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International Merkel in Moskau: Ein Besuch mit scharfen Worten

Die deutsche Bundeskanzlerin zollte in Moskau den Millionen sowjetischen Opfern im Zweiten Weltkrieg Respekt. Gleichzeitig übte sie harsche Kritik an Russlands Rolle im Ukraine-Konflikt. Wladimir Putin blieb ungerührt – selbst als Merkel die «Annexion» der Krim als «verbrecherisch» bezeichnete.

Legende: Video Frostige Atmosphäre zwischen Merkel und Putin abspielen. Laufzeit 01:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.05.2015.

Der pompösen Siegesparade vom Samstag war die deutsche Kanzlerin wie fast alle ihre westlichen Kollegen ferngeblieben – aus Protest gegen Russlands Ukraine-Politik. Heute Sonntag reiste Angela Merkel dann aber nach Moskau, um mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Grab des Unbekannten Soldaten einen Kranz niederzulegen.

Angela Merkel zeigt mit dem Finger, Wladimir Putin macht ein betretenes Gesicht.
Legende: An der Pressekonferenz mit Wladimir Putin wurde Angela Merkel ungewohnt deutlich. Keystone

Auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin machte sie dann zunächst klar, warum sie einen Tag später doch noch kam: Als deutsche Bundeskanzlerin verneige sie sich, «vor den Millionen Opfern, den dieser Krieg, vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselt, gefordert hat».

Es werde immer im Bewusstsein bleiben, «dass es die Völker der Sowjetunion waren, die Soldaten der Roten Armee, die damals die höchste Zahl der Opfer zu beklagen hatten».

«Ein schwerer Rückschlag»

Diese bitteren Erfahrungen der Geschichte seien eine Lehre, dass die schwierigen Situationen wie die gegenwärtige nur diplomatisch gelöst werden könnten, sagte Merkel weiter und brachte das Gespräch damit zurück auf die Krise in der Ostukraine. Trotz der Minsker Vereinbarung sei bis heute kein Waffenstillstand eingetreten, es gebe nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) «sehr, sehr viele Verstösse von der separatistischen Seite», sagte die Kanzlerin, um hinzuzufügen: «Ich glaube, der russische Präsident hat Einfluss auf die Separatisten.»

Mit Blick auf den Beginn der Krise wurde Merkel dann besonders deutlich: Die deutsch-russische Zusammenarbeit «hat durch die verbrecherische und völkerrechtswidrige Annexion der Krim und die militärische Auseinandersetzung in der Ostukraine einen schweren Rückschlag erlitten». Sie sehe darin «eine Verletzung der Grundlagen der gemeinsamen europäischen Friedensordnung». Der russische Präsident reagierte zunächst nicht auf die Wortwahl.

Russland sieht sich weiter im Recht

Moskau sieht die Aufnahme der Krim in die Russische Föderation im Einklang mit dem Völkerrecht. Die Schwarzmeer-Halbinsel hatte sich im März 2014 in einer umstrittenen Volksabstimmung für einen Beitritt zu Russland ausgesprochen. Die Ukraine sieht das Referendum im klaren Widerspruch zur Verfassung der Ex-Sowjetrepublik.

Anders als der Westen, der von Annexion – also von einer gewaltsamen Aneignung – spricht, nennen die Russen den Krim-Anschluss eine «Wiedervereinigung». Putin betont immer wieder, dass es auf der Halbinsel eine Tragödie gegeben hätte wie in der Ostukraine, wenn Russland nicht eingeschritten wäre.

Queen feiert Kriegsende

Mit einem Gottesdienst in der Westminster Abbey hat Grossbritanniens Königin Elizabeth II. des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa vor 70 Jahren gedacht. Anschliessend zog eine feierliche Parade zum Balkon, von dem aus 1945 der damalige Premier Winston Churchill dem Volk das Ende des Krieges mit Deutschland verkündet hatte.

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186 Kommentare

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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Wenn diese Frau Merkel nur einmal zur Kenntnis nehmen würde, dass die damalige deutsche Wehrmacht, also deutsche Väter und Söhne und ihre Verbündeten, im 2. Weltkrieg, über 60 Millionen mehr oder weniger unschuldige Menschen umgebracht haben, davon ca 25 Millionen Russen, davon über 10 Millionen russische Frauen und Kinder. Wer einen Krieg anzettelt, müsste eigentlich für alle die schrecklichen Vorkommnisse gerade stehen. Diese Frau scheint das Alles vergessen zu haben. Leider.
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  • Kommentar von Felix Buchmann, Bättwil
    Die Putin-Lobby schreibt und schreibt, und auf jeden nicht "linientreuen" Kommentar gibt es sofort zwei, drei, vier Entgegnungen. So schaffen wir locker die 200-Kommentarmarke :-) Als unabhängiger Beobachter muss man sich schon fragen, woher der Eifer kommt, mit dem hier einem skrupellosen, aggressiven Machthaber das Wort geredet wird....
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    1. Antwort von Jacqueline Zwahlen, Amlapura
      Den mit dem unabhängigen Beobachter kaufe ich gerade Ihnen nicht ab, lieber Herr Buchmann. Aber fragen Sie sich ruhig weiter. Vielleicht kommen Sie ja noch drauf ;)
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    2. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Frau Zwahlen, natürlich dürfen Sie anzweifeln, dass ich nichts als ein unabhängiger Beobachter bin, der hier ab und zu seine Meinung äussert :-) Nur müssen Sie dann auch mir zugestehen, dass ich die Beweggründe derer hinterfrage, welche hier jeden Tag einen Diktator und seine Schergen in den höchsten Tönen loben, während sie dem Westen und seinen Schützlingen stets nur die allerschlimmsten Absichten unterstellen :-) Gleiches Recht für alle....
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  • Kommentar von Bendicht Häberli, Burgdorf
    Ich habe diesen Artikel erst jetzt gelesen. Ich habe gar keine Sympathie für die EU und bin vielfach auch nicht gleicher Meinung wie Frau Merkel. Hier ziehe ich aber meinen Hut. Es braucht unheimlich viel Mut in der Hauptstadt von RU den Diktator Putin auf diese Weise zusammen zu stauchen. Leider wird es nichts nützen, weil Putin, im Gegensatz zu Europa, auf militärische Stärke setzt (siehe Parade zum Ende des 2. WK). Er wird erst einsichtig werden, wenn es zu spät ist (wirtschaftlicher Ruin).
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    1. Antwort von P. Brown, Bern
      @mitulla, @ Bernoulli, usw.: In 1945 kämpften die Russen noch in Berlin, bravo. Aber, z.Z in 2015 kämpfen sie noch, gegen den eigenen Nachbarn 2000 km ostlicher, ..an den eigenen Grenzen. Und schiessen Malaysian Airlines MH17 in der Luft. Wer, wer ist hier der grosse Verlierer?
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      Dann wissen Sie mehr als der Rest der Welt. Die Osce hatte die ukrainische Regierung angeklagt, bei der Aufklärung nicht mitzuarbeiten... die Untersuchungen sind meines Wissens noch nicht abgeschlossen. Der Konflikt in der Ukraine wird vom eigenen Militär unter der Führung der Faschisten gegen die ukrainische Bevölkerung im Donbass geführt. Vereinzelt unterstützt Russland die Kämpfer, aber eine grosse Anzahl Kämpfer oder Kriegsgerät wurde bis heute noch nie bewiesen- dafür umso öfters behauptet.
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