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Malta stoppt Rettungsflüge «Die Sterberate von Menschen auf der Flucht hat zugenommen»

Legende: Audio Fabio Zgraggen: «Malta verhindert Hilfe» abspielen. Laufzeit 03:39 Minuten.
03:39 min, aus HeuteMorgen vom 04.07.2018.

Private Helfer auf dem Mittelmeer haben es immer schwerer, Flüchtlinge zu retten. Nun entzieht Malta auch noch zivilen Rettungsflugzeugen die Flugbewilligung. Diese Meldung verschiedener Hilfsorganisationen bestätigt die maltesische Regierung gegenüber der Zeitung «Times of Malta». Rettungsflieger spüren in Seenot geratene Boote aus der Luft auf. Pilot Fabio Zgraggen von der «Humanitären Piloteninitiative» findet die neue Handhabung in Malta «höchst bedenklich».

Fabio Zgraggen

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Fabio Zgraggen ist Mitgründer der «Humanitären Piloteninitiative», Link öffnet in einem neuen Fenster. Er ist Pilot, Gleitschirmfluglehrer und Grafikdesigner. Zgraggen fliegt mit einem Kleinflugzeug von Malta aus über das Mittelmeer. Er hält nach Menschen Ausschau, die mit ihrem Boot in Seenot geraten sind. Findet er solche, informiert er die Seenotrettung. Die Einsätze über dem Mittelmeer machen er und sein Team ehrenamtlich.

SRF News: Wie begründen die maltesischen Behörden das Flugverbot?

Fabio Zgraggen: Sie geben vor, dass wir eine Bewilligung für Such- und Rettungsflüge brauchen – was wir nicht so sehen.

Da ist bestimmt politischer Druck im Hintergrund.

Wir sind ein EASA-zertifiziertes Flugzeug, wir sind ausgebildete Piloten und wir sehen keine Rechtsgrundlage, wie uns die maltesischen Behörden am Boden behalten können.

Was die maltesischen Behörden machen ist also unrechtmässig?

Das ist korrekt. Bis zum heutigen Tag haben wir keine Fakten auf dem Tisch, welche gegen eine Operation sprechen. Zudem kennen wir die Argumente der maltesischen Behörden nicht wirklich. Sie sagen uns: Das geht nicht. Wir hören aber nicht, was der konkrete Vorwurf ist. Und wir warten bis heute auf eine Antwort und können darum nicht fliegen.

Wie erklären Sie sich den Schritt der maltesischen Behörden? Geht es darum, Flüchtlinge abzuschrecken?

Das ist schwer zu beurteilen, aber da ist bestimmt politischer Druck im Hintergrund, der die Behörden zu solchen Aktionen bringt.

Was bedeutet dies nun ganz konkret für Ihre Hilfe im Mittelmeer?

Konkret bedeutet das, dass zurzeit keine Rettungskapazitäten vor Ort sind – respektive nur eine so genannte libysche Küstenwache, die dieser Situation nicht gewachsen ist.

Für uns ist es sehr undurchsichtig, wer diese Entscheide trifft.

In den letzten Wochen hat man gesehen, wie das gelaufen ist: Man hat verschiedene Meldungen von Bootsunglücken bekommen. Letzten Freitag waren es 100, letzten Sonntag 63, gestern waren es 114 Personen, die auf der Flucht verstorben sind. Das ist ein direktes Resultat davon, dass diese Rettungsoperationen behindert werden.

Es besteht also die Gefahr, dass immer mehr Menschen im Mittelmeer ertrinken?

Das ist so, das wissen wir bereits heute. Man weiss beispielsweise, dass im Juni – im Vergleich zum letzten Jahr – halb so viele Flüchtlingsboote in Libyen abgelegt haben. Nichtsdestotrotz sind aber die Opferzahlen gleich hoch geblieben. Das lässt darauf schliessen, dass die Sterberate von Menschen auf der Flucht massiv zugenommen hat.

In der Vergangenheit haben Sie mit den italienischen und maltesischen Behörden zusammengearbeitet und diese bei der Rettung von Flüchtlingen unterstützt. Warum nun die Trendwende?

