Malische Armee drängt Islamisten zurück

Mit Unterstützung der französischen Luftwaffe hat Malis Armee die umkämpfte Stadt Kona zurückerobert. Unterstützung erhalten die Regierungstruppen nun auch von den westafrikanischen Nachbarn.

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Fortsetzung der Offensive in Mali

1:49 min, aus Tagesschau vom 18.1.2013

Malis Armee hat nach eigenen Angaben die «vollständige Kontrolle» über die zentralmalische Stadt Kona zurückerlangt. Aus Sicherheitskreisen hiess es, die französische Luftwaffe habe den malischen Truppen zuvor den Weg dafür frei gemacht.

Kona war am 10. Januar überraschend von islamistischen Milizen eingenommen worden. Aus Sorge vor einem weiteren Vorrücken der Aufständischen nach Süden griff Frankreich daraufhin militärisch ein. Aus Diplomatenkreisen hiess es, Frankreich habe die Rebellen zunächst unterschätzt. Die Kämpfer seien gut ausgerüstet, ausgebildet und entschlossen gewesen.

Unterstützung für die Regierungstruppen kommt inzwischen auch aus den Nachbarländern Malis. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas will schneller als geplant eingreifen. Die «kriminellen und terroristischen Bewegungen» hätten den Krieg erzwungen, so der Ecowas-Kommissionspräsident.

Westafrikanische Soldaten angekommen

Die ersten hundert Soldaten aus Nigeria und Togo trafen bereits in Malis Hauptstadt Bamako ein. Nigerias Präsident will 1200 statt wie bisher geplant 900 Soldaten zu stellen. Bis Ende Januar sollen 2000 Soldaten entsandt werden, langfristig soll die Mission mehr als 3000 Soldaten umfassen. Der Tschad, der nicht zur Ecowas gehört, will 2000 Soldaten stellen.

Frankreich hat 1400 Soldaten vor Ort, ihre Zahl soll demnächst auf 2500 steigen. Andere EU-Staaten wollen logistische Hilfe leisten, jedoch keine Kampftruppen schicken. Mitte Februar soll eine EU-Ausbildungsmission für die malische Armee beginnen.

Flucht vor der Scharia

Die UNO rechnet in den kommenden Monaten mit rund 700'000 zusätzlichen malischen Flüchtlingen. «Wir denken, dass es in naher Zukunft bis zu 300'000 zusätzliche Vertriebene innerhalb von Mali sowie mehr als 400'000 weitere Flüchtlinge in den Nachbarländern geben könnte», sagte eine Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR.

Nach UNO-Angaben gibt es in Mali bereits 229'000 Vertriebene sowie 147'000 Flüchtlinge in den Nachbarstaaten.

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Vom Musterland zum Krieg

Fast 20 Jahre lang, noch bis 2012, galt Mali als ein Musterbeispiel für Demokratie auf dem afrikanischen Kontinent: Die Malier bestimmten ihre Regierungen in demokratischen Wahlen, die Machtwechsel verliefen friedlich. Vor allem der Norden aber war auch immer wieder Schauplatz blutiger Gefechte. Mehr.

Nach den Tuareg die Islamisten

Die ehemalige französische Kolonie ist seit März gespalten. Damals nutzten Tuareg-Rebellen ein Machtvakuum nach einem Militärputsch, um den Norden unter ihre Kontrolle zu bringen.

Inzwischen haben sich dort islamische Fundamentalisten durchgesetzt. Sie wollen mit Gewalt die islamische Rechtsprechung der Scharia durchsetzen. Augenzeugen berichteten von Bestrafungen durch abgehackte Gliedmassen und von zahlreichen Vergewaltigungen.