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International Nach dem Erdbeben in Italien steigt die Opferzahl weiter

Das schwere Erdbeben in Mittelitalien hat mindestens 250 Todesopfer gefordert. Mit jeder Stunde sinken aber die Chancen, noch Überlebende zu finden. Wie viele Menschen noch verschüttet sind, kann niemand sagen. Inzwischen hat die Regierung den Notstand ausgerufen.

Legende: Video Erdbeben im Apennin: Der Tag danach abspielen. Laufzeit 6:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.08.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim schweren Erdbeben in Mittelitalien mit der Stärke 6,2 sind mindestens 250 Menschen ums Leben gekommen.
  • Mindestens 365 Verletzte wurden in Spitäler gebracht.
  • Eine Schätzung der Zahl von Vermissten ist für den Zivilschutz derzeit unmöglich.
  • Mehrere Dörfer sind teilweise oder vollständig zerstört und schwierig zu erreichen.
  • Das EDA hat keine Kenntnis von Schweizern, die vom Erdbeben betroffen sind.
  • Bisher bestätigten die Behörden sechs ausländische Todesopfer: Eine Spanierin und fünf Rumänen.
  • Italiens Regierung hat den Notstand ausgerufen.
Kartenausschnitt Italiens mit Kreisen bei dem Epizentrum in Accumoli
Legende: Das Zentrum des Bebens lag nahe der Ortschaft Accumoli. SRF

Angst vor steigenden Opferzahlen

Die Zahl der Todesopfer nach dem Erbeben in Italien könnte weiter steigen. Denn mit jeder Stunde sinkt die Chance, noch Überlebende zu finden. Die Opferzahlen könnten «noch schlimmere Dimensionen erreichen als jenes in L'Aquila» vor sieben Jahren. Das sagte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio. In L'Aquila kamen damals 309 Menschen ums Leben.

Bis Donnerstagnachmittag zählte der Zivilschutz 250 Todesopfer, 215 Betroffene konnten lebend aus den Trümmern geborgen werden. 365 Menschen wurden verletzt und befinden sich in Spitälern. Die meisten Todesopfer sind in den Orten Amatrice und Accumoli und in der Gegend um Pescara del Tronto zu beklagen. Unter den Todesopfern sind auch sechs Ausländer aus Spanien und Rumänien.

Inzwischen hat die Regierung den Notstand ausgerufen. Zugleich gab der Ministerrat bei einer Krisensitzung am Donnerstagabend die ersten 50 Millionen Euro für die Unterstützung der Menschen frei, die meist alles verloren haben. Mit der Massnahme soll Erdbebenopfern in den betroffenen Regionen schnell und unbürokratisch geholfen werden.

Zahlreiche Nachbeben

Für die Retter bleibt es ein Wettlauf gegen die Zeit, noch Überlebende zu finden. Laut dem Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie hat seit Mittwoch hunderte Nachbeben gegeben, was die Bergungsarbeiten zusätzlich erschwert. Am frühen Donnerstagmorgen wurde ein Nachbeben der Stärke 4,5 gemessen. Laut SRF-Korrespondent Philipp Zahn bedrohen die Beben die noch stehenden Gebäude, zum Beispiel in Amitrice.

Legende: Video Kleine Giulia wird aus den Trümmern geborgen abspielen. Laufzeit 0:44 Minuten.
Aus News-Clip vom 25.08.2016.

Noch ist unklar, wie viele Menschen noch verschüttet oder vermisst sind. «Es ist unmöglich, eine Zahl der Vermissten zu nennen», sagte Zivilschutzchef Curcio. Viele seien auf der Durchreise oder in den Ferien in den betroffenen Orten gewesen.

Die Rettungsarbeiten gingen die ganze Nacht mit Taschenlampen, Baggern und Suchhunden weiter. Die Feuerwehr konnte mehr als 200 Menschen lebend aus den Trümmern bergen. «Man weiss, dass Menschen bis zu sieben Tage unter Trümmern überleben können», so SRF-Korrespondent Zahn. Darauf setzten die Rettungskräfte. Immer wieder wurden aber auch Leichen geborgen. Allein in Amatrice waren es 200 bis zum Morgen, sagte der Bürgermeister.

Wegen der alten Bausubstanz könnten die zerstörten Gebäude jederzeit weiter einstürzen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr in Amatrice. Der abgelegene Ort ist nur über enge Strassen zu erreichen. Eine Strasse ist wegen einer eingestürzten Brücke blockiert.

Tausende Obdachlose

In den betroffenen Orten sind tausende Menschen obdachlos. Viele verbrachten die Nacht in Zelten. «Über 3000 Betten wurden vom Zivilschutz bereitgestellt», so SRF-Korrespondent Zahn. «Aber nur 1200 Anfragen für Betten sind aus der Bevölkerung eingegangen. Viele übernachteten im Freien: mit umgehängten Decken oder in Autos. Die Temperaturen sanken teilweise bis auf zehn Grad.

Medien berichteten auch von einigen Fällen von Plünderungen. In Pescara del Tronto habe die Polizei darum ihre Kontrollen verstärkt.

Ministerpräsident Renzi lobte bei seinem Besuch in der Erdbebenregion die Effizienz der Rettungseinheiten und des Zivilschutzes. Als Soforthilfe stellte die italienische Regierung 235 Millionen Euro bereit. Zudem wurde angeordnet, die Fahnen an öffentlichen Gebäuden im Gedenken an die Opfer auf Halbmast zu setzen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von A. Becker (A. Becker)
    Wann das 10-jähriges Mädchen gefunden war, habe ich geweint. Nein, wir sind nicht hart geworden.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    so schrecklich und niemand findet Worte der Anteilnahme. Auch im ersten Beitrag nur 2 Gedanken an die armen Menschen. Sind wir schon so abgehärtet, dass so ein Unglück uns gar nicht mehr erreicht?
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    1. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      Einige Menschen schreiben Kommentare, um andere zu beschuldigen. Bei Erdbeben geht das nicht. Ausser man möchte als Gläubiger Gott beschuldigen. Naturkatastrophen akzeptiert der Homo sapiens, da es zur Entwicklungsgeschichte des Menschen gehört. Natürlich können manche mit Geld, Technik oder einfach Schlauheit die Gefahr bzw. Auswirkung im Alltag verkleinern. Aber meistens ist es einfach Schicksal, wenn man betroffen ist.
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    2. Antwort von Philip Hofmänner (Pipo)
      Das kommt mir irgendwie auch seltsam vor. Aber nicht nur die fehlenden Kommentare, sondern auch die Medien hier zu Lande scheinen diesem Ereignis nicht sehr viel Aufmerksamkeit zu schenken. Jeder noch so kleine Amoklauf wird stärker gewichtet und diskutiert als diese furchtbare Naturkatastrophe. Dabei sind es unsere direkten Nachbarn. Ist es Desinteresse oder wissen die Menschen einfach nichts zu sagen?
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