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Millionen Kinder erhielten wegen Corona keine Basisimpfung.
Aus HeuteMorgen vom 15.07.2021.
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Neue WHO- und Unicef-Studie Was bedeutet der Rückgang der Kinderbasisimpfungen wegen Corona?

Kein Impfschutz gegen Tetanus oder Kinderlähmung: 23 Millionen Kinder haben im Jahr 2020 keine Basisimpfstoffe erhalten. Das zeigt eine Studie der Weltgesundheitsbehörde (WHO) und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef). Ulrich Heininger ist Vakzinologiechef am Uni-Kinderspital beider Basel und erläutert, was die Folgen dieser Entwicklung sein könnten.

Ulrich Heininger

Ulrich Heininger

Vakzinologieleiter am Uni-Kinderspital beider Basel

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Ulrich Heininger ist der Leiter der Abteilung für Vakzinologie am Universitätskinderspital beider Basel und ehemaliges Mitglied des WHO-Beratungskomitees für Impfsicherheit.

SRF News: Vergangenes Jahr ging die Verabreichung der Basisimpfungen an Kinder seit dem Jahr 2009 am meisten zurück. Was bedeutet das?
Ulrich Heininger: Das ist bedrohlich und beängstigend. Jedes einzelne Kind, das nicht durch Impfungen geschützt wurde, kann jederzeit an einer dieser Krankheiten leiden. Krankheiten wie Masern, Keuchhusten oder Wundstarrkrampf, gegen die wir global impfen, sind potenziell lebensbedrohlich. Das ist ein ernst zu nehmendes Problem.

Empfohlene Basisimpfungen in der Schweiz:

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  • Diphterie
  • Grippe
  • Hepatitis B
  • H. influenza b
  • HPV
  • Keuchhusten
  • Kinderlähmung
  • Masern
  • Mumps
  • Pneumokokken
  • Rötelen
  • Tetanus
  • Windpocken
    Quelle: Infovac

Was ist mit Impfskeptikerinnen und -skeptikern?
Was oft nicht thematisiert wird, aber zunehmend eine Rolle spielt, sind diese leidigen Behauptungen – ja, ich muss es als Lügen bezeichnen – die immer wieder in den sozialen Medien kursieren. Es wird alles Mögliche behauptet, was an negativen Folgen durchs Impfen passieren könne. Es gibt Behauptungen, dass Kinder, die bestimmte Impfungen bekommen, unfruchtbar werden.

Das ist ein Problem, das die WHO auch erkannt hat. Sie hat vor zwei Jahren Impfzögerlichkeit als eine der zehn globalen grössten Bedrohungen der Weltgesundheit identifiziert.

Im Zeitalter der internationalen Verbundenheit über soziale Medien geraten diese Gerüchte zunehmend auch in die einkommensschwachen Länder und führen dort ebenfalls dazu, dass Eltern teilweise Impfungen für ihre Kinder aktiv ablehnen. Das ist ein Problem, das die WHO erkannt hat. Sie hat vor zwei Jahren Impfzögerlichkeit als eine der zehn globalen grössten Bedrohungen der Weltgesundheit identifiziert.

Welchen Einfluss hat die aktuelle Pandemie?
Covid-19 hat dazu beigetragen, dass in vielen Regionen das Hauptaugenmerk auf die Versorgung der an Covid-Erkrankten gelegt wurde. Auch eine Rolle spielt sicherlich die Sorge vieler Eltern, dass sich ihre Kinder beim Impfen bei einer Ansammlung von anderen Menschen mit Covid-19 anstecken könnten.

Müssen wir uns vermehrt auf Ausbrüche von vermeidbaren Kinderkrankheiten gefasst machen?
Das ist sicher zu befürchten. Wenn ich wetten müsste, welche Krankheit die grösste Herausforderung wird, dann würde ich auf Masern tippen. Das ist eine sehr ansteckende Krankheit. Wir brauchen eigentlich 95 Prozent Durchimpfung in der Bevölkerung, um Ausbrüche zu verhindern.

Wie schätzen Sie die Situation in der Schweiz ein?
Ich will daran erinnern, dass wir in der Schweiz in den Jahren 2008 und 2009 riesige Masernausbrüche hatten, weil Impfskepsis so verbreitet ist, dass es uns bislang nicht gelungen ist, mehr als 95 Prozent aller Kinder zweimal gegen Masern zu impfen. Denn das ist das Ziel, das die WHO ausgerufen hat und das ist das, was es bräuchte, um Masernausbrüche zu verhindern. Die Krankheit kann auch bei uns in Europa und in der Schweiz ausbrechen, unabhängig von Covid-19.

Was bedeutet es, wenn Masern wieder häufiger auftreten?
Gerade in den Ländern, in denen das Gesundheitssystem teilweise zusammengebrochen ist, müssen wir leider davon ausgehen, dass es zu Masernausbrüchen mit den bekannten fatalen Folgen einer viel höheren Sterblichkeit kommen könnte, als wir es in Europa im Rahmen der Masern sehen.

