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Wut in Beirut nach der Explosion wächst
Aus Tagesschau vom 07.08.2020.
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Nach Explosion in Beirut 16 Hafenmitarbeiter festgenommen

  • Drei Tage nach der Explosion im Hafen von Beirut sind 16 Hafenmitarbeiter festgenommen worden. Dies habe der amtierende Militärrichter mitgeteilt, schreibt die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA.
  • Mehr als 18 Menschen seien ferner befragt worden – darunter Mitglieder der Hafenbehörde und des Zolls.
  • Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat unterdessen eine internationale Hilfskonferenz für den Libanon angekündigt

Die Ermittlungen gingen weiter, teilte der amtierende Militärrichter Fadi Akiki laut NNA mit. Ziel sei es, «alle Fakten im Zusammenhang mit der Katastrophe zu klären».

Der Ort der Explosion – ein Industriegebiet am Hafen im Norden der libanesischen Hauptstadt – werde bis zum Abschluss der Ermittlungen geschlossen bleiben. Die Aufsicht hätten die libanesische Armee sowie die Informationsabteilung der Kräfte für innere Sicherheit.

Vor der Festnahme der 16 Hafenmitarbeiter waren bereits mehrere Verantwortliche des Hafens unter Hausarrest gestellt worden. Sie sollen in den vergangenen Jahren für die Lagerung und Bewachung der grossen Mengen Ammoniumnitrat zuständig gewesen sein, die bei dem Vorfall möglicherweise explodierten. Unklar blieb dabei, welche Vorwürfe ihnen gemacht werden oder ob ihnen ein ordentliches Gerichtsverfahren droht.

Internationale Finanzierung soll geklärt werden

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte bei einem Besuch in Beirut eine baldige internationale Hilfskonferenz an. Dabei solle es um eine internationale Finanzierung für Medikamente, medizinische Behandlung und Nahrungsmittel unter Verteilung durch die UNO und die Weltbank gehen, sagte Macron.

Europäer, Amerikaner und Länder der Region seien gefordert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel riefen zu einer verstärkten Unterstützung auf.

300'000 Menschen ohne Obdach

In Beirut hatte eine heftige Detonation grosse Teile des Hafens zerstört und ganze Strassen im Zentrum in Trümmer gelegt. Mindestens 149 Menschen sind gestorben und rund 300'000 Menschen haben durch die Explosion ihr Zuhause verloren.

Bei der Spekulation um das Ammoniumnitrat richtet sich der Verdacht auf das unter moldauischer Flagge fahrende Frachtschiff «Rhosus», das 2013 grosse Mengen der gefährlichen Substanz in den Hafen gebracht haben soll.

Proteste gegen Landesführung sind nicht neu

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Bereits im Oktober war es in Libanon zu Massenprotesten gekommen, die auch zum Rücktritt von Ministerpräsident Saad Hariri geführt hatten. Sie richteten sich gegen die Führung des Landes, der die Demonstranten Korruption und Verschwendung von Staatsgeld vorwerfen.

Das kleine Mittelmeerland ist hoch verschuldet und steckt in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Proteste hatten das öffentliche Leben in der Hauptstadt teilweise lahmgelegt.

Vertrauen in Politik leidet stark

Bald nach der schweren Detonation hatte es Rufe nach einer umfassenden Untersuchung und Aufarbeitung des Vorfalls gegeben. Zugleich wurden Forderungen nach einer unabhängigen, internationalen Ermittlung lauter. Diesen schlossen sich vier frühere libanesische Ministerpräsidenten und der führende drusische Politiker Walid Dschumblatt an. Viele Libanesen haben das Vertrauen in die herrschende politische Klasse verloren.

Regierungskritische Demonstranten machten ihrem Unmut in der Nacht zum Freitag Luft. Mehrere Menschen wurden bei Zusammenstössen mit Sicherheitskräften verletzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete.

Glückskette sammelt für den Libanon

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Glückskette sammelt für den Libanon
Legende: Keystone

Eine Katastrophe zu viel für das erschöpfte Land: Unter diesem Titel ruft die Glückskette zur Solidarität mit den Menschen im Libanon auf. Spenden können unter www.glueckskette.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster und auf das Postkonto 10-15000-6 mit dem Vermerk «Nothilfe Libanon» überwiesen werden.

SRF 4 News, 07.08.2020, 5 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Grut  (Pandas)
    Jedes Land kriegt die Politiker die es verdient, ein harte und traurige Wahrheit in diesem Fall. Entweder muss der Libanon nach ethnischen Gruppen ganz aufgespalten werden oder diese Leute lernen wie miteinander zu kooperieren. Ein Land kann nicht bestehen wenn sich die inneren Kräfte gegenseitig torpedieren.
    Ich hoffe die junge Generation bringt frischen Wind und es bleibt nicht nur bei laut halsigen Protesten.
  • Kommentar von Fritz Meier  (FriMe)
    Das Land würde eigentliche einen Marshallplan benötigen. Sonst wird es wirklich zu einem Failedstate. Die Libanesen haben zudem noch 1.5 Mio syrische Flüchtlinge, die sie von uns fernhalten (bei ca. 6.2 Mio Einwohnern). Hinzu kommen die "Gotteskämpfer" aus dem Iran (Hizbullah), welche als Drohkulisse diesen schwachen Staat seit bald 30 Jahren in Geiselhaft genommen haben. Macron & Co möchten aber auch mit dem Iran geschäften. Die Quadratur des Kreises zeichnet sich schon jetzt ab.
  • Kommentar von Fritz Hostettler  (hoss)
    Korruption der Politiker.
    Die korrupten Politiker sollten eruiert und verhaftet werden.
    Das Libanesische Volk protestiert schon seit einiger Zeit deswegen.
    Die Geldhilfe muss deswegen ganz gezielt und überwacht erfolgen damit sie nicht in den falschen Taschen landet.