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Anschlag auf Dortmunds Teambus Nach Terror gegen BVB taucht neues Bekennerschreiben auf

Legende: Audio Borussia Dortmund – ein islamistischer Anschlag? abspielen. Laufzeit 02:19 Minuten.
02:19 min, aus Rendez-vous vom 12.04.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein drittes Bekennerschreiben ist nach dem Attentat gegen den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund bei der Berliner Zeitung «Tagesspiegel» eingegangen.
  • In der Mail wird auf Adolf Hitler Bezug genommen und mit einem neuen Angriff am 22. April gedroht.
  • Sicherheitskreise nehmen das neue Schreiben ernst, schliessen aber auch einen Trittbrettfahrer als Verfasser nicht aus.

Nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des Fussball-Bundesligisten Borussia Dortmund ist ein weiteres mutmassliches Bekennerschreiben aufgetaucht.

Drohung mit weiterer Attacke

Die E-Mail mit rechtsextremistischem Tönen ging am Donnerstagabend beim Berliner «Tagesspiegel» ein. Das Schreiben wird nun von der deutschen Bundesanwaltschaft (GBA) in Karlsruhe auf seine Echtheit überprüft. Eine Sprecherin der Behörde bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am späten Freitagabend, ihre Behörde habe das Schreiben von der Zeitung erhalten. Eine Bewertung wollte sie aber nicht abgeben.

Der anonyme Verfasser bezieht sich laut «Tagesspiegel» auf Adolf Hitler, hetzt gegen «Multikulti» und droht mit einem weiteren Angriff. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wird ausdrücklich die Asyl- und Flüchtlingspolitik von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel kritisiert. Am 22. April werde «buntes Blut fliessen». Die Drohung zielt nach Einschätzung aus den Sicherheitskreisen vermutlich auf die zu erwartenden Demonstranten gegen den an diesem Tag in Köln stattfindenden Bundesparteitag der AfD.

Trittbrettfahrer nicht auszuschliessen

Der «Tagesspiegel» zitierte Sicherheitskreise mit den Worten, es müsse alles ernst genommen werden, «da wir keine Spur zum Täter von Dortmund haben». Die neue Bekennermail könne mit der Dortmunder Tat zu tun haben, «es könnte aber auch ein Trittbrettfahrer sein». Die Skepsis bei den Sicherheitsbehörden wird auch mit dem Verweis begründet, es sei ungewöhnlich, dass ein Attentäter einen Anschlag ankündige und sich so der Entdeckung aussetze. Zudem handele es sich um einen anderen Duktus als bei den am Tatort gefundenen Schreiben.

Direkt nach dem Anschlag waren am Tatort gleichlautende Bekennerschreiben mit islamistischen Bezügen entdeckt worden. Es wird aber bezweifelt, dass diese Schreiben tatsächlich von Islamisten stammen. Ermittelt wird auch in Richtung von Rechtsextremisten, gewaltbereiten Fussballfans und Allgemein-Kriminellen.

Im Internet kursierte auch ein Bekennerschreiben aus der antifaschistischen Szene. Laut der Bundesanwaltschaft bestehen aber erhebliche Zweifel an der Echtheit des Schreibens.

Sicherheitskräfte rätseln

Weiterhin ist unklar, wer den Anschlag am Dienstagabend verübte. Auf einen islamistischen Hintergrund verweisende Bekennerschreiben, die am Tatort in Dortmund gefunden wurden, sollten wahrscheinlich in die Irre führen, wie NDR, WDR und «Süddeutsche Zeitung» am Freitag unter Berufung auf eine islamwissenschaftliche Untersuchung übereinstimmend berichteten. Möglicherweise hätten der oder die Verfasser eine radikalislamische Motivation nur vorgetäuscht.

Am Dienstagabend waren in Dortmund drei Sprengsätze in der Nähe des Mannschaftsbusses des Fussball-Bundesligisten explodiert, als sich die Spieler auf dem Weg zu der Champions-League-Partie gegen den AS Monaco befanden. Dabei wurden der Dortmunder Fussballer Marc Bartra und ein Polizist verletzt.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Bach (TBach)
    Mittlerweile haben wir aus fast jeder religiösen und politischen Ecke ein Bekennerschreiben. Ein typischer Fall, das man auf Vorverurteilungen verzichten sollte. Das die ganz Rechts auf ein islamistischen Motiv HOFFEN und die ganz Links auf ein Rechtsextremes Motiv HOFFEN, finde ich besonders perfide. Abwarten. Das wichtigste scheint mir; Es darf sich bitte nie mehr wiederholen.
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  • Kommentar von Klaus Kreuter (Klaus Kreuter)
    Beim Zustand der "Sicherheitsbehörden" in NRW und der Unfähigkeit der Regierung Kraft ist es zweifelhaft ob es jemals zu einer vollumfänglichen Aufklärung kommen wird. Wieso immer Rechtsradikal oder Muslimisch? Gibt es keine linksradikale Szene mehr? Und das permanente Eingreifen des Herrn aus dem Kreml gibt Anlass zum Nachdenken, dem traue ich alles zu.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    In Dortmund gibt es schon seit vielen Jahren eine rechtsradikale Szene, auch in den Reihen der BVB-Fans. Der Verein hat das über viele Jahre "verharmlost" und ist erst in den letzten Jahren dagegen aktiv geworden. Es wurden auch Mitgliedschaften gekündigt. Vielleicht kommt der Anschlag aus der Ecke? Die Ermittler werden das schon rausfinden, denke ich.
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    1. Antwort von Thomas Bach (TBach)
      Stimmt, Dortmund hat ein Rechtsextremes Problem. Aber auch ein Linksextremes Problem. Wie Sie schon fast hoffen, dass es Rechtsextreme waren, finde ich irritierend. Eine Frage an Sie. Wenn die ersten beiden Bekennerschreiben ein Ablenkungsmanöver gewesen sein sollen, können Sie mir dann verraten warum dieses nun echt sein soll. Wenn die Täterschaft sich nun bekennt, warum dann am Anfang die Mühe Ablenkungsmanöver zu setzen. warum dann nicht von Anfang an die wahren Motive genannt?
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Wobei die Forderungen bei den Bekennerschreiben eher zu linksextremen Kreisen passen würden. Aber gut, wird jetzt in alle Richtungen ermittelt, denn es könnten ja auch extreme Fussballfans gewesen sein. Ausschreitungen von diesen, werden ja immer schlimmer & extremer.
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