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International «Moskau kontrolliert nicht alles»

Russland will sich die Halbinsel Krim heute endgültig einverleiben. Der letzte symbolische Schritt dazu ist die Wahl eines regionalen Parlamentes, natürlich nach russischem Recht. Radio SRF hat über die Wahlen mit dem pro-ukrainischen Journalisten Denis Trubetskoj gesprochen.

Wahlbüro auf der Krim.
Legende: Die Ukraine, die EU und die USA halten die Wahl auf der Krim für illegal. Keystone

Sechs Monate nach ihrem umstrittenen Anschluss an Russland hat die Schwarzmeerhalbinsel Krim erstmals ein Regional-Parlament nach russischen Recht gewählt. Mit der Abstimmung vollendet die Krim ihre Integration als Teil Russlands. Die Ukraine, die EU und die USA halten die Wahl für illegal. Ein Führer der Krimtataren, Refat Tschubarow, rief zum Wahlboykott auf.

Radio SRF: Wie ist die Parlamentswahl auf der Krim organisatorisch abgelaufen?

Denis Trubetskoj: Es sind die ersten russischen Wahlen auf der Krim und nicht alle Wähler haben schon einen russischen Pass bekommen. Jetzt ist es sogar möglich mit einem ukrainischen oder gar sowjetischen Pass abzustimmen. Ich habe versucht, meinen Wahlzettel mit einem ukrainischen Pass zu bekommen und ich hatte keinerlei Probleme damit. Das hat mich sehr gefreut.

Was für Kandidaten standen denn heute auf der Krim zur Auswahl? Sind sie alle von Putins Gnaden oder waren auch Moskau-kritische Stimmen darunter?

Wirklich Moskau-kritische Stimmen gab es darunter ehrlich gesagt nicht. Auf der Krim gab es viele Kandidaten, die es schon früher in den ukrainischen Zeiten gab. Viele Parteien haben aber einfach die ukrainische Fahne auf die russische gewechselt. Einige Namen sind natürlich neu, aber von Moskau-kritischen Stimmen im neuen Parlament kann keine Rede sein, die gibt es eigentlich nicht.

Gab es denn Druckversuche der Behörde, damit die Bevölkerung die richtigen Kandidaten wählt? Oder war das gar nicht nötig, wenn die Kandidaten alle Moskau-freundlich sind?

Vor allem ging das gegen die Krimtataren. Man hatte Angst, dass die Krimtataren die Wahlen stören könnten. Auch pro-ukrainische Journalisten, die ihre Position klar geäussert haben, waren unter Druck. Es gab Besuche des FSB [Federalnaja Sluschba Besopasnosti: Föderale Inlandabwehr und Sicherheitsdienst] und es gab Festnahmen. Aber das hielt sich eigentlich in Grenzen.

Der Wahlboykott der Krimtataren, bringt der etwas? Bringen sie sich nicht selbst um ihren Einfluss? Wäre es nicht besser, wenn sie wählen gehen würden?

Ob es gut ist oder nicht; ich glaube, es ist zumindest eine klare Ansage, eine klare Position, und das ist aus meiner Sicht gut so.

Was für eine Bedeutung wird denn dieses regionale Parlament überhaupt haben? Ist es nicht nur ein verlängerter Arm von Moskau auf die Krim?

Nicht alles wird so von Moskau kontrolliert, wie man es ursprünglich gedacht hat.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

Denis Trubetskoj

Denis Trubetskoj
Legende: zvg

Der Gesprächspartner Denis Trubetskoj ist Student und pro-ukrainischer Journalist und Kolumnist in Sewastopol auf der Krim. Er arbeitet als freier Journalist für ukrainische und deutsche Medien.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Seit Jahrzehnten die gleiche Devise in den westlichen Medien: "Es spricht kein Russe über Russland." Nur westliche Menschen sprechen zum Westen, was wir von Russland zu verstehen haben. Diese Zensur ist zu bemängeln!
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  • Kommentar von P.Fetz, Zürich
    Ich gratuliere der Krim Bevolkerung zu dieser entscheidung zu Russland zu gehöhren. Was die EU und USA kann in Serbien mit Kosovo, das darf Russland mit der Krim.
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    1. Antwort von P.Eigenmann, KT.ST.Gallen
      Lieber Herr Fetz was sie da schreiben finden sie das io wenn ein anderes Land einfach ein Stück davon nimmt und sagt es ist unser. Was würden sie sagen wenn Frankreich oder Deutschland oder Italien sagen würden die Westschweiz die Südschweiz oder die Deutschschweiz gehört zu uns würden sie auch so denken wie sie oben Geschrieben haben !!!!
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Vor Abstimmungen hier bei uns halten ja auch alle Bundesräte am Fernsehen ihre Ansprachen & was der gesamt Bundesrat & das Parlament uns Wählern "empfiehlt". Eine Initiative ab zulehnen oder anzunehmen. Ist ja auch Einflussnahme. Und werden Initiativen, wofür sie ein "Nein" empfohlen haben doch angenommen, werden sie einfach nicht umgesetzt. Diejenigen, welche sich nicht haben beeinflussen lassen, werden dann als manipuliert & wenig intelligent bezeichnet & Gegner fordern eine neue Abstimmung.
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