Wenn ich wetten müsste, welche Krankheit die grösste Herausforderung sein wird, dann würde ich auf Masern tippen.

In vielen Regionen der Welt könnten noch viel mehr Menschen daran sterben, weil die Sterblichkeit mit der unzureichenden medizinischen Versorgung und mit der unzureichenden Ernährung der Kinder einhergeht. Das macht mir grosse Sorgen.

Das Gespräch führte Lillybelle Eisele

Video
Aus dem Archiv: Ulrich Heininger zur HPV-Impfung
Aus Rundschau vom 29.10.2014.
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HeuteMorgen, 15.07.2021, 07:00 Uhr;

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Man muss lernen zu Differenzieren. Sicher sind Impfungen gegen schwere und tödliche Krankheiten sinnvoll für Kinder. Hingegen halte ich Windpocken- oder Corona Impfungen für Kinder unnötig, denn diese Krankheiten machen kaum schwere Erkrankungen bei Kindern. Zudem sollen Kinder die Gelegenheit haben, ihr Immunsystem zu entwickeln. Meh Dräck! Das wäre gefragt - dann hätten wir auch weniger Allergiker.
    1. Antwort von Willi Meier  (wm)
      Es spricht doch Einiges für die Windpockenimpfung. Windpocken können sehr lästig sein. Die Viren überleben unerkannt in Nervenzellen und sind die Ursache für später auftretende Gürtelrose, die ebenfalls sehr lästig sein kann und öfters zu schwerwiegenden chronische Schmerzen führt.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Die Liste der vielen "empfohlenen Basis-Impfungen" für Kinder = sehr fragwürdig bzgl. effektiver/m Notwendigkeit, Nutzen für das sensible Immunssystem, die Gesundheit von Kindern!?
    1. Antwort von Ulrich Mogwitz  (Testspiel)
      Was genau ist denn daran fragwürdig? Welche wissenschaftlich validen Studien belegen denn diese Fragwürdigkeit?
    2. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Ulrich Mogwitz: Jeder Mensch ist ein Individuum. Impfstoffe sind auch Fremdstoffe für den natürlichen Organismus, daher reagieren Menschen unterschiedlich auf Impfungen, welche Einfluss auf das Immunsystem haben, auch schwächen können.
      Gerade bei Säuglingen, Kindern, ist das Immunsystem sehr sensibel und kann entsprechend auf Fremdstoffe reagieren.
      Deshalb macht es Sinn, auch betreffend Impfung, gewisse Überlegungen zu machen...
  • Kommentar von Ludwig Meier  (ludwig.meier555@mail.ch)
    Ich denke, dass generelle Skepsis gegenüber Impfungen mit einer sich ändernden Sicht auf Gesundheit sowie mit der viel zu totgeschwiegenen Korruption der Pharmaindustrie zu tun hat. Vertrauen könnte geschaffen werden, indem man ganz offen und repetitiv in den Medien über all die unglaublichen Skandale, wie Fälschungen von Studien und Bestechung von Forschern/Ärzten berichtet und diese thematisiert.
    1. Antwort von Hans Vetsch  (Psan)
      Ich denke, dass generelle Skepsis gegenüber Impfungen fast ausschliesslich mit Falschinformationen auf dem Internet und fehlender Medienkompetenz der Leute zu tun hat. Vertrauen zu schaffen mit Fakten ist unmöglich, da diese Leute die Fakten sowieso ignorieren oder als gelogen abtun.
    2. Antwort von Ulrich Mogwitz  (Testspiel)
      Welche Studien wurden denn gefälscht? Welche Forscher wurden bestochen? Welche unglaublichen Skandale genau sind gemeint? Und in welchem Verhältnis stehen die zu den tatsächlichen Verdiensten der Pharma- und Gesundheitsbranche? Ein Indikator für diese Verdienste könnte die Lebenserwartung sein: Seit 1900 hat sie sich in der Schweiz fast verdoppelt: von 46,2 auf 81,9 Jahre für die Männer und von 48,9 auf 85,6 Jahre für die Frauen. (Quelle: https://www.bfs.admin.ch)...
    3. Antwort von Karin Schmid  (Karin Schmid)
      Impfungen sind Opfer ihres eigenen Erfolges.
      Kaum noch jemand kennt die Schrecken der Krankheiten die wir so effizient bekämpfen konnten.
    4. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Das Befragen vom Sinn der Impfung gab es von allem Anfang an, gewissermassen seit der Kuh von Dr. Jenner. Eine grosse Diskussion rund um das Impfen gab es hierzulande in den 50-ern und 60-ern. Erst dann wurde diese Art der Vorsorge irgendwie selbstverständlicher, nahm aber seit 2013 wieder zu. Das Referendum gegen das Epidemiengesetz wurde von starken Gruppen Impfgegnern ergriffen (finanziert).