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EU-Gipfel in Antwerpen Meloni und Merz – die neuen Taktgeber für Europa?

Die Geschichte der Europäischen Union ist bis zu einem gewissen Grad auch die Geschichte von Freundschaften Adenauer und de Gaulle, Kohl und Mitterrand. Und vielleicht kommt nun ein weiteres Duo dazu: Meloni und Merz. 

Italiens Zeitungen auf jeden Fall überschlagen sich derzeit mit Analysen oder gar Lobeshymnen zur neuen Freundschaft. Tatsächlich: Meloni und Merz liegen in vielen Bereichen auf exakt derselben Wellenlänge. 

Was Rom und Berlin verbindet

Puncto Flüchtlinge und Migration haben beide restriktive Vorstellungen. Beide wollen – gegen den Widerstand aus Paris nota bene – den Freihandel mit südamerikanischen Staaten des Mercosur. Auch wollen sich Rom und Berlin einen direkten Draht ins Weisse Haus erhalten und Präsident Trump wenn immer möglich nicht provozieren. 

Und auch in der Wirtschaft sind die beiden Länder mit bedeutender Industrie ein gut geöltes Tandem mit einer gemeinsamen Vision zur Wiederbelebung der europäischen Wirtschaft, etwa der stark rückläufigen Produktion von Autos.

Rivalität Italien-Frankreich

In Paris sieht man das Techtelmechtel zwischen Meloni und Merz nicht so gerne. Man fürchtet um die Freundschaft zu Berlin, die während Jahren als Motor der Europäischen Union fungierte. 

Fakt ist: Der innenpolitisch schwache und im nächsten Jahr abtretende Emmanuel Macron hat Mühe, sich in Rom Gehör zu verschaffen. Melonis Koalitionspartner – Matteo Salvini Lega – ist gar offen anti-macronistisch. 

Überhaupt ist das Verhältnis zwischen Italien und Frankreich oft von gegenseitiger Rivalität geprägt. Dies alles macht Berlin zum logischen Partner von Rom und Meloni. 

... und was sie trennt

Aber auch innerhalb der neuen Partnerschaft gibt es Gräben, und zwar tiefe. Das hoch verschuldete Italien will seit jeher gemeinsame europäische Schulden – Eurobonds. Doch von diesen will wiederum Berlin rein gar nichts wissen, ob dort nun die SPD oder die CDU regiert. 

In genau diese Kerbe hieb gestern Macron, als er erneut gemeinsame Schulden vorschlug, um Europa zu erneuern. Das war Lockstoff für Meloni, dem sie nur schwer widerstehen kann. 

Historische Bande

Unter dem Strich bleibt: Italien unter Meloni ist in der EU ein attraktiver Partner. Berlin hat das erkannt und reagiert. Ob diese Annäherung allerdings die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich wird ersetzen können, ist ungewiss. 

Denn das enge Verhältnis zwischen Paris und Berlin ist über Jahrzehnte gewachsen. Davon sind Merz und Meloni noch ein ganzes Stück entfernt.

Franco Battel

Italienkorrespondent

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Franco Battel ist seit 2024 wieder Italienkorrespondent bei Radio SRF. Zuvor war er Auslandredaktor. Bereits von 2015 bis 2021 berichtete Battel als Korrespondent für Italien und den Vatikan aus Rom. Zuvor war er als Auslandredaktor für Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein verantwortlich.

Rendez-vous, 12.2.2026, 12:30 Uhr;weds

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