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Salon Milipol: die Sicherheitsbranche zeigt ihre Innovationen
Aus Tagesschau vom 21.11.2019.
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Messe für Sicherheitstechnik Blühendes Geschäft mit der Angst

Von der autonomen Drohne über Spionage-Software und intelligente Schutzwesten bis zum vernetzten Polizeihund – am Salon Milipol präsentiert die Branche Innovationen zum Schutz der inneren Sicherheit von Staaten.

Der Mann im eleganten Anzug wiegt die SIG Sauer P226-Pistole fachmännisch in der Hand, zieht den Schlitten zurück. Sofort ist ein Stand-Mitarbeiter zur Stelle. Vielleicht hat der Mann ja ein grosses Budget, um Polizeikorps damit ausrüsten?

«Ein 630-Milliarden-Markt»

Der Salon Milipol in den Expohallen von Villepinte in der Pariser Banlieue ist sozusagen ein Supermarkt für staatliche Sicherheits- und Interventionseinheiten, für Überwachungs- und Nachrichtendienste. Angesichts der sich ständig verschärfenden Bedrohungslage durch heimkehrende Dschihadisten, steigende Bandenkriminalität und immer radikalere Aktivisten blüht das Geschäft mit der Angst.

«Weltweit ist der Sicherheitsmarkt fast 630 Milliarden Euro schwer», sagt Yann Jounot, Präsident der alternierend in Paris und Katar stattfindenden Salons Milipol. Die Wachstumsrate liege bei sieben Prozent und sei damit doppelt so hoch wie jene des globalen Wirtschaftswachstums.

Präzisionsgewehr
Legende: An der Messe werden auch Präzisionswaffen präsentiert. SRF

1100 Aussteller aus 53 Ländern

Anders als bei einer Messe zu militärischer Verteidigung, wo nur Staaten als Käufer auftreten, ist die Milipol für eine Vielzahl von Sicherheitsdiensten interessant, weshalb Jahr um Jahr immer mehr grosse Konzerne wie kleine Start-ups ihre neuesten Innovationen vorstellen.

Die Bandbreite an neuen verbesserten Technologien und Utensilien ist gross, und wer am Salon Aufmerksamkeit erregen will, muss etwas zeigen. So drischt an einem Stand ein Mann mit Schlagstöcken, Messern und einem Baseball-Schläger auf eine Frau in Schutzkleidung ein. Dank den in den Overall eingearbeiteten Aluminiumlegierungen eines deutschen Herstellers trägt sie nicht mal blaue Flecken davon. Interventionseinheiten aus aller Welt werden damit ausgerüstet.

Hund mit vernetzter Brille. Daneben ein Mann.
Legende: Polizeihund Fusil trägt eine vernetzte Brille, durch die der Hundeführer sieht, was Fusil sieht. SRF

«Sitz. Go. Links. Links.» Polizeihund Fusil gehorcht aufs Wort. Der belgische Schäferhund trägt eine vernetzte Brille, durch die der Hundeführer sieht, was Fusil sieht. Dank dem am Halsband befestigten Funkgerät kann dieser dem Hund auch Befehle erteilen. Mit einem Preis von 30'000 Euro das Stück kann sich aber wohl nicht jede K9-Gruppe solche «Recs Specs» leisten, um Verbrecher oder Verschüttete aufzuspüren.

Radar und Kameras überall

Schutz und Sicherheit der Zukunft hängen immer mehr von Hightech und künstlicher Intelligenz ab. Da ist das handliche Radargerät, das durch 30 Zentimeter dicke Mauern hindurch Atmung und Herzfrequenz erkennen kann. Oder die erste autonome Drohne eines französischen Startups, die beispielsweise über sensiblen Industriearealen selbständig Patrouillen fliegt, Bilder in Echtzeit liefert und wieder an die Dockingstation zurückfliegt.

Ausgestellte Drohne
Legende: Autonome Drohnen mit Kameras aller Art werden den Besuchern angeboten. SRF

Überhaupt liegen mit Kameras aller Art bestückte Drohnen im Trend, genauso wie die immer leistungsfähigeren Techniken, feindlich gesinnte Flugobjekte zu erkennen, deren Signale zu stören oder sie gleich vom Himmel zu holen. Federführend sind dabei israelische und chinesische Unternehmen. Nicht mit Waffen und Munition, sondern mit Helmen und Schutzwesten, mit Störsendern, Drohnen und Kameras zur Gesichtserkennung. Wegen des strengeren Persönlichkeitsschutzes werden letztere in westlichen Demokratien indes keinen Anklang finden.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Weber  (Weberson)
    Ja, das Geschäft mit der Angst ist ein sehr rentables. Auch Versicherungen wissen das. Die Sicherheit kommt nun mal gleich nach den Grundbedürfnissen auf der Maslow-Pyramide. Nur schade, dass ein grosser Teil der jemals weltweit verkauften Waffen, für alles andere als ein Sicherheitsgefühl geschweige denn physische Sicherheit gedient hat...
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Sicherheitsvorkehrungen dienen auch dazu,eigenen,lange nicht nur durch eigenen Verdienst zugelegten Reichtum zu verteidigen.Erschütternd sind Bilder in Sao Paulo, Brasilien.In der Stadt zäunen sich Reiche ein. Begreiflich:Die Armen würden wohl bei Reichen einbrechen. Natürlich illegal. Aber wo solche Ungerechtigkeit herrscht dürfen wir uns nicht wundern, dass es zu Einbrüchen und Gewaltanwendungen gibt. Es läge an uns, zu mehr sozialer Gerechtigkeit, da, wo wir können, beizutragen.Statt Waffen.
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    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Bernard Friot bringt es auf den Punkt: "Das Revolutionäre spielt sich nicht in der Politik ab, sondern im Wirtschaftlichen. Daher sind auch jegliche Formen von Demokratien äussert gefährdet, solange nicht volkswirtschaftlich relvante Wirtschaften in die Hand der Öffentlichkeit kommen. Der Weg ist lang, es wird dreckig gespielt, dennoch es lohnt sich, unsere demokratischen, sozialen Errungenschaften stehen auf dem Spiel. Gegner sind all diejenigen, die den Gesellschaftsvertrag gekündigt haben.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Dieser "Markt für Sicherheit" zeigt, wie dumm, ohne Weitsicht, die Menschheit grossenteils unterwegs ist. D. h präziser: Eigentlich ist es ein recht kleiner Teil der Menschheit, der einen grossen Teil materieller Güter besitzt und mit fadenscheinigen Gesetzgebungen, die sogar in Demokratien sogar gestützt werden, ihre Güter auf ungerechte Weise verteidigt. Dann gibt es dazu noch Konkurrenz unter den Mächtigen. Terror- und Kriegsgefahr sind die Folge. Wie viele könnte man mit 630 Mia ernähren?
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    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Gar niemanden, weil man Geld nicht essen kann Herr Känel schon gar nicht Fiktives. Ist alles Giralgeld, dass nur Wert hat wenn Jemand es will, in diesem Fall die Unternehmen die das Zeug herstellen.
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