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International Migranten als Arbeitssklaven

Migranten aus Schwarzafrika arbeiten schwarz und zu Hungerlöhnen in den Obst- und Gemüseplantagen Süditaliens. Die italienische Polizei kämpft verstärkt gegen die Ausbeutung von Migranten in der Landwirtschaft. Der grosse Flüchtlingsstrom von Afrika nach Italien heizt das Problem aber an.

Legende: Video Migranten als Arbeitssklaven abspielen. Laufzeit 08:30 Minuten.
Aus Rundschau vom 29.06.2016.

Fast täglich werden in diesen Tagen zwischen Afrika und Italien Tausende Migranten aus Flüchtlingsbooten gerettet und zu den Häfen Siziliens gebracht. Die Hoffnung auf ein besseres Leben zerschlägt sich für viele aber schnell. Die Migranten landen als billige, schwarz arbeitende Erntehelfer auf den Gemüse- und Obstplantagen Süditaliens.

Wie die «Rundschau» in Sizilien recherchiert hat, verdienen die Migranten als Erntehelfer 10 bis 20 Euro im Tag. Illegale Arbeitsvermittler, sogenannte «caporali», sammeln sie rund um Flüchtlingszentren und improvisierten Migranten-Camps auf und bringen zur Arbeit auf den Feldern. Wie viele es sind, weiss niemand genau. Nach letzten Schätzungen der italienischen Gewerkschaft CGIL arbeiten in Italien rund 400‘000 Personen schwarz in der Landwirtschaft. Die meisten sind Migranten.

«Moderne Sklaverei»

Pater Carlo D’Antoni, Pfarrer in der sizilianischen Stadt Siracusa, setzt sich gegen die Ausbeutung von Migranten als Schwarzarbeiter ein. Gegenüber der «Rundschau» sagt er: «Das ist moderne Sklaverei. Von diesem Zustand profitieren viele. Die Migranten sind unverzichtbar für die Ernte von Gemüse und Obst. Ohne Migranten würde die Landwirtschaft in Süditalien zusammenbrechen.» Die Flüchtlinge seien aber nur als Schwarzarbeiter erwünscht. «Sonst will sie niemand haben», klagt Pater Carlo an.

Gemüsebauer rechtfertigen sich

Unter den Obst- und Gemüsebauern Siziliens ist die Stimmung angespannt. Betriebsschliessungen sind an der Tagesordnung. Gemüsebauer Mariano Ferro aus Vittoria, sagt gegenüber der «Rundschau», billige Schwarzarbeiter seien oft die einzige Lösung, um weiterzumachen, – auch wenn es eigentlich illegal sei. Die Preise für Obst und Gemüse würden seit Jahren sinken. Ferro: «Ohne Migranten hätten hier schon 70 Prozent der Unternehmen geschlossen. Die Kosten sind zu hoch. Die Preise zu tief. Da können wir nur noch aufgeben.»

Razzien durch Polizei

Die italienische Polizei macht vermehrt Razzien und verhaftet Plantagenbesitzer, die Migranten ausbeuten. Doch, es sei ein schwieriger Kampf, sagt ein Ermittler, der anonym bleiben will. Zu verbreitet sei das Phänomen und es herrsche die «omertà», das Gesetz des Schweigens.

Der Chef der Kriminalpolizei von Catania, Antonio Salvago, will verhindern, dass die Migranten auf den Plantagen landen. Der grosse Flüchtlingsstrom aus Afrika heize das Phänomen aber an. «Das ist ein grosses Problem, das vor allem die sizilianischen Küstenregionen betrifft. Die italienische Polizei bekämpft mit allen Mitteln die Ausbeutung der Migranten als Schwarzarbeiter. Es ist ein anspruchsvoller Kampf. Denn, wir sind zweifellos mit einer epochalen Flüchtlingswelle konfrontiert.»

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Fürs jüngste Flüchtlingsarbeitsprojekt meldeten sich von 60'000 im Asylverfahren ganze 6, die bereit waren für 3200.-/Mt zu arbeiten. 3 davon seien wieder ausgestiegen, ihnen war die Arbeit zu streng, wird in ihrer Heimat, wie auch Kochen und Putzen, von Frauen erledigt, eines Mannes unwürdig. Männersache ist dort offenbar nur das Kaffee- oder Teehaus. Allzuviele sogenannte Flüchtlinge ziehen diese Ansicht auch im Schlaraffenland Schweiz mit gütiger Hilfe unsrer Sozialentflammten durch.
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Die alte Hetze der faulen Ausländer, wie peinlich.
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    2. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Und dann, Herr Steiner, wäre ich sehr gespannt von Ihnen zu erfahren, weshalb kaum ein Asylbewerber bereit war, gegen Entlöhnung in der Landwirtschaft zu arbeiten. Eins zu zehntausend spricht doch Bände, nicht wahr.
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    3. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Thomas Steiner, wenden Sie sich mit diesem Vorwurf ans SRF, es und viele andere Medien haben diesen denkwürdigen Bericht veröffentlicht.
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  • Kommentar von Franz Huber (R.)
    Ja was glauben den die illegalen Migranten weshalb sie toleriert werden. Wenn man diese Arbeiten anständig bezahlen würde, hätte es genügend andere Menschen die sie erledigen würden. Deshalb braucht man doch die Zuwanderung, ob illegal oder durch die PFZ. Um der Wirtschaft möglichst billige Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.Je mehr verfügbar sind, umso besser für die Firmen.Desto schlechter für die AN, auch die welche bereits in die jeweiligen Länder migriert sind.Schnauze halten u chrampfe
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Und wenn Gewerkschaftler in CH eine Verbesserung der flankierenden Massnahmen fordern und etwas mehr Kontrollen gegen Missbrauch, dann sind es sie selben Leute, die wieder schimpfen... Wenn man hier manche Voten liest, dann gibt es jedenfalls keine einzige Partei in der Schweiz, die diese Schimpfer noch wählen können. Sie teilen aus und teilen aus und kommen mit einem Sammelsurium und zig Versatzstücken aus zig Dingen daher, dass man nur froh sein kann, wenn man überhaupt kein Politiker ist.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Realistische Gedanken2: Es trifft nicht zu, dass die Süd-/Ostländer mehr den Migranten bieten könnten, wenn sie wollten. Bei Durchschnittslohn von 3-900 EUR/Mt. im Büro - wie soll da ein Erntenhelfer mehr als 10/Std. verdienen? Hohe Arbeitslosigkeit, marode Infrastruktur, kein soziales Netz wegen Geldmangel, statistische Tricks en masse, um die hohe Arbeitslosigkeit zu kaschieren. Wie sollten denn diese Staaten den Migranten Kost&Logis bieten? Gut gemeinte Beiträge sind willkommen.
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