Zum Inhalt springen

Header

Audio
Tschetschenische Schwule werden verfolgt
Aus Echo der Zeit vom 22.01.2019.
abspielen. Laufzeit 04:30 Minuten.
Inhalt

Morde an Homosexuellen Neue homophobe Gewaltwelle in Tschetschenien

Dutzende Schwule verhaftet, mehrere im Gefängnis zu Tode gefoltert. Verantwortlich dafür ist Kadyrows Gewaltherrschaft.

Morde an Homosexuellen: Schon einmal, 2017, deckte eine russische Zeitung auf, dass mehr als 100 schwule Männer in tschetschenischen Gefängnissen gefoltert und zum Teil ermordet worden sind. Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow stritt alles ab. Jetzt berichtet eine russische Schwulen- und Lesbenorganisation in St. Petersburg von einer neuen Gewaltwelle gegen Homosexuelle in Tschetschenien. Das russische LGBT-Netzwerk schreibt von mindestens 40 Verhaftungen seit Anfang Dezember. Mindestens zwei Menschen seien im Gefängnis hingerichtet worden.

Glaubwürdige Berichte: Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist alarmiert: Man habe für die neue Verfolgungswelle, Link öffnet in einem neuen Fenster gegen Schwule oder Lesben in Tschetschenien glaubwürdige Berichte erhalten. Auch AI spricht von zwei im Gefängnis zu Tode gefolterten Personen. Laut SRF-Russlandkorrespondent David Nauer werden die Angaben ausserdem von der Zeitung «Novaja Gaseta» bestätigt, die als sehr gut informiert gilt.

Unzimperliche Polizei: Offenbar durchsucht die Polizei in Tschetschenien konsequent die Handys von verhafteten Homosexuellen. Weil diese untereinander über soziale Medien vernetzt sind, stossen die Polizisten auf weitere Schwule oder Lesben, wie der Korrespondent berichtet. So seien auch im aktuellen Fall gemäss den Medienberichten ganze Gruppen Homosexueller eruiert und verhaftet worden.

Brutalisierte Gesellschaft: Die Gründe für die extreme Verfolgung von Homosexuellen in Tschetschenien seien vielfältig, sagt Nauer. So sei Tschetschenien sehr konservativ – das sei auch andernorts oftmals eine Voraussetzung für Homophobie. Ausserdem herrsche in Tschetschenien eine sehr hohe Gewaltbereitschaft. Der Grund dafür liege wohl in den zwei tschetschenischen Kriegen (1994-1996 und 1999-2009), in denen die Menschen massive Gewalterfahrungen gemacht hätten.

Alleinherrscher Kadyrow: Hinzu komme der brutale Präsident: «Ramsan Kadyrow herrscht uneingeschränkt – und er hat einen totalitären Machtanspruch», sagt Nauer. Er wolle die totale Kontrolle über die Tschetschenen – bis ins Schlafzimmer hinein. Das alles ebne den Boden für brutale Verbrechen an Homosexuellen.

Putin schaut zu und schweigt: Keine Reaktion zu den Vorfällen kommt aus Moskau – obwohl Tschetschenien eine russische Teilrepublik ist. Zwar habe es 2007 offizielle Ermittlungen gegeben, die aber im Sande verlaufen seien, sagt Nauer. «Der Kreml lässt Kadyrow gewähren, solange dieser für Ruhe im Kaukasus sorgt.» Dieser «zynische Deal zwischen dem Kreml und Kadyrow» sehe vor, dass Kadyrow Islamisten und tschetschenische Separatisten in Schach halte, im Gegenzug lässt ihn Putin an der langen Leine.

Präsident Kadyrow streitet alles ab

Box aufklappenBox zuklappen
Präsident Kadyrow streitet alles ab

Auf die brutale Verfolgung von Homosexuellen in Tschetschenien angesprochen, sagte Kadyrow In einem Interview mit dem US-Fernsehsender RealSportsHBO im Juli 2017: «Das ist Blödsinn. Wir haben hier keine solchen Leute. Wir haben keine Schwulen. Falls es sie gibt, bringt sie nach Kanada. Falls welche hier sind, nehmt sie mit, um unser Blut zu reinigen.»

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

21 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Saubere Sache wie da alles, mit hoher Qualität, unter den Teppich gewischt wird. Zum Glück gibt es noch unerschrockene Reporter wie David Nauer, welche hin und wieder schwere Vergehen gegen die Menschlichkeit aufdecken: Wenn im Bericht nur die Hälfte stimmt, sind die Zustände in Russland ja schlimmer als ich mir je vorgestellte hatte.
  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Würde man sich im Westen in dem Ausmass über die Verbrechen des Westen empören wie man sich hier empört, käme man über sehr lange Zeit gar nicht mehr aus der Empörung heraus.
  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    In Tschetschenien treten gerade mal wieder auf besonders barbarische Weise jene brutalen Verhältnisse zutage, die unter Putins Regime sowieso überall in Russland herrschen.
    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Barbarischer als die Kriege des Wertewestens im nahen Osten sind die Zustände dort noch lange nicht.
    2. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Man soll sich im Westen nicht so scheinheilig als die Guten darstellen, die anderen irgend etwas bezüglich Babarentum zu sagen haben.