Zum Inhalt springen
Inhalt

Nato-Übung «Trident Juncture» Renaissance der Grossmanöver

Zehntausende Soldaten, hunderte Kampfjets, dutzende Kriegsschiffe. Die Nato startet ihr grösstes Manöver seit dem Kalten Krieg.

Legende: Video Nato-Manöver abspielen. Laufzeit 01:29 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.10.2018.

Die Nato probt den Ernstfall. In den Wäldern Norwegens und im ganzen Nord- und Ostseeraum. Geübt wird das Zurückschlagen eines feindlichen Angriffes auf ein Mitgliedsland der Militärallianz.

«Trident Juncture», so der Name der Übung, ist das grösste Nato-Manöver seit dem Kalten Krieg. Und die Zahlen beeindrucken: mehr als 30 Länder, 50'000 Soldaten, 10'000 gepanzerte Fahrzeuge, 250 Kampfflugzeuge, 65 Kriegsschiffe. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg spricht von einem «ehrgeizigen und anspruchsvollen Grossmanöver».

Jahrzehntelang führte das westliche Militärbündnis keine derart grossen Truppenübungen mehr durch. Geübt werden soll der sogenannte Bündnisfall, gemäss Artikel 5 der Nato-Satzung. Also konkret: Wie reagiert die Nato, wenn eines ihrer Mitglieder angegriffen wird?

Reaktionstempo, Truppenverlegung und Kooperation

Im Vordergrund stehen das Reaktionstempo, die schnelle Truppenverlegung und die länderübergreifende Zusammenarbeit über Dutzende von Armeen hinweg. Voll dabei sind auch die neutralen Nicht-Natomitglieder Schweden und Finnland.

Dass die «Trident-Juncture»-Manöver in Norwegen und angrenzenden Gebieten stattfinden, ist kein Zufall. Und dass der Feind in der Übungsanlage keinen Namen hat, täuscht ebenso wenig darüber hinweg, dass Russland gemeint ist, welches im hohen Norden gewaltig aufgerüstet, neue Militärbasen eingerichtet und seine Eismeerflotte vergrössert hat.

Russen nehmen Einladung zur Beobachtung an

Zwar betont der norwegische General Rune Jakobsen, die wichtigsten Übungen fänden nicht unmittelbar an der russischen Grenze statt; «die Russen brauchen also keine Angst zu haben». Und selbstverständlich sei ja ohnehin, dass «Trident Juncture» oder auf Deutsch etwas umständlich «dreizackiger Verbindungspunkt» rein defensiv sei.

Soldaten beim Einstieg in ein Transportflugzeug
Legende: Zehntausende Soldaten, wie diese niederländischen Kampftruppen, nehmen an dem Nato-Grossmanöver teil. Keystone

Ausserdem will die Nato volle Transparenz bieten und hat zu sämtlichen Übungsteilen russische Beobachter – und solche aus allen übrigen OSZE-Mitgliedsländern eingeladen. Moskau hat das Angebot angenommen. Im Kreml spricht man dennoch von «verantwortungslosem Vorgehen» der Nato und von «Säbelrasseln».

Neue Waffen im Ernstfall-Test

Allerdings führte Russland seinerseits vor einem Jahr unter dem Namen «Zapad», also «Westen», Grossmanöver durch – es waren ebenfalls die grössten russischen Manöver seit vielen Jahren. Und soeben fand, gemeinsam mit China organisiert, die noch weit umfangreichere Truppenübung «Wostok» statt.

Alle Grossmächte haben sich in den vergangenen Jahren neue Strukturen und Einsatzpläne verpasst und beschafften sich neue Waffen. Ob sie tatsächlich etwas taugen, lässt sich schwer sagen. Das zeigt sich erst im Ernstfall-Test, also in Manövern.

Man schaukelt sich gegenseitig hoch

Dazu kommt, dass umfangreiche Truppenübungen auf der einen Seite fast automatisch ebensolche auf der anderen Seite nach sich ziehen. Man schaukelt sich also gegenseitig hoch.

Und schliesslich: Die Spannungen zwischen Ost und West sind so gross wie seit langem nicht mehr. All das führt zu einer – für viele überraschenden – Renaissance der Grossmanöver.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

103 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Lars Benvenido (Swisslars)
    Mit diesen Manövern versteht man eigentlich wieso die Gorillas genetisch mit ca. 99.5 % dem Menschen ähnlich sind. Genau die gleichen Drohgebärden und auf die Brust klopfen. Der Mensch hat null und nichts aus der Geschichte gelernt. Der technische Fortschritt ist zwar beachtlich. Aber sonst ? Es gibt ein Hoffnungsschimmer. Wenn sich die Menscheit selber ausgelöscht hat, wird hoffentlich der Gorilla überleben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
    NATO = eines der agressivsten Militärbündnisse, die bzw. deren Mitglieder (v.a. USA, FR, GB) viele völkerrechtswidrige Angriffskriege eh sorry "humanitäre Interventionen" durchführten & fremde Länder "rein defensiv" bombardierten. NATO &/oder NATO-Staaten bombardierten, ohne angegriffen worden zu sein & ohne UNO-Mandat: Serbien, Afghanistan, Irak, Libyen, Somalia, Pakistan, Jemen, Mali, Syrien. Allein seit 9/11 starben über 2 Mio durch US/NATO-Krieg "gegen den Terror" allein im nahen Osten!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Bruckschlegel (tb77)
    Grossmanöver waren im Kalten Krieg Gang und gäbe und dies war auch gut so, um die Kommunikation und die Prozesse länderübergreifend zu trainieren! Alles andere ist hochgradig arogant und gefährlich, bei so komplexen Konstellationen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen