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International «Man wird solche Unglücke nie ganz verhindern können»

Am Mittwoch ist ein Flüchtlingsboot vor Libyen gekentert, viele Menschen sind ertrunken. Beat Schuler vom UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR beschreibt die schwierige Situation auf See, die sich den Rettern von Frontex und privaten Hilfsorganisationen präsentiert.

Ein grosses Schlauchboot mit Dutzenden Afrikanern an Bord legt von der libyschen Küste ab.
Legende: Die Flüchtlingsboote sind meist völlig überfüllt und keineswegs seetauglich. Keystone Archiv

SRF News: Was wissen Sie über das Unglück mit dem Flüchtlingsboot, das sich am Mittwoch vor Libyen ereignet hat?

Beat Schuler: Es ist davon auszugehen, dass 600 bis 700 Personen an Bord waren. Davon waren wahrscheinlich mehr als 100 Personen unter Deck eingeklemmt als das Flüchtlingsboot kenterte. Sie konnten nicht gerettet werden, denn das Boot sank sehr schnell.

Das Flüchtlingsboot soll gekentert sein, als sich ein irisches Marineschiff näherte. Ist das plausibel?

Ja. Wenn Rettungsschiffe auftauchen, dann freuen sich die Menschen auf den Flüchtlingsbooten. Da kann es sein, dass sie sich auf dem Boot rasch verlagern und dieses dann kippt. Auf den Rettungsschiffen befindet sich deshalb professionelles Personal, das versucht, schnellstmöglich mit dem Flüchtlingsboot Kontakt aufzunehmen. Dort gibt es allerdings keine ausgebildeten Kapitäne, die die Befehle weitergeben könnten. Da kann auf dem Flüchtlingsboot rasch ein Chaos entstehen, denn die Boote sind stark überfüllt.

Wie schnell können Hilfsschiffe vor Ort sein, wenn ein Flüchtlingsboot einen Notruf absendet?

Die Rettungsschiffe – auch Frontex-Schiffe – sind mittlerweile sehr weit draussen, nahe der libyschen Küste. Sie sind in jenen Küstenabschnitten positioniert, von denen man weiss, dass dort Flüchtlingsboote auftauchen. Es gibt auch Möglichkeiten, diese Gebiete mit Helikoptern und Flugzeugen zu überwachen. So kann ein Rettungsschiff ein in Seenot geratenes Flüchtlingsboot innert rund einer Stunde erreichen.

Das ist zwar schnell, aber oft nicht schnell genug, denn ein solches Flüchtlingsboot kann innert Minuten sinken.

Das ist richtig, und das wird man auch nie ganz verhindern können. Mittlerweile sind zahlreiche Frontex-Schiffe draussen, es gibt auch die Ärzte ohne Grenzen, die ein eigenes Schiff draussen haben sowie eine weitere humanitäre Organisation, MOAS aus Malta, die mit einem grossen Schiff auf See wartet und hilft. Es sind also Hilfsschiffe da, aber man kann das Gebiet nicht flächendeckend absichern, dass gar keine solchen Unglücke mehr passieren.

Allein dieses Jahr kamen bereits mehr als 2000 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa ums Leben. Die tödlichste Route ist jene von Libyen nach Italien. Warum?

Es ist leider so, dass die Schlepperorganisationen die Boote völlig überfüllen, zudem sind diese absolut seeuntauglich. Das skrupellose Vorgehen der Schlepper führt zu solchen Unfällen.

Das Gespräch führte Barbara Peter.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Die FRONTEX und ALLE weiteren "private" (!) Rettungs-Unternehmen, bilden seit in Betriebnahme eine der wichtigsten Gründe, dass der EXODUS aus Afrika eher zunimmt, statt sich verringert! Es hat sich lbei den Organisatoren (Schlepper-Banden) und den Wirtschafts-Migranten längst herumgesprochen, dass ein "NOTRUF-SIGNAL sofort wirkt und die Rettung innert EINER Stunde zum Normalfall wird! Warum werden die Tausenden "Abhauer" aus Nordafrika nicht von der UNO an ihrer Reise nach Europa gehindert?
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Frontex ist eigentlich nicht dazu da, um Illegale aus Booten zu retten, sondern um die Aussengrenzen Europas zu schützen. Das ist ein expliziter Missbrauch der Frontex. Diese Dramen spielen sich ab, weil die EU mit ihrem Abholservice den Schleppern in die Hände spielt (die die Boote dadurch extra mit Menschen vollstopfen), indem man jeden Illegalen in Italien anstatt in Libyen an Land bringt und vollbesetzte Boote nicht nach Libyen abschleppt.
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  • Kommentar von Max Müller, Wangen
    Mit den Worten unserer geliebten Bundespräsidentin: "zurückschicken, undenkbar".
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