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Ein Flugzeug der Turkish Airlines am Flughafen von Antalya, durch ein Flugzeugfenster gesehen.
Legende: Dschihadisten sollen sich auch unter den Touristen an Bord der Ferienflieger nach Antalya befinden. Reuters
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International Mit dem Ferienflieger in den Krieg – dank offener Grenzen

Der Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat in Irak und Syrien setzt auch das Nachbarland Türkei unter Druck. Berichte häufen sich, wonach Dschihadisten aus dem Westen via Türkei in die Kampfgebiete geschleust werden. Der Journalist Thomas Seibert in Istanbul kennt ihre Routen.

SRF: Offenbar nutzen die IS-Kämpfer die türkischen Grenzregionen im Süden in aller Offenheit als Rückzugsraum. Warum sind die Grenzen derart durchlässig?

Thomas Seibert: Die Grenzen sind offen, weil die Türkei gegenüber den syrischen Flüchtlingen eine Politik der offenen Tür verfolgt. Das heisst, alle Flüchtlinge aus Syrien werden vorerst aufgenommen. Die islamistischen Kämpfer können sich unter die Flüchtlinge mischen, weil sie wissen, dass die Türken auf ihrer Seite der Grenze nicht unbedingt jeden kontrollieren. Ausserdem handelt es sich um eine 900 Kilometer lange Grenze. Da sind wirksame Kontrollen ohnehin schwierig.

Das gilt für Kämpfer, die aus Syrien zurückkommen. Es gelangen aber auch neue Dschihadisten aus dem Westen über die Türkei in die Kampfgebiete...

Das stimmt. Es gibt mindestens zwei Routen. Die eine führt über Istanbul. Westliche IS-Kämpfer reisen als Touristen nach Istanbul, werden da von Mittelsmännern in Empfang genommen und dann an die Grenze gebracht – entweder wieder mit dem Flugzeug oder mit Fernbussen. An der Grenze werden sie in kleinen Gruppen von drei bis fünf Kämpfern über die grüne Grenze nach Syrien hinein geführt. Die zweite Route führt über die türkischen Feriengebiete an der Südküste, besonders über Antalya. Diese Dschihadisten benutzen Ferienflieger dahin, und reisen von dort aus mit dem Bus an die Grenze.

Sie sprechen von Mittelsmännern: Könnte die Türkei diese Unterstützerszene nicht besser kontrollieren?

Das sagen viele Kritiker hier in der Türkei und auch im Westen. Die türkische Regierung sieht sich aber in einer schwierigen Situation. Seit Juni halten die IS-Milizen 50 türkische Geiseln in ihrer Gewalt. Das sind Geiseln, die ihnen in der nordirakischen Stadt Mossul in die Hände gefallen sind. Einzelne IS-Vertreter haben auch mit Anschlägen in der Türkei gedroht. Es gab auch schon Tote in der Türkei durch den IS: Im März waren drei solche Dschihadisten – einer von ihnen war ein Schweizer aus dem Kanton Aargau – nach einem Kampfeinsatz in Syrien auf dem Weg nach Hause, nach Europa. Sie blieben in Zentralanatolien in einer Strassenkontrolle hängen und haben drei Türken erschossen. Die Täter sitzen jetzt im Gefängnis und sollen vor Gericht gestellt werden.

Kritiker glauben, dass sich die türkische Regierung vom IS erpressen lässt.
Autor: Thomas SeibertJournalist, Istanbul

Das heisst, die Türkei hat schon eigene, blutige Erfahrungen mit dem IS gemacht. Aus diesem Grund geht die Türkei relativ milde mit den Dschihadisten um. In Istanbul zum Beispiel gab es vor einigen Wochen sogar ein Treffen unter freiem Himmel von mehreren hundert Anhängern der IS-Milizen, ohne dass die Polizei einschritt. Kritiker glauben, dass sich die alte Erdogan-Regierung – und die neue unter Davutoglu – vom IS erpressen lässt.

Das Gespräch führte Barbara Büttner.

Thomas Seibert

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Thomas Seibert

Der Journalist Thomas Seibert ist USA-Korrespondent des «Berliner Tagesspiegels». Zuvor berichtete er während 20 Jahren für verschiedene Zeitungen und Radiosender aus der Türkei.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von p.keller , kirchberg
    Wer wie die Türkei nicht rigoros gegen das Geflecht und Sympathisanten der IS vorgeht, macht sich mitschuldig und zeigt vor allem seine Gesinnung.
    1. Antwort von Lisa Hofer , Zürich
      Ist aber auch nicht einfach für die Türkei. Entweder man geht scharf gegen die IS vor und dafür werden die eigenen Bürger terrorisiert oder man schützt die eigenen Landsleute und muss dafür der IS etwas Raum lassen... Was ich sagen will: Aus der Ferne sieht manches einfacher aus als wenn man selber drin steckt. Ich bin mir auch nicht sicher, was die Schweizer Bürger für eine Haltung hätten, wenn die Schweiz in einer ähnlichen Lage wäre...
    2. Antwort von Bruno Vogt , Zürich
      Frau Hofer, es ist schon so das es aus der Ferne einfacher aussieht. Aber es ist nun einmal so das die Regierung in der Türkei die Islamisten lange Zeit auch unterstützt haben gegen Assad und eigentlich gar nicht gross gegen sie vorgegangen sind. Jetzt wo die Sache langsam aus dem Ruder läuft, merken sie das es viellicht keine so gute Idee war. Aber nach wie vor tut die Türkei viel zu wenig und verhilft so dem islamischen Staat zu lebenswichtigen Gütern und Waffen!
  • Kommentar von René Pfeifer , Araschgen
    Funktioniert aber nur, wenn ich Waffen und Munition als Reisegepäck aufgebe ! Im Handgepäck sind diese nämlich nicht erlaubt.
  • Kommentar von Marlene Zelger , 6370 Stans
    So jetzt ist Schluss mit Schengen! Wir wollen wieder unsere Grenzen allein bewachen, sonst haben wir diesen lebensbedrohlichen Terror bald auch in der Schweiz und müssen um unsere Köpfe fürchten.
    1. Antwort von mjenny , rheintal jetzt shanghai
      Gruss nach Stand, Türkei ist soweit weg von Schengen wie Stans von Shanghai.
    2. Antwort von B. Küng , Biel
      Zelger, seit wann gehört die Türkei zum Schengen-Raum?? Informieren Sie sich doch bevor Sie in die Tasten hauen, gell?
    3. Antwort von F. Muster , Schweiz
      @Küng, Biel: M. Zelger hat recht. Sobald solche Leute im Schengen-Raum sind, haben sie freie Fahrt in die Schweiz. So hätten wir wenigstens noch eine Grenze auch gegen den Schengenraum, die wir selber kontrollieren.