Zum Inhalt springen

Header

Audio
Die negativen Auswirkungen von Tourismus
Aus Rendez-vous vom 02.08.2018. Bild: Keystone
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 58 Sekunden.
Inhalt

Massentourismus und Natur Gewaltsamer Tod eines Eisbären löst Debatte aus

Alle wollen noch Eisbären sehen, aber wild sollen sie nicht sein. Eine Gewichtung der Interessen tut Not.

Ein Kreuzfahrtschiff der deutschen Rederei Hapag-Lloyd, die MS Bremen, hatte den nördlichsten Ausläufer von Spitzbergen erreicht. Die von Norwegen verwaltete internationale Inselgruppe ist so gross wie die Schweiz und liegt auf halbem Weg zwischen dem Nordkap und dem Nordpol. Hier leben neben gut 2000 Menschen auch fast 3000 Eisbären.

Der Klimawandel hat im höchsten Norden dazu geführt, dass die Durchschnittstemperaturen innerhalb von zwanzig Jahren um zehn Grad gestiegen sind und sich das Packeis im Meer wie auch die Gletscher an Land schnell zurückgezogen haben.

Eisbär getötet

Um einen Besuch von Touristen der MS Bremen auf dem Nordzipfel Spitzbergens vorzubereiten, legten einige Crewmitglieder an Land an. Hier kam es zur Begegnung mit einem Eisbären. Dieser verletzte einen Matrosen am Kopf und wurde anschliessend erschossen.

Der Vorfall löste in der Öffentlichkeit auf Spitzbergen, aber auch in Norwegen eine Debatte über den zunehmenden Massentourismus in der ökologisch sehr sensiblen Arktis aus.

Boom vor dem Ende

«Wir haben den Eindruck, dass möglichst viele Menschen noch die eisige Arktis erleben möchten, bevor es zu spät ist», sagt der nordnorwegische Cheflotse Roy Arne Rotnes, der den Kreuzfahrtschiffen nördlich des Polarkreises hilft, den richtigen Weg zu finden.

In einem vom öffentlich-rechtlichen norwegischen Fernsehen kürzlich ausgestrahlten Dokumentarfilm mit dem vielsagend Titel «Shit O’Hoi» wird aufgezeigt, wie der Ballermann-Massen-Tourismus mittels Schiffen, die mehr Passagiere beherbergen können als es auf Spitzbergen Einwohner gibt, die Umwelt im höchsten Norden verschmutzen und den Klimawandel weiter verstärken.

Von den Touristen bleibt nur der Abfall

Im letzten Jahr kamen mit den grossen Schiffen über 50‘000 Menschen nach Spitzbergen. Geld lassen sie vor Ort kaum liegen, hingegen enorme Mengen an Abfall und Abwasser. Hinzu kommt, dass die oft älteren Passagiere das für die Lokalbevölkerung dimensionierte Gesundheitswesen auf Spitzbergen überlasten – und der schwarze Rauch des starken Dieselmotors Schnee und Eis auf dem Archipel dunkel einfärben.

Die für den Eisbären tödliche Begegnung vom letzten Wochenende ist nur ein weiterer Anlass dafür, genau zu überlegen, wie sich die berechtigte Neugier so vieler auf die unbekanntere Seite unseres Planeten mit den längerfristigen Interessen der Bevölkerung und den Tieren vor Ort in Einklang lassen bringen.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen
  • Kommentar von Pia Müller  (PiMu)
    Der Tourismus wird immer schizophrener, da die Menschen wohl das Geld haben für Reisen - jedoch absolut keine Gefühle für die Natur. Antarktis, Afrika wird die Tierwelt total ausgenutzt. Es sollte von den Reiseanbietern dementsprechend gehandelt werden.
    Doch wie teurer, entsprechend näher an den Wildtieren !! Einfach zum Schreien !
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    "Tod eines Eisbären löst Debatte aus": Wirklich? Sollte es nicht vielmehr heissen, das prominente, tagelange Erscheinen der Nachricht als Top-News hat den Zweck, eine Debatte auszulösen. Was wo und wie wird sich deshalb konkret ändern? Gar nichts, sage ich voraus.
    1. Antwort von Katja Schneider  (Bogenschützin)
      Nicht ihr Ernst, oder?!
  • Kommentar von Werner Blatter  (blatti)
    Da gibt es extra bewaffnete Guide die sicherstellen das dem Touristen nicht's passiert....!?
    Da fehlen einem normalen Menschen wie mir die Worte!
    1. Antwort von Klaus Kreuter  (KallePalle)
      Diese Welt zerstört sich selbst weil keine Achtung mehr vorhanden ist.