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Marcello Foa an RAI-Spitze Rechter Blogger dirigiert Italiens Radio und Fernsehen

Auch bei den Medien stellt die populistische Regierung in Rom die Weichen neu. Das beweist die Wahl des neuen RAI-Präsidenten.

Legende: Audio Italo-Schweizer wird RAI-Präsident abspielen. Laufzeit 03:19 Minuten.
03:19 min, aus Echo der Zeit vom 27.09.2018.

Seit 2007 schreibt Marcello Foa einen Blog, Link öffnet in einem neuen Fenster: fleissig, leidenschaftlich, pointiert. Darum weiss man ziemlich genau, wie er tickt: Auf seinem Blog feiert der in Mailand geborene und im Tessin aufgewachsene Foa die Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien. Er wettert gegen Merkel und Macron oder wirft Schwulen und Lesben vor, mit ihrer Propaganda – der sogenannten «Gendertheorie» – die «normal-natürliche Familie» zu untergraben.

Und in diesem Frühjahr forderte Marcello Foa sogar Staatspräsident Sergio Mattarella per Facebook dazu auf, Italien in eine Diktatur umzuwandeln. Dies, weil der Staatspräsident einen Politiker, der Foa sympathisch ist, nicht zum Minister ernannte.

Vom «Corriere del Ticino» zur grossen RAI

Damit positioniert sich Foa, der keiner Partei angehört, als Rechts-Konservativer, der schnell mal zum publizistischen Zweihänder greift und noch eins draufgibt. Wichtig ist das alles, weil Foa ab sofort sehr viel Macht hat. Anstatt der rund 300 Mitarbeiter, die er bisher beim «Corriere del Ticino» in Lugano leitete, dirigiert er nun in Rom die 13'000 Angestellten der RAI.

Zwar ist Italien ein grosses Tummelfeld für private Radio- und Fernsehsender. Doch bei der Information hat die RAI mit ihren drei abendlichen Tagesschau-Sendungen noch immer viel Einfluss. Und genau da kann Foa eingreifen: Er wird sämtliche Chefredaktoren neu ernennen.

Berlusconi
Legende: Er gab Foa den Segen – und die Stimmen seiner Anhänger: Medienzampano Silvio Berlusconi. Keystone

Nun wird sich weisen, ob Foa nur auf seinem Blog ein Heisssporn war, und ob es ihm gelingt, als Chef der RAI konstruktiv und ausgewogen vorzugehen. Die Macht, genau das Gegenteil zu tun, hätte er. Auch darum musste er bei seiner Wahl durch das Kontrollgremium der RAI eine Zweidrittelmehrheit hinter sich bringen. Ende Juli war Foa noch an dieser Hürde gescheitert.

Berlusconis Unterstützung hat einen Preis

Seither haben sich die Populisten in Rom einen Verbündeten und so zusätzliche Stimmen geangelt – jene von Silvio Berlusconis Forza Italia.

Ein pikantes Manöver, denn es ist wenig wahrscheinlich, dass Berlusconi seine Stimmen für Foa gratis abgegeben hat. Berlusconi ist derzeit weit weg von der Macht, möchte aber trotzdem sein privates Medienimperium gegen Angriffe absichern. Insbesondere die Fünfsterne-Bewegung hatte im Wahlkampf versprochen, offensiv gegen Berlusconis Medienmacht vorzugehen und den Berlusconi-Medien zum Beispiel die Werbezeit zu beschneiden.

Interessant ist nun, ob die Bewegung dabei bleibt, oder ob die Stimmen Berlusconis für Marcello Foa eben doch ihren Preis hatten.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Kriege - egal ob inländisch oder gegen aussen gerichtet - beginnen immer mit der Kommunikation. Was europaweit geschieht, ist das selbe, das man jahrzehntelang Regimen wie z.B. dem in Russland vorgeworfen hat. Dass nun Länder wie Italien und Oesterreich auf denselben Zug aufspringen, in dem schon die Visegrad-Staaten sitzen, macht nicht nur die Stimmung explosiv, sondern vernichtet jegliche Demokratie. Ich verstehe nicht, wie man die Leute unterstützen kann, die diese Entwicklung vorantreiben.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Nationalismus ist die neue Geißel der Menschen. Ungarn, Polen, USA, Italien, wer kommt noch dazu? Auch die Islamisten verbreiten letztendlich Nationalismus. In all den Jahrzehnten nichts gelernt! :(((
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    1. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      Ursache = Wirkung... Ueberfremdung macht Angst.. die Regierungen (Europa!!!) waren Zuegellos... Woe es Druck gibt entsteht iR Gegendruck... und dieser neue Nazionalismus.. er macht mir mehr Angst als die Ueberfremdung selber...
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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Wie sieht das eigentlich bei unserem Staatsmedium aus? Um nicht der Zensur zu unterliegen verzichte ich darauf meine Wahrnehmung zu schreiben.
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    1. Antwort von Ihr Kommentar
      Sehr geehrter Herr Christmann, besten Dank für Ihren Kommentar. Wir möchten Sie allerdings darauf hinweisen, dass SRF kein "Staatsmedium" ist. Staatsmedien sind Sprachrohre der jeweiligen Regierung. SRF beziehungsweise die SRG sind als "Verein" organisiert und geniessen volle Programmautonomie. Mit freundlichen Grüssen, Ihr SRF-Team
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    2. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Sehr geehrtes SRF, ich weiss, dass der Ausdruck "Staatsmedium" nicht korrekt ist. Ich benutze ihn einzig darum, weil ihr flächendeckend in der Schweiz sendet und quasi ein Monopol habt
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