Zum Inhalt springen

International Nach Brexit: Britische Rassisten beschimpfen Exil-Polen

Wie weiter nach dem Brexit? Das fragen sich auch die Polen in Grossbritannien. Sie gehören dort zur grössten Einwanderer-Gruppe aus der EU. Viele sind verunsichert, ob sie nach dem Brexit im Königreich arbeiten können. Zudem gibt es immer mehr Meldungen von rassistischen Übergriffen gegen Polen.

Legende: Video Polnische Migranten fühlen sich als Sündenböcke abspielen. Laufzeit 3:53 Minuten.
Aus 10vor10 vom 28.06.2016.

SRF: Wie sieht der Rassismus gegen die Polen in Grossbritannien aus?

Jakub Krupa: Wir hören Nachrichten überall aus Grossbritannien, von Polen, aber auch anderen Ausländern, denen gesagt wird: Packt eure sieben Sachen und verschwindet aus dem Land. Alles in einer sehr rassistischen Sprache. Das hat wirklich eine neue Dimension erreicht.

Tun die Politiker genug, um dem Rassismus den Riegel zu schieben?

David Cameron, der abtretende Premier, aber auch Labourchef Jeremy Corbyn haben die Übergriffe verurteilt. Das reicht nicht. Es braucht auch klare Signale von der kommenden, neuen konservativen Regierung und allen politischen Parteien, dass diese Übergriffe nicht akzeptabel sind.

Die Polen wissen nicht, wie ihr arbeitsrechtlicher Status dereinst sein wird. Jetzt kommt der Rassismus dazu. Gehen Sie davon aus, dass viele Grossbritannien bald verlassen werden?

Gemäss einer Umfrage, die wir gemacht haben, wollen die meisten bleiben, Brexit hin oder her. Viele sind 5,6 oder 7 Jahre hier. Sie fühlen sich hier zu Hause. Wenn sich die Polen in Zukunft vielleicht aber mühsam Arbeitsvisen beschaffen müssen, wenn der Rassismus zunimmt, dann könnte sich das ändern. Vielleicht gehen sie dann zurück oder in ein anderes EU-Land. Und das sollte die Briten beunruhigen: Denn viele Polen, die hier leben, sind jung und hochqualifiziert.

Denkbar ist auch, dass die Polen versuchen, britische Bürger zu werden.

Absolut. Im Schnitt sind Polen seit 5 oder 6 Jahren hier – genug, um sich für den Pass zu bewerben. Bislang brauchten sie ihn nicht, denn als EU-Bürger hatten sie mit dem polnischen Pass praktisch die gleichen Rechte. Wenn die Briten aber die EU verlassen, könnte der britische Pass zum massiven Vorteil werden – er würde garantieren, dass man bleiben darf. Ich glaube also, viele Polen werden in den kommenden Wochen und Monaten versuchen, britische Bürger zu werden.

Das Gespräch führte Andrea Christen.

Cameron kündigt Massnahmen gegen rassistische Übergriffe an

Am Mittwoch hat Premierminister David Cameron reagiert und im Parlament einen Aktionsplan gegen rassistische Übergriffe angekündigt. «Wir werden alles tun, was wir können, um diese widerwärtigen Hassverbrechen aus unserem Land zu verbannen», sagte er. Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan hatte sich angesichts der Berichte über rassistische Übergriffe besorgt gezeigt. Er rief Scotland Yard dazu auf, besonders wachsam zu sein.

Zur Person

Zur Person

Jakub Krupa ist Korrespondent für die polnische Presseagentur in Grossbritannien.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Da sieht man doch die "Dummheit" der EU-Anhänger ganz deutlich. Wenn man Polen nicht mag kann man gar kein Rassist sein, denn ein Pole ist keine andere Rasse als ein EU-Bürger +auch keine andere Rasse als Grossbritannien. Sogar den gleichen Glauben hat man in Polen. Das hier ist nur ein weiterer Hass-Bericht gegen Polen, da auch die Polen bald aus der EU wollen. So viel dummes Geschwafel kann nur von EU-Anhängern kommen. In der Schweiz sind das die "Linken". Sorry, aber es ist ja offensichtlich!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Das Problem ist doch das UK-Sozialsystem: die Familien kriegen vom Staat noch recht schnell einen Wohnbeitrag, irgendwelche erhöhte Kinderunterstützung, Mutterschaftsentschädigung, ohne, dass sie einen Tag gearbeitet haben, von der sie ohne Job gut leben können - und genau das nutzen anscheinend viele aus. Deswegen war die Zugangseinschränkung zu solchen Geldern für Cameron der 1. Punkt des Deals. Ich weiss über einen Fall konkret, dass eine Polin vor der Geburt nach UK zog. Sowas nervt aber...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Heutige Lage in EU errinert mich stark an Jugoslawien zerfall. Zuerst war eine Wirtschaftskrise, dann sind Nationalisten aus ihren Löcher ausgekrochen. Politik Elitte war überfordert und unfähig. Intelektuelle waren zestritten und haben sich nicht zu Wort gemeldet aus Angst um ihre Privilegien. Populisten mit ihren Wahnsinigen Ideen haben plötzlich Platz in Medien gefunden und viele fanden es Cool gegen System zu sein. Wie weiter gegangen ist kann mann aus Geschichte lesen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Interessant, die "innere Sicht" zu lesen. Für mich, Aussenstehende, waren schon die Elemente Fremdenhass und der Kriegshergang sichtbar.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen