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International Neonazi-Aufmarsch gegen Merkel

Zu einem Marsch rechter Populisten und Extremisten haben die Deutschen Behörden nur ein paar hundert Teilnehmer erwartet – doch es kommen 3000. Gegendemonstranten scheitern mit dem Versuch, die Route zu blockieren. In Parolen und Transparenten wird vor allem gegen die Bundeskanzlerin gehetzt.

Legende: Video «Aufmarsch der Rechten: «Wir sind das Volk»» abspielen. Laufzeit 0:15 Minuten.
Vom 13.03.2016.

Knapp 3000 Rechtspopulisten, Neonazis und andere fremdenfeindliche Demonstranten sind am Samstag durch das Berliner Regierungsviertel und vorbei am Reichstagsgebäude marschiert.

Sie skandierten Parolen gegen Flüchtlingsheime, «Merkel muss weg», «Wir sind das Volk» und «Lügenpresse». Die Zahl der Teilnehmer war deutlich höher als von den Behörden erwartet.

Legende: Video «FOKUS: Rechtsradikale in Deutschland» abspielen. Laufzeit 6:31 Minuten.
Aus 10vor10 vom 25.08.2015.

1300 Polizisten im Einsatz

Versuche aus den Reihen von mehr als 1000 Gegendemonstranten, die genehmigte Route zu versperren, scheiterten. Es kam zu kleineren Zusammenstössen mit der Polizei. Insgesamt waren nach offiziellen Angaben 1300 Polizisten im Einsatz. Angemeldet waren lediglich 200 Rechte.

Berlins Innensenators Frank Henkel und der Verfassungsschutz hatten in den vergangenen Tagen von einer erwarteten Teilnehmerzahl im «unteren dreistelligen Bereich» gesprochen. Radio Berlin-Brandenburg (rbb) berichtet, bundesweit sei «monatelang zu der Demonstration in den sozialen Netzwerken aufgerufen» worden. Die Demo unter dem Motto «Merkel muss weg» war von einer Initiative «Wir für Berlin & Wir für Deutschland» angemeldet worden.

Reichskriegs- und Russenflaggen

In früheren Jahren mussten Rechtsextremisten meist entfernt von der Innenstadt demonstrieren. Andere Aufmärsche, etwa der NPD in Kreuzberg und Prenzlauer Berg, wurden von so vielen Gegendemonstranten blockiert, dass sie kaum von der Stelle kamen und von der Polizei vorzeitig beendet wurden.

Deutlich erkennbar waren am Samstag ganze Gruppen von Neonazis, Hooligans, sogenannten Reichsbürgern, Pegida-Sympathisanten und auch Rocker. Einige schwenkten Deutschland-Fahnen, aber auch nachgeahmte Reichskriegsflaggen, die russische Nationalflagge und Fahnen aus Brandenburg und Sachsen.

Sie zogen vom Hauptbahnhof entlang der Spree, vorbei am ARD-Hauptstadtstudio und dem Reichstagsgebäude bis fast ans Brandenburger Tor. Die Demonstrationsstrecke war zu den Seiten mit Gittern abgesperrt.

Aggressive Stimmung

Einen Versuch von rund 200 Protestierern, die Rechten zu blockieren, unterband die Polizei mit dem Einsatz von Reizgas. An vielen Absperrungen standen sich Rechtsextremisten und Gegendemonstranten aggressiv gegenüber. Besonders Neonazis drohten mit Gewalt und hetzten massiv. Nur die Anwesenheit der Polizei verhinderte Angriffe und Schlägereien.

Bischof bezieht Stellung

Aufgerufen zum Gegenprotest hatten unter anderem Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, linke Gruppen und der Türkische Bund. Auf Transparenten hiess es dort unter anderem «Asyl ist ein Grundrecht. Rassismus nicht».

Der evangelische Bischof Markus Dröge sagte laut einer Pressemitteilung, er wolle keine Empfehlung für die Wahlen in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und im September in Berlin abgeben. Aber: «Schenken Sie Ihr Vertrauen denen, die sich für die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts einsetzen, für den Schutz aller Menschen vor Gewalt, Menschenfeindlichkeit und Fremdenhass.»

86 Kommentare

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  • Kommentar von Peach Meier (Peach Meier)
    Was, Herr Holzer, wenn es ohne Gewalt gar nicht geht? Wenn man einfach überhört wird? Die Linken machen es doch dauernd vor, dass sie sich um Gesetze einen Teufel scheren. in jeder Stadt/ Reitschule etc. Ich würde das rigoros abstellen, auf beiden Seiten! Und dann soll der Bürger entscheiden, was er will! Nicht Beamte oder Regierung. Was man dem deutschen Volk und auch uns zumutet ist seit Jahren eine riesengroße Frechheit, die automatisch zu Krieg und Gewalt führt! Offenbar will man das!
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    1. Antwort von Peter Holzer (Peter Holzer)
      Sie leben doch in einer direkten Demokratie und entscheiden als Bürger wer in der Regierung sitzt? Ich verstehe ihr Problem diesbezüglich immer noch nicht. Gehen sie wählen, werden sie politisch aktiv etc. Es klingt fast so, als möchten sie selber richten und für Ordnung sorgen.
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    2. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Könnte das Volk in Deutschland tatsächlich entscheiden, so wären die US-amerikanischen Militärbasen längst aus dem Land verbannt - allen voran Ramstein, aber auch andere Basen. Viele Deutsche haben mittlerweile gemerkt, dass sie den Unterhalt der US-Soldaten bezahlen müssen - und wirtschaftlich kaum profitieren. Der unerbittliche "Drohnenterrorkrieg", der von Ramstein aus gesteuert wird, ist mittlerweile öffentlich geworden. "Nie wieder Krieg"... hiess es vor 50 Jahren!
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Viele vermögen die Katastrophe,welche sich zusammen braut nicht zu erkennen. Noch immer negiert man diesen gefährlichen Rechtsrutsch. Noch immer versuchen hier «blinde Bürger» die rechtsradikalen Vorkommnisse als reine Bürgerwut abzutun.Wenn Spinner «wir sind das Volk» skandieren, sollten wir aufhorchen,denn nur eine kleine Wirtschaftsflaute mit einigen 10'000 Arbeitslosen mehr vermag diesen toxischen Cocktail in ein 30er Jahre-Szenario zu verwandeln.Es wird geschehen,wenn wir nicht reagieren!
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Moment mal Herr Bächler, das sich da eine Katastrophe anbahnte könnte man schon sehr lange vorhersehen. Und nicht wenige haben es ja auch gesagt und immer wieder gesagt, obwohl man sie dafür fast an den Pranger gestellt hat. - Nochmals, diese "Willkommenskulturisten" haben fürchterlichen Mist gebaut. Dieser Stimmungs-Umschwung in D war definitiv hervor sehbar. Nur Ignoranten, eigentlich ja auch Spinner, wollten es nicht wahrhaben.
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  • Kommentar von S. Meier (SM)
    Also in der live Übertragung von gestern war doch tatsächlich auch eine schweizer Fahne in der Demo (nicht die Gegendemo) auszumachen....
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