Drogenboss an USA ausgeliefert Mexiko überstellt «El Chapo»

Der einst mächtigste Drogenboss der Welt wird der US-Justiz übergeben. Dort werden ihm Mord, Drogenhandel, organisierte Kriminalität und Geldwäsche vorgeworfen. Sollte er auspacken, könnte es für einige in Mexiko ungemütlich werden.

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Aus dem Archiv: Drogenboss bricht aus Gefängnis aus

1:36 min, aus Tagesschau vom 12.7.2015

Das Wichtigste in Kürze

  • Mexikanisches Gericht lehnt Rechtsmittel von Guzmán gegen seine Auslieferung an die Vereinigten Staaten ab.
  • «El Chapo» galt einst als mächtigster Drogenboss der Welt.
  • USA werfen ihm Mord, Drogenhandel, organisierte Kriminalität und Geldwäsche vor.
  • Zweimal gelang Guzmán die spektakuläre Flucht aus mexikanischen Gefängnissen.

Der mexikanische Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán ist an die USA ausgeliefert worden. Der frühere Chef des Sinaloa-Kartell wurde in der Stadt Ciudad Juárez an der Grenze zu den Vereinigten Staaten den US-Behörden übergeben, wie das mexikanische Aussenministerium mitteilte.

Zeitpunkt kein Zufall

Laut Behördenvertretern in Mexiko ist die Auslieferung just am Tag der Amtseinführung Trumps als Signal des guten Willens an den neuen US-Präsidenten und als Abschiedsgeschenk für den scheidenden Präsidenten Barack Obama gedacht. Trump will eine Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko bauen und sich aus dem wichtigsten Handelsabkommen mit dem Nachbarn zurückziehen.

Beamte der US-Antidrogenbehörde nahmen «El Chapo» am Flughafen in Empfang. Dann wurde er nach New York geflogen. Zuvor hatte ein Gericht die von Guzmán eingelegten Rechtsmittel gegen seine Auslieferung abgelehnt.

Von anderen Gefangenen isoliert

«El Chapo» werden in den Vereinigten Staaten Mord, Drogenhandel, organisierte Kriminalität und Geldwäsche vorgeworfen. Es liegen Haftbefehle aus den US-Bundesstaaten Texas und Kalifornien gegen ihn vor.

Zuletzt hatte Guzmán über seine Behandlung in dem Hochsicherheitsgefängnis von Ciudad Juárez geklagt. Seine Frau Emma Coronel sagte, die Justizvollzugsbeamten liessen ihren Mann nicht schlafen und isolierten ihn von anderen Gefangenen. Körperlich und psychisch gehe es ihm sehr schlecht.

Drohung des Drogenbosses

«El Chapo» hatte gedroht, im Falle seiner Auslieferung an die Vereinigten Staaten über seine Kontakte und Geschäfte auszupacken. Sollte er mit den US-Behörden im Gegenzug für Informationen einen Deal machen, könnte es für so manchen Politiker und Beamten in Mexiko ungemütlich werden.

Schon lange gibt es Gerüchte, dass die Regierung dem Sinaloa-Kartell bei seinen kriminellen Geschäften weitgehend freie Hand liess. Die Idee dahinter war demnach, dass eine dominante Rolle des Verbrechersyndikats von «El Chapo» in der mexikanischen Unterwelt für Ruhe sorgen würde.

Flucht durch den Tunnel

«El Chapo» galt einst als mächtigster Drogenboss der Welt und war zweimal aus mexikanischen Hochsicherheitsgefängnissen geflohen. 2001 setzte er sich in einem Wäschewagen aus der Haftanstalt Puente Grande ab. Im Februar 2014 wurde er in der Küstenstadt Mazatlán im Westen des Landes festgenommen. Nach nur 17 Monaten in Haft floh er 2015 durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel aus dem Gefängnis Altiplano.

Das Sinaloa-Kartell

Das Sinaloa-Kartell gilt als eines der mächtigsten Verbrechersyndikate Mexikos. Die Bande kontrolliert im Westen des Landes den Kokain- und Marihuanaschmuggel in die USA und unterhält enge Kontakte zu kolumbianischen Drogenhändlern. Mittlerweile hat das Kartell sein Geschäftsfeld erweitert und ist nach Einschätzung von Experten auch in Produktpiraterie, Menschenhandel und Schutzgelderpressung verwickelt.
Das Kartell entstand Ende der 1980er Jahre, als die Bande des Drogenhändlers Miguel Ángel Félix Gallardo nach dessen Festnahme zerfiel. Die Brüder Arellano Félix gründeten das Tijuana-Kartell, Joaquín «El Chapo» Guzmán das konkurrierende Sinaloa-Kartell. Das Verbrecherkartell hat eine starke Präsenz in den Vereinigten Staaten. Die Allianz mit dem neuen Kartell Jalisco Nueva Generación ist offenbar zerbrochen. 

Vor gut einem Jahr fassten Marineinfanteristen «El Chapo» in der Stadt Los Mochis im Westen des Landes. Im Mai 2016 stimmte die mexikanische Regierung seiner Auslieferung an die Vereinigten Staaten zu.

Staatsfeind Nummer 1

Das Sinaloa-Kartell gilt als die mächtigste kriminelle Organisation Mexikos und macht Milliardenumsätze. Guzmán soll persönlich für bis zu 3000 Morde verantwortlich sein. Das Kartell überschwemmte die USA mit Heroin und Kokain.

Die Chicago Crime Commission erklärte Guzmán zum Staatsfeind Nummer 1. Diese Bezeichnung war zuvor nur für den US-Gangster Al Capone vergeben worden.

Joaquín «El Chapo» Guzmán

Er galt als der wohl mächtigste Drogenhändler der Welt: Bereits zweimal ist Joaquín «El Chapo» Guzmán aus einem mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis getürmt. Damit soll jetzt Schluss sein. Die mexikanische Regierung hat den Chef des Sinaloa-Kartells an die USA ausgeliefert.
«El Chapo» (Der Kurze) kam 1957 in dem Dorf La Tuna de Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa zur Welt. Der Sohn einer armen Familie verkaufte als Jugendlicher Orangen, bevor er sich in den 1980er Jahren der Drogenbande um Miguel Ángel Félix Gallardo anschloss. Nach der Festnahme des Chefs gründete er das Sinaloa-Kartell. Die US-Antidrogenbehörde DEA bezeichnet das Syndikat als multinationalen Grosskonzern des organisierten Verbrechens.
Guzmán war 1993 in Guatemala festgenommen worden, doch 2001 gelang ihm die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Mexiko. Mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar schaffte er es auf die «Forbes»-Liste der reichsten Menschen der Welt.
Im Februar 2014 nahmen Marineinfanteristen «El Chapo» in einem Apartment in der Küstenstadt Mazatlán im Westen des Landes fest. Gerade mal 17 Monate verbrachte der Drogenboss in Haft, dann entkam er im Juli vergangenen Jahres durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel in die Freiheit. Im Januar 2016 wurde Guzmán erneut gefasst. Nun könnte «El Chapo» den Rest seines Lebens in einem amerikanischen Hochsicherheitsgefängnis verbringen müssen.