In der Botschaft erinnern Blumensträusse und Bilder des Ajatollah Khamenei an den getöteten obersten Führer. Inzwischen hat dessen Sohn Mojtaba die Nachfolge angetreten. Diese Wahl bedeute, «dass die gleiche Linie, der gleiche Pfad wie unter seinem Vater, dem als Märtyer gestorbenen Führer, fortgesetzt wird», sagt Botschafter Mahmoud Barimani gegenüber der SRF «Rundschau». Mojtaba Khamenei hat enge Verbindungen zu den Sicherheitskräften, er gilt als Hardliner.
Während US-Präsident Donald Trump den Krieg gegen den Iran als für so gut wie beendet erklärt, gibt sich der iranische Botschafter kämpferisch. Es werde den USA und Israel nicht gelingen, die Führung zu stürzen. Dass der Iran militärisch stark geschwächt sei, bestreitet er. «Solange dieser Krieg dauert, sind wir bereit uns zu verteidigen.»
«Hören Sie nicht auf eine Handvoll Oppositionelle»
Die seit Jahren wiederkehrenden Proteste der iranischen Bevölkerung gegen die Führung relativiert Barimani. «Sie sollten nicht auf eine Handvoll Oppositionelle hören. Sondern auf die Menschenmengen, die jetzt Tag und Nacht auf der Strasse sind – trotz der Bombardierung durch Israel und USA. Sie unterstützen die Regierung.»
Dass das Regime Proteste brutal niederschlägt, stellt der Botschafter kategorisch in Abrede. Allein bei den jüngsten Demonstrationen Anfang Jahr sind gemäss Schätzungen Zehntausende Menschen ums Leben gekommen. Barimani widerspricht: Es habe 3117 Tote gegeben – der Grossteil davon seien Polizisten. Und er führt eine abenteuerliche Erklärung für die Gewalt ins Feld: Israel habe Randalierer bewaffnet, und diese hätten sich mit dem Ziel, möglichst viele Menschen zu töten, in die zunächst friedlichen Demonstrationen gemischt. Dafür habe man Beweise, sagt Barimani – welche, bleibt offen.
Schweizer Vermittlung willkommen
Ob man nach einem Ende der Angriffe zu Verhandlungen mit den USA zurückkehren würde, könne man erst zu diesem Zeitpunkt prüfen, sagt der Botschafter. Man habe das Vertrauen in die USA verloren. Falls es aber Gespräche gebe, würde man die Schweiz gerne als Mediatorin sehen. «Die Schweiz hat sich stets nach Kräften um Vermittlung bemüht. Wir würden eine Initiative der Schweiz und die Rolle, die sie dabei spielt, sehr begrüssen.»
Barimani übt aber auch Kritik: Von der Schweiz als unabhängiges, neutrales Land und als Hüterin der Genfer Konventionen erwarte man, dass sie den Verstoss gegen internationale Normen anprangere und den Akt der Aggression und den Verstoss gegen das Völkerrecht ausdrücklich verurteile.
Aussenminister Ignazio Cassis zeigte sich am Montag erneut zutiefst besorgt über das militärische Vorgehen der Konfliktparteien. Dieses verletze das Völkerrecht und insbesondere das Gewaltverbot. Der Bundesrat fordere von allen Parteien, das Völkerrecht einzuhalten.