzu.

  • Wirtschaftlicher Notstand in Venezuela

    Aus Echo der Zeit vom 12.2.2016

    550'000 Fass Leichtöl hat Venezuela vom Erzfeind USA gekauft, um die eigenen Schweröle zu verflüssigen. Bis anhin konnte Venezuela diese aus eigener Kraft produzieren. Aber 17 Jahre Linkspopulismus haben dem staatlichen Erdölkonzern zugesetzt.

    Inmitten dieser Krisensituation hat das Oberste Gericht ein Dekret von Präsident Maduro zum wirtschaftlichen Notstand genehmigt.

    Ulrich Achermann