Monsanto zittert um Milliardengeschäft

Kolumbien geht neue Wege in der Drogenbekämpfung. Das Land will die illegalen Coca-Pflanzen nicht mehr mit Glyphosat besprühen – und damit vernichten – weil das Herbizid möglicherweise Krebs erregt. Bedingte Freude darüber dürfte der US-Konzern Monsanto verspüren. Ihm drohen Milliardeneinbussen.

Ein Polizei-Flugzeug sprüht in der Region El Tarra Herbizide über illegale Coca-Felder. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Polizei-Flugzeug sprüht in der kolumbianischen Catatumbo-Region Herbizide über illegale Coca-Felder. Keystone

Kolumbien vollzieht eine Wende in der Drogenbekämpfung: Es stellt
die Besprühung von illegalen Coca-Pflanzungen mit dem Herbizid Glyphosat ein – man kennt es unter dem Handelsnamen «Roundup Ready».

Monsanto bangt um ein Milliardengeschäft

2:40 min, aus Echo der Zeit vom 16.05.2015

Ende März hatte die Weltgesundheitsorganisation das Herbizid als möglicherweise krebserregend eingestuft. Jetzt bangt der Hersteller des Pflanzengifts, der US-Konzern Monsanto, um ein Milliardengeschäft. Denn «Roundup ready» wird auch in der Landwirtschaft eingesetzt.

Spätestens ab Oktober ist in Kolumbien Schluss mit dem Einnebeln von illegalen Coca-Pflanzungen. Bis dahin sollen Alternativen zum Gift Glyphosat entwickelt sein. Das Gift wirkt ähnlich wie das von den Amerikanern einst im Vietnamkrieg eingesetzte Entlaubungsmittel Agent Orange. Es lässt die Pflanzen verdorren.

Menschen klagen über Hautausschläge, Miss- und Fehlgeburten

Der Verdacht, dass «Roundup Ready» nicht unbedenklich ist, wie dies sein US-amerikanischer Hersteller Monsanto behauptet, äussern die Menschen in den Gebieten Kolumbiens mit illegalen Coca-Feldern schon lange. Von Hautausschlägen, Miss- und Fehlgeburten ist die Rede.

Noch erschreckender sind die Klagen aus den Dörfern Südamerikas, um die herum genveränderter Mais und Soja angebaut und aus der Luft mit Glyphosat behandelt wird. Die Pflanzen selbst sind resistent gegen das Gift, das ist der Dreh an dieser Art Landwirtschaft.

Die Häufigkeit, mit der Krebs auftritt oder Kleinkinder mit Geschwüren am Rücken oder Hirnschäden zur Welt kommen, ist überdurchschnittlich hoch. Die Vermutung, der Wind trage das Spritzgift in die Dörfer herüber, ist zumindest nicht abwegig.

«Der Königsweg der modernen Landwirtschaft»

Jüngst hat die Weltgesundheitsorganisation nachgezogen und festgestellt, es gebe Anzeichen dafür, dass Glyphosat Krebs auslöse. Die Forschung dazu ist noch nicht abgeschlossen.

Bis auf Kolumbien beharren in Südamerika Regierungen und die Landwirtschaftslobby immer noch darauf, «Roundup Ready» und genveränderter Mais oder Soja seien der Königsweg der modernen Landwirtschaft.

Widerstand gegen Glyphosat-Verbot

Gegen das Verbot des Herbizides gibt es in Kolumbien aber Widerstand: vom amerikanischen Botschafter bis hin zur Armee – die vor einer Kokain-Schwemme warnt. Die Debatte über die Gefährlichkeit des Glyphosats dürfte schnell auch Argentinien und Brasilien erfassen – Länder, die im grossen Stil genveränderten Mais und Soja anbauen.

Zuletzt müssen sich auch die Konsumenten weit weg von den Plantagen ihre Gedanken machen. Zumal genveränderter Mais und Soja aus Südamerika auch in Europa stark eingesetzt wird, als Kraftfutter in der Tiermast. Es ist also nachvollziehbar, dass Monsanto um ein Milliardengeschäft zu zittern beginnt.