Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Nach Tod von Drogenboss Unruhen und Gewalt in Mexiko – die Übersicht

Mexiko wird von einer Welle der Gewalt erschüttert, nachdem das Verteidigungsministerium den Tod von Nemesio Oseguera Cervantes bestätigt hat. Der Drogenboss erlag seinen Verletzungen nach einem Militäreinsatz.

Darum geht es: Nemesio Oseguera Cervantes, auch «El Mencho» genannt, ist tot. Das teilt das mexikanische Verteidigungsministerium mit. Der Kartellchef galt als mächtigster Drogenboss von Mexiko. Er erlag am Sonntag nach einem Militäreinsatz zu seiner Festnahme im westlichen Bundesstaat Jalisco seinen Verletzungen. Der 59-Jährige war der Anführer des extrem gewalttätigen Drogenkartells Jalisco Nueva Generación. Der Ex-Polizist führte das von ihm gegründete Kartell seit 2011. Die Organisation gilt in Mexiko als das gebietsweise am weitesten verbreitete Kartell.

Der Drogenboss mit einer Vorliebe für Hahnenkämpfe

Box aufklappen Box zuklappen
Portrait Nemesio Oseguera Cervantes
Legende: DEA/Handout via REUTERS

«El Mencho» wurde 59 Jahre alt. Er wurde am 17. Juli 1966 in Aguililla geboren, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe der «Herr der Hähne» genannt. Sein weiterer Spitzname, «El Mencho», soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein. Zahlreiche Narco-Lieder, «narcocorridos» genannt, feiern seine kriminellen Machenschaften.

Nach Angaben des US-Finanzministeriums ist Oseguera seit den 1990er-Jahren im Drogenhandel verwickelt. 1994 wurde er in Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien wegen Heroinschmuggels verhaftet. Nach drei Jahren Gefängnis wurde er nach Mexiko abgeschoben – und heuerte im westlichen Bundesstaat Jalisco als Polizist an.

Später schloss er sich dem Milenio-Kartell an, eines der ersten mexikanischen Verbrechersyndikate, die mit synthetischen Drogen handelten. Er arbeitete dabei mit dem Sinaloa-Kartell des Drogenbosses Joaquín «El Chapo» Guzmán zusammen. Später kam es zur Abspaltung und Gründung des CJNG-Kartells. Unter Osegueras Führung entwickelte es sich rasch zu einer der mächtigsten kriminellen Organisationen Mexikos.

«El Mencho», der ein unauffälliges Leben führte, soll ein Milliardenvermögen besitzen und Geld mit Immobilien, Viehzucht und Musikgeschäften gewaschen haben. Regionale Musikgruppen haben Lieder über ihn komponiert. In den sozialen Netzwerken kursieren immer wieder mutmassliche Propagandavideos des Kartells. Darin sind schwer bewaffnete Männer in Kampfuniformen zu sehen, die sich als «Leute von Señor Mencho» bezeichnen.

Das passierte seither: Die Tötung des 59-Jährigen durch das Militär löste in Mexiko eine Welle der Gewalt aus. Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Bevölkerung auf X zur Ruhe auf, während die Sicherheitskräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt wurden. In Bundesstaaten wie Jalisco, Michoacán und Guanajuato wurden Strassen durch brennende Fahrzeuge blockiert. Zudem wurden Stützpunkte der Nationalgarde attackiert, wie örtliche Medien berichteten. Es soll dabei Tote und Verletzte gegeben haben. Bandenmitglieder setzten in mehreren Bundesstaaten Autos, Banken, Tankstellen und Läden in Brand. Diplomatische Vertretungen mehrerer Länder forderten ihre Bürger in Mexiko zu erhöhter Wachsamkeit auf. Unter anderem wurde vor Gewalttaten in den beliebten karibischen Urlaubszielen Cancún, Cozumel und Tulum gewarnt.

Verbrannter Bus auf einer Strasse mit einem Soldaten im Vordergrund.
Legende: Ein Soldat bewacht ein ausgebranntes Fahrzeug in Cointzio im Bundesstaat Michoacán. AP Photo/Armando Solis

So viele Opfer gab es bisher: Bei dem Militäreinsatz gegen «El Mencho» kamen nach Angaben des Verteidigungsministeriums sieben Bandenmitglieder ums Leben, darunter der Drogenboss. Er erlag seinen Verletzungen, als er nach Mexiko-Stadt geflogen wurde. Laut den Behörden seien zudem mindestens sieben Angehörige der Nationalgarde getötet worden.

Das bedeutet die Gewaltwelle für die bevorstehende Fussball-WM: Aus Sicherheitsgründen strichen oder leiteten Fluggesellschaften Flüge um, darunter Verbindungen nach Puerto Vallarta, einer touristischen Stadt an der Pazifikküste, die auch von der Gewaltwelle betroffen ist. Zu Zwischenfällen kam es ebenfalls in der Stadt Guadalajara, die einer der drei mexikanischen Austragungsorte der Fussball-Weltmeisterschaft 2026 ist. Mexiko richtet das Turnier ab Juni gemeinsam mit den USA und Kanada aus.

Darum sind die USA involviert: Die US-Regierung hat das Drogenkartell von «El Mencho» als ausländische Terrororganisation eingestuft und hatte eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar für dessen Ergreifung ausgesetzt. Die US-Behörden haben laut dem mexikanischen Verteidigungsministerium im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit mit Informationen zum Einsatz gegen «El Mencho» am Sonntag beigetragen. US-Präsident Donald Trump forderte Mexiko in der Vergangenheit auf, mehr gegen den Schmuggel von Fentanyl zu unternehmen, und drohte mit höheren Zöllen oder einem einseitigen Militäreinsatz, sollte das Land keine Ergebnisse vorweisen.

SRF4 News, 22.02.26, 21 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel