Er beherrscht das Spiel um politische Aufmerksamkeit: Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK, und Parlamentsabgeordneter für die Küstengemeinde Clacton.
Mit grossem Tamtam trat er am Dienstag als Abgeordneter zurück. Um direkt anzukündigen, dass er in der Nachwahl antreten werde.
Der Kontext ist zunehmende Kritik an Spendengeld, das er entgegengenommen hatte. Dazu läuft auch eine Untersuchung.
Farage – der Anti-Establishment-Politiker – probiert nun, den Spiess umzudrehen und die Kritik für sich zu nutzen. Seine Logik: Nicht der Untersuchungsbeauftragte, nicht Journalisten mit ihren kritischen Fragen oder das Gesetz sollen bestimmen, ob er falsch gehandelt hat oder nicht. Sondern die Bevölkerung bei der Nachwahl für seinen Sitz in Clacton.
Die Wählerinnen und Wähler hätten nun die Chance, bei der Nachwahl den etablierten Parteien und den Behörden «den Stinkefinger zu zeigen», so Farage.
Sein Gegenkandidat: eine Mülltonne
Doch mit seinem politischen Trick hat Farage auch die Türe für ihn geöffnet: für «Count Binface» – Graf Mülltonnengesicht.
Hinter dieser Figur steckt der Komiker Jon Harvey. Seit 2018 stellt er sich als Mülltonne bei viel beachteten Wahlen auf, unter anderem gegen Boris Johnson oder kürzlich gegen Andy Burnham.
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Bild 1 von 5. «Count Binface» bei den nationalen Wahlen 2019 als Konkurrent im Wahlkreis von Boris Johnson. Bildquelle: Keystone / AP Kirsty Wigglesworth.
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Bild 2 von 5. Bei der Nachwahl in Makerfield im Juni 2026 setzte sich Andy Burnham, aktueller Anwärter für das Premierminister-Amt, souverän gegen die Mülltonne durch. Bildquelle: Keystone / AP Adam Vaughan.
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Bild 3 von 5. Für die Journalisten ist Graf Mülltonnengesicht ein beliebter Gesprächsgast. Bildquelle: Keystone / AP Adam Vaughan.
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Bild 4 von 5. Als Politiker schlägt er die Nationalisierung von Modelleisenbahnen vor – oder auch gratis Parkplätze in London, dort, wo sie in Monopoly auch kostenlos sind. Bildquelle: Reuters / Toby Melville.
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Bild 5 von 5. Doch auch seriöse Themen gehören zu seinem Programm: Wohnungskrise, Umweltpolitik und soziale Gerechtigkeit. Bildquelle: Reuters.
Der Komiker will damit die Wahlbeteiligung erhöhen und Menschen ermuntern, an die Urne zu gehen – insbesondere bei Wahlen, die auf den ersten Blick nach einer klaren Sache aussehen.
Dies ist auch bei der Nachwahl in Clacton der Fall. Die Region ist eine Hochburg für Reform UK und steht hinter Nigel Farage. Beim Brexit-Referendum 2016 stimmten 75 Prozent der Bevölkerung für einen Austritt aus der Europäischen Union.
Sowohl Labour, die Grünen, die Konservativen als auch die Liberaldemokraten haben verkündet, dass sie keinen Kandidaten aufstellen werden. Nur einige unabhängige Politiker haben sich bisher als Anwärter für das Amt gemeldet.
So kommt es wohl zu einem Duell zwischen Reform-UK-Vorsitzendem Nigel Farage und Graf Mülltonnengesicht.
Bisher halten sich die politischen Erfolge von «Count Binface» im Rahmen. Doch vielleicht könnte sich das jetzt ändern. Denn hinter ihm versammeln sich nun die Gegner von Nigel Farage.
So nannte der Komiker gegenüber der BBC auch als Hauptargument, warum man ihn wählen sollte: «Ich bin nicht Nigel Farage.»
Ein Problem hätte Graf Mülltonnengesicht allerdings, falls er denn gewählt würde und als Abgeordneter für Clacton im Parlament Platz nehmen dürfte: Im britischen Parlament gilt ein Vermummungsverbot.
Der Graf müsste sich also seiner Mülltonne entledigen und sein Gesicht zeigen.