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Militärmanöver «Wostok» Russland trainiert mit China den Krieg

«Wostok 2018» heisst das grösste Manöver seit sowjetischen Zeiten. Auch China nimmt an der Mega-Militärübung teil.

Legende: Audio Martin Aldrovandi: «China hofft, von den Russen zu lernen» abspielen. Laufzeit 02:39 Minuten.
02:39 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.09.2018.

Russland beginnt heute sein grösstes Manöver seit sowjetischen Zeiten 1981. Bei der Übung «Wostok 2018» will das russische Verteidigungsministerium 300'000 Soldaten, 36'000 Panzer, Panzerwagen und andere Fahrzeuge, 1000 Flugzeuge, Helikopter und Drohnen sowie 80 Marineschiffe einsetzen.

China und Mongolei beteiligt

An der Übung nimmt auch Russlands grosser östlicher Nachbar China teil. Etwa 3000 chinesische Soldaten mit 30 Flugzeugen werden auf dem Schiessplatz Zugol östlich des Baikalsees mit den Russen üben. Auch die benachbarte Mongolei ist beteiligt.

Kampfflugzeuge haben Tarngeschosse abgeschossen.
Legende: Bild vom letztjährigen russischen Manöver «Sapad». Diesmal übt China mit den Russen. Keystone

China biete sich mit der Teilnahme die Möglichkeit, praktische Erfahrung eines Militäreinsatzes zu sammeln, sagt SRF-Chinakorrespondent Martin Aldrovandi. Schliesslich habe die riesige chinesische Armee seit Jahrzehnten keinen Krieg mehr geführt. «Man hofft auch von den russischen Erfahrungen – etwa aus dem Syrienkrieg – zu lernen».

Daneben wolle Peking mit der Teilnahme wohl auch die eigene militärische Stärke demonstrieren und damit ein Signal aussenden, was das Südchinesische Meer betreffe, so Aldrovanid weiter.

Grossmächte rücken zusammen

China und Russland arbeiten auf verschiedenen Ebenen intensiv zusammen: So folgt China im UNO-Sicherheitsrat etwa meist den russischen Anträgen – oder enthält sich der Stimme. Wie Moskau hat auch Peking grosse Vorbehalte gegen die Vormachtstellung der USA und macht sich für eine multipolare Welt stark. Zudem hat der wirtschaftliche Austausch in den letzten Jahren stark zugenommen: China kauft Rohstoffe in Russland und verkauft dem Land im Gegenzug Konsumgüter. Nicht zuletzt sorgt der Handelsstreit zwischen Peking und Washington dafür, dass China die Nähe zu Russland sucht. (aldm)

Nachbarn mit einbeziehen

Das Grossmanöver in Sibirien und im Fernen Osten Russlands richte sich gegen kein anderes Land, sagte der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow vergangene Woche in Moskau. Trotzdem dürfte die örtliche Nähe des Manövers zu China der Hauptgrund sein, wieso chinesische Truppen zu der Übung eingeladen worden sind, glaubt Korrespondent Aldrovandi.

Doch anders als 2017 bemüht sich die russische Militärführung diesmal, Befürchtungen in anderen Ländern zu entkräften. Damals hatte Russland im Rahmen von «Sapad» an seiner Westgrenze geübt, was die Nachbarstaaten im Baltikum sowie Polen und die Ukraine als Bedrohung empfanden. Die Nato hielt Moskau vor, mehr Soldaten einzusetzen als angekündigt.

Nicht gegen einen ausländischen Gegner

Mit «Wostok 2018» wird denn auch nicht der Kampf gegen eine fiktive ausländische Macht geübt. Im Manöver kämpfen der Zentrale Wehrbezirk Russlands und die Nordflotte gegen den Fernöstlichen Wehrbezirk und die Pazifikflotte.

Auch das nordatlantische Verteidigungsbündnis Nato wird noch diesen Herbst ihr wahrscheinlich grösstes Manöver seit dem Kalten Krieg abhalten. Vom 25. Oktober bis 7. November sollen in Norwegen mehr als 40'000 Soldaten aus etwa 30 Nato- und Partnerstaaten gemeinsam trainieren.

