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Rund 5000 Menschen flüchten übers Meer aus Marokko
Aus Tagesschau vom 18.05.2021.
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Migration nach Spanien «Es gibt zwei Stellen, wo man übers Meer schwimmen kann»

Innerhalb von 24 Stunden sind rund 5000 Menschen aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta gelangt. ARD-Korrespondent Reinhard Spiegelhauer sagt, wie es möglich war, dass sie die Grenze passieren konnten und was nun mit ihnen geschieht.

Reinhard Spiegelhauer

Reinhard Spiegelhauer

ARD- Korrespondent

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Spiegelhauer arbeitet für die deutsche ARD und lebt in Madrid.

SRF News: Noch nie haben so viele Menschen gleichzeitig die Grenze nach Ceuta überquert. Wie kam das zustande?

Reinhard Spiegelhauer: Es ist überraschend, dass das so passiert ist. An der Grenze gibt es einen mehrere Kilometer langen Zaun. Er ist bis zu sechs Meter hoch, in mehreren Staffeln hintereinander. Das heisst, diese Grenze ist sehr stark abgeschirmt. Aber Ceuta ist eine Exklave am Mittelmeer. Es gibt zwei Stellen, wo man übers Meer von einem Strand zum anderen schwimmen kann.

Es geht konkret um die Westsahara.

Die Grenze ist normalerweise stark bewacht, im Wesentlichen auf der marokkanischen Seite. Vor beiden spanischen Exklaven, Ceuta und Melilla, gibt es Zeltstädte mit Zehntausenden von Migrantinnen und Migranten aus anderen Staaten Afrikas oder aus dem Nahen Osten, die nach Europa wollen. Aber: Die Menschen, die nun nach Ceuta gekommen sind, stammen aus Marokko. Denn dort leidet die Bevölkerung auch unter der Coronakrise.

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Migranten schwimmen nach Ceuta
Aus News-Clip vom 18.05.2021.
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Die Grenzwache schaut offenbar weg. Was ist der Grund dafür?

Marokko möchte damit politischen Druck auf Spanien ausüben. Zum einen geht es um Geld. Die EU zahlt Marokko viele Millionen, damit Marokko hilft, die EU-Aussengrenze an diesen Stellen zu schützen. Und zum anderen geht es um diplomatische Streitigkeiten, konkret um die Westsahara.

Die Westsahara ist eine ehemalige Kolonie Spaniens. Spanien hat diese Kolonie nach dem Ende der Franco-Diktatur verlassen. Seitdem erhebt Marokko Anspruch auf das Gebiet. Damit ist Spanien nicht einverstanden und unterstützt immer wieder die Unabhängigkeitsbestrebungen in der Westsahara. Aktuell wird ein Führer dieser Unabhängigkeitsbewegung in Spanien in einem Spital behandelt. Er ist schwer an Covid-19 erkrankt.

Was will Marokko von Spanien? Es geht wohl kaum um diese eine Person?

Nein, solche Fälle gibt es immer wieder. Der Konflikt um die Westsahara zieht sich schon seit Jahrzehnten hin. Spanien sagt, wir haben unsere Kolonien nicht umsonst geräumt, wir haben sie in die Unabhängigkeit entlassen wollen. Und Marokko sagt, die Westsahara gehört traditionell zu uns.

Da es nicht Flüchtlinge aus dem Nahen Osten oder aus Afrika sind, sondern Marokkaner, wird man sie zurückschicken wollen.

Nun hat Spanien die eigene Grenzwache nach Ceuta geschickt. Kann das Land so verhindern, dass der Ansturm weitergeht?

Das wird schwierig, denn nicht ohne Grund sind normalerweise die marokkanischen Grenzbeamten diejenigen, die die Grenze abschirmen. Allerdings wird Spanien jetzt Soldaten nach Ceuta entsenden. Die Exklave hat 85'000 Einwohner, jetzt sind 5000 Migranten dazugekommen und das Auffanglager hat Platz für 200 Personen.

Was passiert mit diesen 5000 Menschen? Viele von ihnen sollen laut Medienberichten ja minderjährig sein.

