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Neue CDU-Vorsitzende «Game, Set, Match» für Merkel

Legende: Audio Annegret Kramp-Karrenbauer neue CDU-Chefin abspielen. Laufzeit 07:44 Minuten.
07:44 min, aus Echo der Zeit vom 07.12.2018.

Das war knapp. Viel knapper als erwartet. Aber Angela Merkel ist ein grosser Sieg in der Abenddämmerung ihrer politischen Karriere gelungen. Gerade noch rechtzeitig hat sie es geschafft, ihren Abgang von der politischen Bühne zu organisieren.

Sie hat mit ihrem angekündigten Rückzug die Partei wie ein Jungbrunnen wiederbelebt. Und es ist ihr gelungen, ihre Favoritin durchzusetzen.

Änderungen ja, aber bitte nicht zu viel

Gescheitert ist Friedrich Merz an den fehlenden Stimmen aus dem Lager seines erst 38-jährigen Konkurrenten Jens Spahn, der nach dem ersten Wahlgang ausschied.

Jens Spahn wäre als konservativer Politiker neben dem Konservativen Friedrich Merz verblasst. Eine starke Minderheit der Spahn-Anhänger wollte sich ihre Zukunftshoffnung bewahren.

Letztlich aber wollen die CDU-Delegierten und im Grunde die meisten Deutschen zwar Änderungen, aber bitte nicht zu viel davon. Merz war ihnen schlicht zu wirtschaftsliberal. Sie sind kein Volk von Aktionären, und schon gar nicht wollen sie Aktien für ihre Altersvorsorge kaufen.

Den Satz von Merz, «wir halten die Menschen nicht für betreuungswürdige Wesen, über die der Staat immer seine lenkende Hand halten muss», würden die meisten Deutschen nicht unterschreiben.

AKK ist keine Mini-Merkel

Man kann Annegret Kramp-Karrenbauer oder Friedrich Merz bevorzugen. Unabhängig von persönlichen Präferenzen aber hätte ein Sieg von Merz die CDU konservativer gemacht, damit der SPD Luft verschafft und die politischen Ränder geschwächt. Das politische System wäre mehr wieder so, wie es ursprünglich gedacht war.

Aber wir leben in neuen Zeiten. Annegret Kramp-Karrenbauer hat in den letzten Monaten inhaltlich noch kein klares Profil entwickelt, entwickeln können. Wieviel Merkel in ihr steckt oder eben nicht, wird sich zeigen. Aber ihre Entschlossenheit, ihr Selbstbewusstsein und ihr Ehrgeiz machen klar, dass von Mini-Merkel keine Rede sein kann.

Sieg von Kramp-Karrenbauer gut für die GroKo

«Voraussagen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen», lautet ein hübscher Spruch von Mark Twain. Was man aber mit Blick auf die jüngste Vergangenheit sagen kann: CDU, CSU und SPD versuchen ganz deutlich die Grosse Koalition zu stabilisieren und über die Runden zu bringen, sprich bis zum Ende der Legislatur zu erhalten.

Der Sieg von Annegret Kramp-Karrenbauer über Friedrich Merz stabilisiert die Grosse Koalition noch ein Stück mehr. «Game, Set, Match» für Merkel.

Peter Voegeli

Peter Voegeli

Deutschland-Korrespondent, SRF

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Peter Voegeli ist seit Sommer 2015 SRF-Korrespondent in Deutschland. Er arbeitet seit 2005 für Radio SRF, zunächst als USA-Korrespondent, danach als Moderator beim «Echo der Zeit».

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15 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    So gründet man Politdynastien. Die AFD wird langsam aber sicher zur staatsrettenden letzten Alternative.
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  • Kommentar von Armin Spreter (aspre)
    Warum hat Spahn- wohl wissend, dass er chancenlos war - ganz zuletzt auf eine Kandidatur zu Gunsten von Merz nicht verzichtet (ähnliche Lager)? AKK ist eine nette Frau und als Ministerpräsidentin eines Bundeslandes sehr wohl geeignet. Allerdings bezweifle ich, dass sie (falls sie BK werden sollte) Typen wie Trump, Putin , Erdogan etc. entschieden genug gegenüber treten kann, Merz wäre hierzu m.E. geeigneter gewesen.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Merkel duldete keine andere Meinung und schon gar keine Diskussionen über ihre Ansichten und Meinungen die sie vertrat. CDU Politiker kritisiert Merkel „Noch nie war ein Kanzler bzw. Kanzlerin so machtgeil und unpatriotisch. "Die Autorität der Kanzlerin war nicht nur innerhalb der Partei erschüttert, sondern auch in ihrer Amtsführung als Regierungschefin", erklärten CDU Mitglieder. Jetzt ist Annegret Kramp-Karrenbauer am Ruder und viele hoffen, dass sich dies ändert.
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