Eine Machtdemonstration Moskaus

Eine Machtdemonstration Moskaus

«Russland will zeigen, welch schlagkräftige Armee es hat», sagt SRF-Korrespondent David Nauer in Moskau. Es gehe darum, die in den letzten Jahren neu organisierten und geschaffenen Kommandostrukturen in der russischen Armee zu testen. Das Manöver zusammen mit chinesischen und mongolischen Soldaten sei allerdings auch eine Botschaft an den Westen, so Nauer. Nämlich, dass Russland nicht allein stehe – auch wenn der Westen im Zuge der andauernden Ukraine-Krise oder der Skripal-Affäre versuche, Russland immer stärker zu isolieren.

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Weber (Weberson)
    Jetzt erschliesst sich mir auch, wieso das Rentenalter in Russland erhöht werden soll. Man kann sein Geld natürlich auch so ausgeben..
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Wobei, zynisch gesehen, Putin noch finanzielle soziale Minderausgaben hat, weil die Lebenserwartung der Russen im Vergleich zu anderen Ländern wie Westeuropa ca. 12 Jahre geringer ist.
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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Bislang sind alle Versuche RUS im Krieg zu besiegen, für die Aggressoren kläglich und im Elend gescheitert. Und in der neueren Geschichte kommt noch das enorme Risiko eines nuklearen Holocaustes hinzu. Dieses Großmanöver kann nur einem Ziel dienen, nämlich dass Putin und sein Militär als Aggressor, wenn eine Schwäche bei anderen Ländern ausgemacht wird, diese angreift und besetzt. Putin geht, das hat er beispielsweise in der Ukraine, Syrien, Tschtschenien bewiesen, buchstäblich über Leichen.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Es ist genau umgekehrt. Ersetzen Sie in Ihrem Kommentar Russland durch die USA und nehem in der Liste der bekriegten Länder noch Irak, Afghanistan und Libyen auf und Sie treffen den Nagel auf dem Kopf. Sowohl in der Ukraine, in Syrien und in Tschetschenien waren die USA die Agressoren und Russland in der Position der Verteidiger.
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  • Kommentar von Thomas Leu (tleu)
    Na toll! Und wir in der Schweiz erlauben uns die Luxusdiskussion, ob wir die völlig veralteten Tiger Kampfflugzeuge durch ein paar zeitgemässe Flugzeuge ersetzen wollen. «Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben», können wir dann mal sagen, wenn wir, wie vor dem 2. Weltkrieg, völlig unvorbereitet in eine brenzlige Situation hereingeraten in Europa. Da wird dann jeder nur noch für sich schauen; das sehen wir ja jetzt schon.
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    1. Antwort von elize naude (elize)
      mann kann nie frieden mit waffen verteidigen... was für ein absurde vorstellung...
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    2. Antwort von Andy Z (Andypagandi)
      An Elize Naude, niemand kann mit Waffen den Frieden verteidigen,dass stimmt, aber noch weniger kann man vermeiden, in einem Krieg verschonz zu bleiben, weil man keine Waffen hat.
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    3. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      Doch kann man. Man soll sich nämlich, falls nötig, verteidigen, statt sich schutzlos den (Kriegs-)Spielen von Aggressoren auszuliefern. Das beste ist, wenn man eine Armee hat, aber man sie nicht braucht - weil man sie hat. Genau dazu ist die Schweizer Armee da, um die Bevölkerung vor solchen Typen wie Putin, Assad und Erdogan zu schützen.
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    4. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Sie brauchen in der Schweiz nicht aufzurüsten, weil ihre Armee im Ernstfall allein auf sich gestellt ohnehin ein Witz wäre. Von welchem Feindbild gehen die Eidgenossen eigentlich aus?
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    5. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Marcel Chauvet: Wer redet denn von Aufrüsten? Besser wäre zeitgemäss ausrüsten. Ich glaube, da muss uns auch nicht Deutschland bemuttern. Die können sich selber kaum verteidigen und haben, wie die Schweiz, auch keine feindlichen Nachbarn.
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    6. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      @Leu: Abgesehen davon, dass Deutschland einem Militärbündnis angehört, die Schweiz aber nicht, haben Sie recht und dann haben wir Russland gottlob nicht als unmittelbaren Nachbarn.
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