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Mega-Finanzspritze der EU Italiens gemischte Bilanz mit den Corona-Milliarden

Fast 200 Milliarden Euro hat Italien von der EU erhalten, um nach der Pandemie schnell wieder auf die Beine zu kommen.

Die Villa Ada in Rom war bis 1946 Residenz der italienischen Könige. Mit dem Fall der Monarchie verfiel dann aber auch die Pracht dieses grossen Anwesens.

Der verkommene Kaffeetempel

Doch nun konnte Rom grosse Teile des Parks und der Gebäude sanieren, dank des Corona-Wiederaufbaufonds. Zum Beispiel den Flora-Tempel. «Dieser kleine Pavillon, der aussieht wie ein antiker Tempel, war das Kaffeehaus der königlichen Familie», erklärt Tiziana Pescosolido, von der Römer Stadtverwaltung.

Der Architekt muss die Restaurierung des Tempio di Flora bis Ende Juni abgeschlossen haben, so wollen es die strengen Vorgaben aus Brüssel. Auch eine kleine Kirche hat man restauriert, einen überwucherten, künstlichen See wieder ausgegraben, Wege neu gepflastert und vor allem: Bäume gepflanzt. «Ohne das viele EU-Geld wäre das alles unmöglich gewesen», bilanziert Pescosolido.

Hat man die Ziele erreicht?

Die Idee des Coronafonds war es ja eigentlich, Italien digitaler, widerstandsfähiger, produktiver und ökologischer zu machen. Entsprechen die Projekte im Park der Villa Ada diesem Ziel? Zu einem grossen Teil ja, erklärt Pescosolido: «Heute ist der Park in der Lage, viel Regenwasser aufzufangen und zu speichern.

In Zeiten des Klimawandels und heftiger Tropenregen sei das wichtig, so der Vertreter der Stadtverwaltung. Zudem biete der Park in der extremen Römer-Sommerhitze Erfrischung und wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Kurz: Das Geld sei hier richtig und nachhaltig investiert.

Es ist gelungen, Reformen und Investitionen zu verbinden.
Autor: Luciano Monti Professor an der Privatuniversität LUISS

Über 300'000 Projekte in ganz Italien hat die EU mit dem Corona- oder Next-Generation-Fonds innert fünf Jahren finanziert. Wer hat den Überblick? Luciano Monti ist Professor an der LUISS, der Privatuniversität der italienischen Industriellenvereinigung Confindustria.

Historisches Gebäude mit Gerüst und Menschen, von Bäumen umgeben.
Legende: Die Zeit drängt: Die mit dem Coronafonds finanzierten Arbeiten müssten bis Ende Juni abgeschlossen sein. SRF/Franco Battel

Übers Ganze gesehen spricht Monti von einem Erfolg: «Es ist gelungen, Reformen und Investitionen zu verbinden.» Besonders viel erreicht habe die Justiz. Italien litt lange unter überlasteten Gerichten und quälend langen Prozessen. Mithilfe der EU sei es gelungen, den Pendenzenberg der Gerichte stark abzubauen.

Wenig Förderung für Junge

Ein weiteres wichtiges Ziel war die Förderung von Frauen und Jungen, die in Italien oft nicht, verspätet und nur mit prekären Verträgen in den Arbeitsprozess kommen. «Bei Projekten des Coronafonds hätte der Staat eigentlich immer mindestens 30 Prozent Junge anstellen müssen», sagt Monti. «Dieses wichtige Ziel hat man leider nicht erreicht.»

Holzstufen im Wald mit Bäumen im Hintergrund.
Legende: Blick in den weitläufigen Park der Villa Ada in Rom. SRF/Franco Battel

Ein anderes Ziel war es, das überlastete italienische Gesundheitswesen zu modernisieren. Auch hier sei die Bilanz gemischt. Italien habe viel in die medizinische Infrastruktur investiert, aber zu wenig ins Personal, allenthalben fehlen Ärztinnen und Ärzte.

Rezession knapp verhindert

Trotzdem bleibt Luciano Monti, Professor für EU-Recht, bei seinem insgesamt positiven Urteil. Endlich habe Italien, nach einer langen Periode der leeren Kassen und des Spardrucks, wieder investieren dürfen und können. Und zwar massiv.

Würde Italien heute, ohne das viele Geld aus Brüssel, in einer Wirtschaftsrezession stecken? Ja, das Geld der EU habe Italien knapp vor einer Rezession bewahrt, sagt Monti. Trotzdem bleibt der Professor optimistisch. Denn es gebe ja weiterhin viel Geld aus Brüssel. Nur sei Rom eben lange gar nicht in der Lage gewesen, dieses abzurufen. Nun aber habe Italien gezeigt, dass es schnell investieren und sich schnell erneuern könne.

Echo der Zeit, 24.06.2026, 18 Uhr

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