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Neuer Klimabericht Das Weltklima gerät immer mehr aus dem Gleichgewicht

Die Weltwetterorganisation der UNO (WMO) stellt in ihrem jährlichen Bericht fest, dass alle Indikatoren, mit denen der Klimawandel gemessen wird, in die falsche Richtung zeigen. Den Kampf gegen die Erderwärmung aufzugeben, wäre trotzdem falsch, meinen die Autorinnen und Autoren. SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann beantwortet die wichtigsten Fragen zum Zustand des Klimas.

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

Welches sind die wichtigsten Feststellungen der WMO?

Die neuen Daten zeigen, dass das Jahr 2025 mit im Schnitt plus 1.43 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ein bisschen weniger warm war als das Rekordjahr 2024 (plus 1.55 Grad). Allerdings war 2025 das bisher zweit- oder drittwärmste Jahr seit dem Beginn der Messungen vor 176 Jahren – und die zehn Jahre zwischen 2015 und 2025 waren die wärmsten. Hauptgrund sind die Treibhausgase in der Atmosphäre. Auch 2025 hat deren Konzentration weiter zugenommen. Luft und Wasser sind wärmer geworden, das Eis an den Polen und in den Bergen ist weiter geschmolzen und die Wasserspiegel sind gestiegen.

Gibt es Neuigkeiten oder Überraschendes im Bericht?

Die Trends zeigen in die altbekannte und aus Sicht des Klimaschutzes falsche Richtung. Immer stärker werden die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der meteorologischen Fakten weltweit sichtbar. In einem Zusatz zum Bericht stellt die WMO fest, dass extreme Wetterereignisse immer stärkeren Einfluss auf die landwirtschaftliche Produktion haben. Pflanzenkrankheiten und Tierseuchen verstärken die Ernährungsunsicherheit und führen zu sozialer Instabilität und Migration. Neu misst die WMO auch die sogenannte Energiebilanz und auch diese ist aus dem Lot.

Was sagt der neue Indikator «Energiebilanz» genau aus?

Dieser Indikator fasst Parameter wie Temperaturanstieg, Eisschmelze und Treibhausgaskonzentration zusammen. Mit der Energiebilanz misst die WMO, wie viel Energie die Sonne zur Erde schickt und wie viel davon die Erde wieder abgibt. Bei einem stabilen Klima würden sich die Energieaufnahme und die -abgabe die Waage halten. Weil die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre jedoch derzeit so hoch ist wie seit mindestens 800'000 Jahren nicht mehr, kann die Hitze nicht mehr weg und erwärmt Erde und Ozeane. Es besteht ein gravierendes Energieungleichgewicht, das im Übrigen rasch grösser wird.

Warum sollen die ernüchternden Feststellungen der WMO kein Grund zum Aufgeben sein?

Die Wetter- und Klimadaten der WMO sind klar – und sie sind besorgniserregend. Ebenso eindeutig ist die Feststellung, dass jedes Zehntelgrad Erwärmung, das verhindert werden kann, Wetterextreme lindert und soziale und wirtschaftliche Kosten spart. Um die gröbsten Auswirkungen der Klimakrise noch abzuwenden, müsste der Treibhausgasausstoss weltweit rasch reduziert werden. Noch zeigt auch hier die Tendenz nach oben statt nach unten. Immerhin scheint in gewissen Bereichen – zum Beispiel bei der Energieproduktion – der Treibhausgasausstoss einem Höhepunkt näher zu rücken. Diese Entwicklung müsste die Staatengemeinschaft zu beschleunigen versuchen. Mehr Klimaschutz und weniger Treibhausgasausstoss würden sich lohnen, wirtschaftlich und sozial.

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Heute Morgen, 23.3.2026, 7 Uhr ; 

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