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International Militärparade in Moskau: Russland lässt die Muskeln spielen

Mit der grössten Militärparade seiner Geschichte feiert Russland den Sieg über den Nationalsozialismus vor 70 Jahren. In seiner Rede kritisiert Putin, dass die Prinzipien der Nachkriegsordnung immer öfter verletzt würden. Der Westen boykottiert derweil den Anlass wegen Russlands Ukraine-Politik.

Legende: Video Gigantismus pur in Russland abspielen. Laufzeit 01:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.05.2015.

Mit einer beispiellosen Militärparade hat Russland den Sieg über das Nazi-Deutschland vor 70 Jahren gefeiert. Hunderttausende Zuschauer verfolgten die Feierlichkeiten auf dem Roten Platz in Moskau.

An der Militärparade – der grössten in der Geschichte des Landes – nahmen mehr als 16'000 Soldaten teil. Vorgeführt wurden auch Panzer, Raketenträger und andere Militärfahrzeuge. Dutzende Kampfjets flogen über die Moskauer Hauptstadt. Russlands Präsident Wladimir Putin nahm die Parade zusammen mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu ab.

Legende: Video SRF-Korrespondent Franzen zu Putins Spektakel abspielen. Laufzeit 01:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.05.2015.

Eine ideale Gelegenheit für den Kreml

Beim perfekt orchestrierten Spektakel habe sicherlich die Ukraine ein Stück weit eine Rolle gespielt, sagt SRF-Russland-Korrespondent Christof Franzen in der «Tagesschau».

Verschiedene Kommentatoren würden Putin vorwerfen, den Sieg über Hitler-Deutschland auszunutzen, um die militärische Aggression in der Ostukraine rechtfertigen zu können. Die Argumentation «man hat damals gegen den Faschismus gekämpft und muss es auch heute tun» ziele natürlich weit an der Realität vorbei, so Franzen.

Zusätzlich könne Putin mit der Siegesfeier einen Grossteil des Volkes hinter sich scharen. «In Zeiten der Wirtschaftsrezession ist dies eine gute Möglichkeit, die der Kreml gerne nutzt.»

Kritik an «monopolarer» Welt

Putin nahm in seiner Rede zu Beginn der Parade indirekt Bezug auf die schwerste Krise zwischen Ost und West seit Ende des Kalten Krieges.

Die Prinzipien der Nachkriegsordnung würden immer häufiger verletzt, kritisierte er. Versuche, eine «monopolare» Welt zu schaffen, nähmen zu. Nötig sei aber ein System, das gleiche Sicherheit für alle Staaten garantiere. «Nur dann werden wir Frieden und Ruhe auf dem Planeten gewährleisten», sagte der russische Präsident.

Putin betonte in einer Rede den «grandiosen Sieg» über den Nationalsozialismus. Die sowjetischen Soldaten hätten damals die Europäer befreit, betonte Putin. Ausserdem würdigte er die Rolle der westlichen Alliierten in der Anti-Hitler-Koalition. Die Sowjetunion hatte im Kampf gegen den Faschismus mit mehr als 27 Millionen Toten die grösste Zahl der Opfer.

Westen boykottiert Feierlichkeiten

Mehr als 20 Staatsoberhäupter nahmen an den Feierlichkeiten teil, unter anderem der chinesische Staatschef Xi Jinping, der kubanische Präsident Raúl Castro, der Präsident Zimbabwes Robert Mugabe, der venezolanische Präsident Nicolás Maduro, der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi und der Premierminister Indiens Narendra Modi.

Ebenfalls anwesend waren der UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie zahlreiche Spitzenpolitiker aus Nordkorea, Südafrika und der ehemaligen Sowjetrepubliken.

Die Staatschefs der EU sowie US-Präsident Barack Obama boykottieren hingegen die russische Feier. Damit protestieren sie gegen Russlands Politik im Ukraine-Konflikt. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hält sich von der Parade fern. Sie will aber mit Kreml-Chef Putin an diesem Sonntag in Moskau am Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Kranz niederlegen.

Die Abwesenheit des Westens verdeutlicht laut SRF-Korrespondent Franzen vor allem eines: «Russland bewegt sich weg von Europa in Richtung Osten – vor allem in Richtung China.»

Machtdemonstration und Verkaufsschau

Die Militärparade setzt eine Reihe von Feiern im sowjetischen Stil fort, die Russland 2008 wieder aufnahm. Kernstück bildet die Präsentation der neuesten Kriegstechnologie, damit ist die Parade sowohl eine Machtdemonstration Moskaus als eine Verkaufsschau der russischen Rüstungsindustrie. Moskau enthüllte an der Parade erstmals den neuen «Superpanzer» T-14 Armata. Die rund 50 Tonnen schwere Kampfmaschine wird von den Streitkräften als Inbegriff einer neuen Panzer-Generation angepriesen.

Nach der Parade zogen Hunderttausende Menschen im Gedenken an die Opfer des Weltkriegs über den Roten Platz – Putin führte den Marsch an. Dicht an dicht trugen mitunter ganze Familien die Bilder ihrer verstorbenen Angehörigen durch das Zentrum von Moskau.

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144 Kommentare

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  • Kommentar von N.Belg, Luzern
    Das ist schönes Bild auf dem Roten Platz, man sieht gut, wie sieht es aus wenn 16.000 sind. Die Lügen von Nato, dass in der Ostukraine RU Truppen sind. Und noch hochmoderne Technik.
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    1. Antwort von P. Brown, Bern
      Moskau sieht aus, genau so wie Nord Korea: Diktator mit seiner Parade.
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    2. Antwort von Hans Berger, Bern
      Schöner Anlass, von China finanziert. Der Chinesische Premier könnte sich ein Lächeln nicht verkneifen!
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Heute war Angela Merkel nach Moskau gereist, um, gemeinsam mit W. Putin, einen Kranz zu ehren des unbekannten Soldaten niederzulegen. Anschliessend hatten sie sich zu einem Gespräch zurückgezogen. Das lässt hoffen auf Entspannung in Europa. Bei allen Entspannungsbemühungen zwischen RF und D kommt aus den USA heftige Kritik und Anfeindungen gegen Merkel, als ob eine eurasische Entspannung gegen die Interessen der USA laufen...
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Seit Ende des 2. W. K. sind die Amis die eigentlichen "Herren" in West-Europa & führen hier eigentlich seither immer ihre Kriege. Der Kalte Krieg angezettelt, wurde Europa grade mal 25 Jahre des Frieden & Entspannung mit dem Osten gegönnt. Jetzt haben sie wieder einen Keil zwischen West,- & Ost-Europa getrieben. Durch tüchtige Mithilfe der Dame Merkel (ihre Wahl zur Kanzlern damals ja auch sehr überraschend gewesen ist), ist es ihnen geglückt, Russland wieder zum neuen Feindbild zu machen.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    China geht brutal gegen Minderheiten und Völker vor (Tibet z.B.). Die USA haben keine Mühe, China zu hofieren, wenn es um geschäftliche Abschlüsse geht. Sie haben auch keine Mühe mit Saudi-Arabien. Wenn dort der Despot stirbt, erhält er von Obama eine Lobesrede. Wie soll man da die Kritik der USA an Putin ernst nehmen? Wenn sie sich gegen einen Regierungschef einschiessen, der ihnen nicht passt, ist der Ausbruch eines Krieges oder Umsturzes meist nicht weit. Siehe Aussage von Stephen F. Cohen.
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