Die Rede ist von 1500 Minderjährigen. Die werden zunächst in Spanien bleiben. Der grösste Teil der Menschen wird aufs spanische Festland gebracht werden müssen, weil es für sie keine Infrastruktur in Ceuta gibt. Da es nicht Flüchtlinge aus dem Nahen Osten oder aus Afrika sind, sondern wie erwähnt Marokkaner, wird man sie – wie die spanische Aussenministerin bereits gesagt hat – zurückschicken wollen.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

SRF 4 News, 18.05.2021; 08:45 Uhr;

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Mirjam Hoss  (Snipsnapper)
    "Das wird schwierig, denn nicht ohne Grund sind normalerweise die marokkanischen Grenzbeamten diejenigen, die die Grenze abschirmen."

    Liebes SF Team, das verstehe ich nicht. Warum wird die Grenze nicht von den Spaniern selber geschützt? Dann bräuchten sie die - offenbar unzuverlässigen Marokkaner dafür auch nicht zu bezahlen. Gibt es dazu Informationen?
  • Kommentar von Steven Baumgartl  (Steven B.)
    so lange wie wir den staaten der dritten und vierten welt zeigen wie vermögend die westliche welt ist, wir unseren prunk bereitwillig zeigen, so lange werden andere menschen versuchen daran zu partizipieren. was abhaben möchte doch jeder, ist nur menschlich... die reichen wollen das auch, sie wollen jeden menschen billig machen und für sich einsetzen, um noch mehr geld zu scheffeln. traurig aber wahr! mal in sich gehen und fragen was man zum leben braucht und verzichten wäre ein Anfang!
    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Steven Baumgartl: Vielen Dank für diesen treffenden Kommentar! Besser kann man es kaum ausdrücken. Das müssten unsere z. T. selbstgerechten Rechtskonservativen und einzelne andere nicht rechtskonservative Vermögende lesen, bei denen zum Teil Reichtum liegt, der nicht nur legal ist. Bei den Armen werden Sozialdetektive eingesetzt; die Reichen lässt man laufen, auch wenn sie "so richtig Dräck am Stäcke" haben. Das werden wohl nicht wenige sein - in paramafiösen Strukturen.
    2. Antwort von Udo Gerschler  (UG)
      Ihre Kommentare erinnert an Populistische Forderungen von Diktatoren die schon viel Elend über die Menschen gebracht haben.Glauben sie wirklich das die Menschen in Staaten flüchten nur wegen Geld und nicht auch freie Menschen sein wollen.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Es ist ein trauriges Bild, das sich uns hier präsentiert. Wir Industrieländer haben die ärmeren Länder, die ehemaligen Kolonien direkt oder indirekt ausgeplündert und ausgenutzt und ihnen dann kaum geholfen bei der Errichtung einer guten Staatsform. Dann sind leider die Regierungen, z. B. in Afrika, grösserenteils korrupt. Wir Industrieländer könnten führend werden, indem wir für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen würden, dort wie auch hier. Das System der Reichen blutet uns hier wie dort aus.
    1. Antwort von Peter Wiesner  (Peter P. Wiesner)
      Ueli, da kann ich Ihnen beipflichten und darf ergänzen?

      Und genau dieses besagte Land, Marokko, ist ein Königreich!

      Wie ich in meinem Post um 14:08h erwähnt habe, hat diese Flüchtlingswelle eine direkte Ursache auf den diplomatischen Zwist zwischen Deutschland und Marokko.
      Einen besseren Ablauf für Druckaufbau und Erpressung (mit Menschen gegen Geld) kann man sich hierbei nicht vorstellen.
    2. Antwort von Bruno Müller  (Krötenprinz)
      Die marokkanische Königsfamilie ist unermesslich reich...
    3. Antwort von Mirjam Hoss  (Snipsnapper)
      Wie viele Jahrzehnte ist das schon wieder her? Opfer spielen bis in alle Ewigkeit geht nicht, auch in Afrika nicht.

      4'000 Milliarden (!) Entwicklungshilfe wurden gemäss NZZ vom letzten Oktober in den letzten 50 Jahren seitens der Öffentlichen Hand in Europa (= nur dieser, ohne private Spenden) nach Afrika gepumpt.

      Wie viele sollen es denn noch sein? Erst recht, da die Bevölkerungszahl explodiert (Hochrechung der Vereinten Nationen: im Jahre 2050 2,5 Milliarden, bis 2100 4!).