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Nachwahl in Grossbritannien Diese Mülltonne vermiest Nigel Farages Plan

Der Rechtspopulist wollte mit seinem Rücktritt von seinen Problemen ablenken. Doch das ging nach hinten los.

Er beherrscht das Spiel um politische Aufmerksamkeit: Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK, und Parlamentsabgeordneter für die Küstengemeinde Clacton.

Mit grossem Tamtam trat er am Dienstag als Abgeordneter zurück. Um direkt anzukündigen, dass er in der Nachwahl antreten werde.

Der Kontext ist zunehmende Kritik an Spendengeld, das er entgegengenommen hatte. Dazu läuft auch eine Untersuchung.

Viele Fragen um nicht deklarierte Geschenke

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Nigel Farage wird vorgeworfen, Gelder in Millionenhöhe von zwei Unterstützern angenommen zu haben, ohne diese ordnungsgemäss zu deklarieren. Abgeordnete im Vereinigten Königreich müssen Geschenke offenlegen, die sie in den zwölf Monaten vor ihrer Wahl angenommen haben. Der Beauftragte für parlamentarische Standards hat gegen Farage eine Untersuchung gestartet.

Konkret geht es um folgende Vorwürfe:

  • Christopher Harborne: Der britisch-thailändische Milliardär überwies Farage im Mai 2024, zwei Monate vor dessen Einzug ins Parlament, fünf Millionen Pfund (5.4 Millionen Franken). Kurz darauf kaufte sich Farage ein Haus. Farage deklarierte dies nicht und argumentierte, das Geld sei für seine persönliche Sicherheit gewesen, habe keine politische Bedeutung und müsse daher nicht gemeldet werden.
  • George Cottrell: Der wegen Geldwäsche vorbestrafte Geschäftsmann stellte Farage diverse Social-Media-Mitarbeiter und Sicherheitsleute zur Seite und überliess ihm ein fünfstöckiges Haus nahe dem Buckingham-Palast. Auch diese Zuwendungen wurden von Farage nicht deklariert.

Durch Farages Rücktritt wird die Untersuchung pausiert. Falls er wiedergewählt würde, wird diese fortgesetzt.

Farage – der Anti-Establishment-Politiker – probiert nun, den Spiess umzudrehen und die Kritik für sich zu nutzen. Seine Logik: Nicht der Untersuchungsbeauftragte, nicht Journalisten mit ihren kritischen Fragen oder das Gesetz sollen bestimmen, ob er falsch gehandelt hat oder nicht. Sondern die Bevölkerung bei der Nachwahl für seinen Sitz in Clacton.

Die Wählerinnen und Wähler hätten nun die Chance, bei der Nachwahl den etablierten Parteien und den Behörden «den Stinkefinger zu zeigen», so Farage.

Sein Gegenkandidat: eine Mülltonne

Doch mit seinem politischen Trick hat Farage auch die Türe für ihn geöffnet: für «Count Binface» – Graf Mülltonnengesicht.

Hinter dieser Figur steckt der Komiker Jon Harvey. Seit 2018 stellt er sich als Mülltonne bei viel beachteten Wahlen auf, unter anderem gegen Boris Johnson oder kürzlich gegen Andy Burnham.

Der Komiker will damit die Wahlbeteiligung erhöhen und Menschen ermuntern, an die Urne zu gehen – insbesondere bei Wahlen, die auf den ersten Blick nach einer klaren Sache aussehen.

Dies ist auch bei der Nachwahl in Clacton der Fall. Die Region ist eine Hochburg für Reform UK und steht hinter Nigel Farage. Beim Brexit-Referendum 2016 stimmten 75 Prozent der Bevölkerung für einen Austritt aus der Europäischen Union.

Das sagen die Parteien über Farages Rücktritt

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Farages Rücktritt mit direktem Wieder-Antreten sorgt in der britischen Politik für kollektives Augenrollen und scharfe Kritik:

  • Labour: Premierminister Keir Starmer bezeichnet die Ankündigung als einen «verzweifelten Stunt» und erklärt, Farage stecke bis zum Hals im Korruptionssumpf. Ein Sprecher der Partei nannte es sogar «Zirkus» und kündigte an, dass Labour keinen eigenen Kandidaten aufstellen wird.
  • Konservative: Haben ebenfalls angekündigt, niemanden bei dieser Wahl aufzustellen. Die Vorsitzende der Konservativen, Kemi Badenoch, bezeichnet es als eine «Fake»-Wahl.
  • Ed Davey (Chef der Liberaldemokraten): Er nennt die Nachwahl ein «eitles Farage-Projekt» und erklärt, es wäre kriminell, dafür Steuergelder hart arbeitender Bürger zu verschwenden.

Nigel Farage hat öffentlich angeboten, die Kosten für die Nachwahl selbst zu bezahlen. Doch auch das ist politisches Kalkül, denn die Wahlbehörden dürfen wegen potentieller Interessenkonflikte kein Geld von Kandidatinnen oder Kandidaten annehmen.

Sowohl Labour, die Grünen, die Konservativen als auch die Liberaldemokraten haben verkündet, dass sie keinen Kandidaten aufstellen werden. Nur einige unabhängige Politiker haben sich bisher als Anwärter für das Amt gemeldet.

So kommt es wohl zu einem Duell zwischen Reform-UK-Vorsitzendem Nigel Farage und Graf Mülltonnengesicht.

Bisher halten sich die politischen Erfolge von «Count Binface» im Rahmen. Doch vielleicht könnte sich das jetzt ändern. Denn hinter ihm versammeln sich nun die Gegner von Nigel Farage.

Person mit Hut hält ein Schild vor einem grossen Turm.
Legende: Am Mittwoch bereits werben Unterstützer für Graf Mülltonnengesicht. Hier an der wöchentlichen Demonstration von Anti-Brexit-Aktivisten in London. Imago / Zuma Press

So nannte der Komiker gegenüber der BBC auch als Hauptargument, warum man ihn wählen sollte: «Ich bin nicht Nigel Farage.»

Person in futuristischem Kostüm mit maskenartigem Helm und Handschuhen in einem Gebäude.
Legende: Der Comedy-Kandidat tritt nur mit seiner Verkleidung, einer übergrossen Mülltonne, auf. Keystone / AP Alastair Grant

Ein Problem hätte Graf Mülltonnengesicht allerdings, falls er denn gewählt würde und als Abgeordneter für Clacton im Parlament Platz nehmen dürfte: Im britischen Parlament gilt ein Vermummungsverbot.

Der Graf müsste sich also seiner Mülltonne entledigen und sein Gesicht zeigen.

SRF 4 News, 7.7.2026, 19 Uhr;liea

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