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Medienfreiheit in Serbien «Der ‹Blic› ist nicht mehr das, was er einmal war»

In Serbien ist die Medienfreiheit ein rares Gut. Präsident Vucic übt Druck auf die Medien aus. Auch die Boulevard-Zeitung «Blic», die zu Ringier gehört, spürt das.

Legende: Audio «Blic» in Serbien als Propagandavehikel abspielen. Laufzeit 04:16 Minuten.
04:16 min, aus Rendez-vous vom 26.09.2018.

Der heutige «Blic» ist nicht mehr, was er einmal war. «Es wäre übertrieben zu sagen, Blic habe nichts mehr zu tun mit dem kritischen Boulevard-Blatt, das wir früher gekannt haben», sagt Teofil Pancic. Er ist ein Kolumnist, der die Macht von Präsident Aleksander Vucic unentwegt kritisiert. Die Zeitung sei aber in den letzten ein, zwei Jahren sichtbar zahmer geworden. «Sie tritt gegenüber der Regierung zumindest kompromissbereit, wenn nicht sogar bejahend auf.»

«Viele prominente Autoren sind gegangen»

Gleich beurteilt die Lage Slobodan Georgiev von BIRN, einem internationalen Netzwerk von Investigativ-Journalisten auf dem Balkan.

«Wenn sie die Zeitung heute aufmachen, sehen sie kaum mehr Namen von Journalisten, die noch vor ein paar Jahren dort arbeiteten. Viele prominente Autoren wollten diese Entwicklung nicht mitmachen und sind gegangen», sagt Georgiev. Aber viele Leser hätten der Zeitung den Rücken gekehrt, so Georgiev weiter.

«Entscheidend ist der Inserate-Markt.
Autor: Slobodan GeorgievJournalist

Doch wie haben es Präsident Vucic und seine Fortschrittspartei geschafft, dass sie Schritt für Schritt fast alle Medien unter Kontrolle gebracht haben? «Entscheidend ist der Inserate-Markt. Es gibt zwei Inserate-Pools über die fast alle Werbegelder laufen», erklärt Georgiev. Willkommene Inhalte könnten so belohnt und Kritik bestraft werden.

«Blick»-Werbung und «Blic»-Titelseite.
Legende: Das Boulevard-Blatt «Blic» gehört zum Ringier-Axel-Springer Konzern. Keystone

Hass gegen die Nachbarn und endlose Interviews

Mehrere Medien wurden so in die Knie und zum Verkauf gezwungen – an Besitzer im Umfeld der Regierung. Es geht denjenigen Medien am besten, die wider alle journalistischen Regeln, Opposition und Nichtregierungs-Organisationen diffamieren, Hass gegen Nachbarstaaten säen und Präsident Vucic endlose Interviews ohne kritische Fragen gewähren.

Die wenigen kritischen Medien, die es noch gibt, überleben vor allem dank des Idealismus ihrer Journalisten. Sie erreichen allerdings nur einen kleinen, intellektuellen Teil der Bevölkerung.

Bemüht professionell zu arbeiten

Ivan Jovanovic ist Chef des Newsrooms bei «Blic». Er bestätigt: Die Journalisten in Serbien stehen unter grossem Druck. «Von Seiten der Politik und von mächtigen Wirtschaftskreisen wird Einfluss genommen.» Je schwieriger die finanzielle Situation eines Mediums sei, desto leichter könne es beeinflusst werden.

«Wir von ‹Blic› sind im Vergleich zu den anderen Medien aber in einer besseren Situation, weil wir die grosse schweizerisch-deutsche Ringier-Axel-Springer-Gruppe im Rücken haben», sagt Jovanovic. Man sei bemüht professionell zu arbeiten und sich diesen Druckversuchen zu widersetzen, so gut es gehe.

‹Blic› kritisiert die Regierung kaum noch.
Autor: Slobodan GeorgievJournalist

Sein Kollege vom Journalisten-Netzwerk BIRN pflichtet bei. Die Leute von «Blic» seien tatsächlich in einer schwierigen Situation und sie hätten sich nicht zum puren Propaganda-Organ machen lassen. Aber: «‹Blic› kritisiert die Regierung kaum noch. Und wenn, dann nur einzelne Minister, aber nicht Präsident Vuvic. Als ob es eine Abmachung gäbe im Sinne von: Ihr dürft über alle schreiben, was ihr wollt. Aber lasst die Hände weg von Vuvic», sagt Georgiev.

Der Mann, der in Serbien alle Zügel fest in der Hand hält, gibt sich nach aussen als der Mann, der Serbien in die EU führen will. Im Innern, führt er das Land aber in die entgegen gesetzte Richtung – was Rechtsstaat und Medienfreiheit betrifft.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Für mich ist eigentliche Skandal, dass ausländische Verlege gesamte Medien Landschaft auf Balkan kontrolieren. Jede Land, welche souverinitet möchte, muss jede Einmischung von aussen verhindern. Stellen wir uns vor, wenn bei uns Medien durch arabische Familien kontroliert weden? Was für ein Aufschrei wäre hier?
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    1. Antwort von kurt trionfini (kt)
      Herr Drago: Sie behaupten, dass "ausländische Verlage gesamte Medien Landschaft auf dem Balkan kontrollieren". Falls das stimmt habe ich folgende Fragen: 1. Was müsste geschehen, um eine Landeseigene, unabhängige Presselandschaft zu ermöglichen? 2. Welche Anstrengungen unternehmen die Regierungen der Balkan- Länder um die vielfältige und unabhängige Presselandschaft zu stärken und zu unterstützen? Danke für ihre konkreten Beispiele.
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    2. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Haben sie den Artikel nicht gelesen? Vucic übt Druck auf die unabhängigen Medien aus. Dies ist ein Schlag gegen die Meinungsfreiheit :-(
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    3. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Bingo! Eigene Zwangsmissionierung und gar soziale Subversion in saeckularen und andersgleubigen Staaten HUI, aber ein paar Petrodollars eines arabischen Oelscheichen in die Kollekte einer Schweizer Moschee mit staatlich amputiertem Minarett PFUI....
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    4. Antwort von Stanic Drago (Putinversteher)
      K.T. leider Kroatien, Slowenien und Montenegro haben weisse Flage schon lange ausgehängt. Serbien wegen ihre angebliche Neutralität versucht dagegenzusteuern. Aber jede Versuch, gewisse Regel aufzustellen, endet mit ein grösse Geschrei von EU Seite. Meine Meinung nach, mussen Gesetze beschlossen, welche verbitten, dass ausländische Personen oder Instutitionen kontrolle über nationale Medien haben.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Einfluss von Grossinserenten auf das Verschweigen ihrer Skandale gibts nicht nur in Serbien. Und das gar auch fuer vom Volk zwangsfinanzierte Medien, die ihr Buedget mit zum Teil so duemmlichen Werbespots aufmotzen, dass bald auch der Duemmste merkt, dass es dabei nur um die Tarnung der Korruption geht....
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    1. Antwort von Ben Dover (2preCent)
      Merken Sie nicht, dass die Publikation Ihrer verschwörungstheoretischen Kommentare Ihr Rgument ad absurdum führt? Auch wenn ich die Kritik der Qualität deutschsprachiger Werbeclips (im vergeich zu GB/US) teile, ist deren Konsumation beim heutigen Medienkonsum ja wahrlich freiwilliger Naur!
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