Am Samstagabend wurden Teilnehmende des Christopher Street Day (CSD) in Berlin zum Ziel eines Anschlags. Am CSD, an dem Menschen für die Rechte, die Gleichstellung und eine stärkere Akzeptanz von queeren Menschen eintreten, nahm auch Adrian Knecht, Co-Präsident von Pink Cross, der Dachorganisation von schwulen und bisexuellen Männern in der Schweiz, teil.
SRF News: Wie haben Sie den CSD in Berlin am Samstag erlebt?
Adrian Knecht: Die Parade hat sehr bunt, laut und fröhlich angefangen. Es waren Hunderttausende Menschen auf der Strasse, um Haltung zu zeigen. Haltung für Vielfalt, für queere Rechte.
Am Samstagabend kamen die ersten Meldungen, dass ein Auto am Rande des CSD in eine Menschenmenge gefahren sei. Wie haben Sie die Reaktion der queeren Community in Berlin erlebt?
Ich war schockiert, als ich davon über Push-Meldungen erfahren habe. Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vor Ort, erhielt aber viele Reaktionen aus meinem Umfeld, von Leuten, die sich Sorgen machten.
Ich erlebe eine wahnsinnig grosse Solidarität.
In Berlin bin ich jetzt im Austausch mit vielen Leuten hier aus der queeren Community. Ich erlebe eine wahnsinnig grosse Solidarität und einen Zusammenhalt. Die Menschen bestärken sich gegenseitig und es werden auch ganz klare, laute Forderungen gemacht gegenüber Regierungen und dem Staat.
Am Sonntag gab es Mahnwachen und Trauerfeiern. Waren Sie an einer solchen Feier?
Ich habe sie auf Social Media mitverfolgt. Die Veranstalter des CSD rieten davon ab, an grösseren Versammlungen teilzunehmen. Ich kann aber sehr gut verstehen, dass es Menschen aus der Community mit dem Bedürfnis gibt, da jetzt ein Zeichen zu setzen. Ich habe gehört, dass die Redebeiträge sehr emotional und kraftvoll waren.
Es trifft Berlin mitten ins Herz.
Berlin ist für die Queer-Community eine besondere Stadt. Hätten Sie gedacht, dass hier ein Anschlag möglich ist?
Ich habe natürlich nicht direkt damit gerechnet. Berlin ist gezeichnet von früheren Anschlägen auf andere Veranstaltungen. Entsprechend gross waren denn auch die Sicherheitsvorkehrungen. Und es gab unterbewusst dieses Gefühl, dass etwas passieren kann oder zumindest, dass die Organisation darauf vorbereitet ist. Es trifft Berlin mitten ins Herz.
Anschlag auf CSD in Berlin
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Bild 1 von 10. Nach dem Terroranschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist das Brandenburger Tor in den Regenbogenfarben angeleuchtet worden. Die Farben gelten als Symbol der queeren Szene und stehen für Vielfalt und Toleranz. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Ebrahim Noroozi.
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Bild 2 von 10. Einsatzkräfte der Polizei und Rettungskräfte stehen im Grossen Tiergarten nach dem Abbruch des Christopher Street Day. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Sebastian Gollnow.
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Bild 3 von 10. Das Gebiet rund um den Tatort wurde grossräumig abgesperrt, der Tiergarten mit Wärmebildkameras abgesucht, wie die Polizei mitteilte. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Michael Ukas.
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Bild 4 von 10. Mehrere Personen wurden psychologisch betreut. Bildquelle: REUTERS/Annegret Hilse.
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Bild 5 von 10. Der Berliner Bürgermeister Kai Wegner sprach mit den Medien. Bildquelle: REUTERSChristian Mang.
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Bild 6 von 10. Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen den Forst in der Nähe des Tiergartens, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Sebastian Gollnow.
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Bild 7 von 10. Das leere und stark demolierte Fahrzeug wurde im Bereich des Tatorts sichergestellt. Bildquelle: REUTERS/Annegret Hilse.
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Bild 8 von 10. Es handelt sich laut Polizei um ein Privatfahrzeug, nicht um einen Mietwagen. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Jason Tschepljakow.
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Bild 9 von 10. Am Tag nach dem mutmasslichen Anschlag legen Menschen Blumen nieder und hinterlassen Trauerbotschaften. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Sebastian Gollnow.
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Bild 10 von 10. Die Flaggen am Reichstagsgebäude des Deutschen Bundestags wehen auf Halbmast. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Fabian Sommer.
Verändert der Anschlag Ihr persönliches Sicherheitsgefühl, wenn Sie sich in Berlin bewegen?
Wenn ich in Berlin auf die Strasse gehe, stelle ich fest, dass ich wachsamer bin. Persönlich reduziert es aber nicht mein Sicherheitsempfinden, weil das schon vorher immer ein Thema war. Wenn man sich als queer erkennbare Person im öffentlichen Raum bewegt, auch in Berlin, dann ist immer eine gewisse Unsicherheit da. Ich habe auch schon Anfeindungen erlebt, auf der Strasse in Berlin.
Wie reagieren Sie persönlich darauf?
Ich habe das Privileg als schwuler Mann, dass ich entscheiden kann, wann ich auf der Strasse als solcher erkennbar sein will, und kann das steuern, je nachdem, wie sicher ich mich in einem Umfeld fühle. Andere queere Menschen haben dieses Privileg nicht.
Ich persönlich arbeite tatsächlich damit. Wenn ich mich in einer Gegend unsicher fühle, dann zeige ich das nicht unbedingt. Gleichzeitig denke ich, und das gehört auch zu meiner Rolle als Präsident des Dachverbands, setze ich viel Wert darauf, sichtbar zu sein und Haltung zu zeigen und zu intervenieren, wenn ich etwas feststelle. Gerade wenn gegenüber anderen queeren Menschen das Verhalten im öffentlichen Raum nicht korrekt ist.
Das Gespräch führte Martina Koch.