Darüber können wir leider nur spekulieren. Für uns ist es sehr undurchsichtig, wer diese Entscheide trifft. Wir können ganz klar sagen, dass sich das Klima im letzten Jahr verändert hat – vom einer relativ engen Zusammenarbeit zu dieser Blockade in den vergangenen Tagen.

Passt das ins Gesamtbild? Die Europäische Union setzt nun auf Grenzschutz.

Man kann sicher sagen, dass dies eine Wende in der europäischen Aussenpolitik ist. Wir wollen uns dazu aber nicht äussern, wir sind in der Rettung tätig. Wir wollen Menschenleben retten und können dazu Stellung nehmen, was wir jeden Tag sehen und was die Auswirkungen davon sind. Die aktuelle Gangweise finden wir natürlich höchst bedenklich.

Das Gespräch führte Romana Costa.

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96 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die überfüllten Gummibooten sagen alles aus. Kentern vorprogrammiert. Kostet eine Überfahrt mit ca. 100 Personen ca. 1000.00 kann man sich ausrechnen was ein Schlepper verdient. Da braucht es keine weiteren Worte.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Wer sich auf so einem Schlepper-Schlauchboot befindet, hat dafür Geld bezahlt. Wenn derjenige nichtmal eine Rettungsweste für sein Geld bekommt, soll er sich bei den Schleppern beschweren, oder nicht an Bord gehen. Europa ist schön, aber den Tod durch Ertrinken nicht wert. Die Shuttles werden weniger, Die Wege nach Europa komplizierter. Stay home, stay alive und baut wieder auf, was ihr da verloren und vermasselt habt. Ihr wäret nicht die ersten.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Meinen Sie wirklich, die verzweifelten Menschen in den Schlepperlagern haben noch eine Wahl? Teilweise werden sie mit vorgehaltener Waffe auf die Schiffe verladen. Da fragt keiner mehr ob er aussteigen darf oder eine Weste bekommt. Zumal sind das noch die glücklichen. Viele werden vorher erschossen, vergewaltigt, gefoltert, verkauft, oder alles miteinander wenn sie nicht genug Geld für die bisherige Reise oder den Aufenthalt oder was auch immer auftreiben. Geschichten finden Sie zB bei Amnesty
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    2. Antwort von Albert Planta (Plal)
      "Stay home, stay alive und baut wieder auf, was ihr da verloren und vermasselt habt." In korrupten und menschenfeindlichen afrikanischen Staaten?
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    3. Antwort von L. Leuenberger (L.L.)
      Planta. Die Vertreter dieser Staaten sitzen bei der UNO am Runden Tisch, teilweise sogar beim Sicherheitsrat. Es wird Aktivismus vorgespielt, dabei wird oft nur Korruption und teuere Schönrederei betrieben. Schleppertum ist gesetzeswidrig und in dieser Migrationsoffensive tödlich und verwerflich.
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  • Kommentar von Armin Hug (Hugi)
    Solange die geretteten Flüchtlinge im Mittelmeer nach Europa gebracht werden, wird der Strom und das Sterben nicht abbrechen.
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    1. Antwort von robert mathis (veritas)
      HP Müller ein peinlicher Vergleich mit der Rega ..Denken Sie helfen mit Ihren Horrorszenarien einem Einzigen? Sie können mit Direkthilfe mehr nützen als mit ständigen fragwürdigen Horrorszenarien dass Hilfe nötig ist weiss inzwischen Jeder nur welche Hilfe ist nicht klar...
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ mathis: Warum peinlich? Beides sind NGO, hauptsächlich von Spenden finanziert. Beide übernehmen Aufgaben, die der Staat nicht kann. Beide haben sich auf die Rettung von Menschen spezialisiert, ohne zu fragen wer Schuld ist. Nach der Rettung übergeben sie die Menschen an Fachleute, die sich weiter kümmern. Und niemand würde der Rega vorwerfen, dass sie nicht die gesamte Weiterbehandlung übernimmt, oder dass sie auch Menschen rettet, die sich selber in Gefahr gebracht haben, oder Ausländer sind
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