Zum Inhalt springen

Header

Video
Keir Starmer ist neuer Chef der britischen Labour-Partei
Aus Tagesschau vom 04.04.2020.
abspielen
Inhalt

Neuer Partei-Chef Labour auf der Suche nach einer neuen Identität

Keir Starmer ist der neue Gegenspieler von Boris Johnson im Parlament. Der 57-jährige Jurist und ehemalige Menschenrechtsanwalt soll die grösste Partei Europas nach der historischen Wahlniederlage im Dezember wieder auf Kurs bringen. Das bringt viele Herausforderungen mit sich. Hier die drei wichtigsten:

1. Herausforderung: In der Krise nicht auf Gegner schiessen

Die britische Politik lebt eigentlich von Attacke und Gegenattacke zwischen Tory und Labour, und vor allem Johnsons Brexit-Kurs schreit förmlich nach angriffiger Opposition. Doch in den nationalen Krisen neigen die Briten dazu, alle zusammenzustehen und die Regierung zu unterstützen. Brexit passte nicht in dieses Schema, aber die Corona-Pandemie wird als nationale Gesundheitskrise wahrgenommen.

Trotz Problemen: 72 Prozent der Bevölkerung sagen, sie seien zufrieden mit Johnsons Leistung. Wenn Keir Starmer als neuer Parteichef jetzt zu scharf gegen die Regierung schiesst, würde man ihm vorwerfen, Profit schlagen zu wollen aus der Corona-Krise. Taktisch klug ist jetzt: Kooperation statt Konfrontation. Auf die Bremse treten wird nicht leicht, und damit gewinnt man noch keine neuen Wähler. Der neue Parteichef wird sich gedulden müssen.

2. Herausforderung: Weg von Corbyn. Aber wohin?

Der Sozialist Jeremy Corbyn hat die Partei seit 2015 geprägt wie zuletzt Tony Blair. Aber in die komplett andere Richtung. Mit dem 70-jährigen Protestpolitiker ist die Partei stark nach links gerückt. Trotz anfänglichen Erfolgen mit diesem Kurs: Corbyns Beliebtheit nahm stetig ab und mündete in der historischen Wahlniederlage 2019. Keir Starmer wird dennoch nicht einfach brechen können mit Corbyns Erbe, denn dessen Fans sind noch immer engagiert in Funktionen auf allen Parteistufen.

Und es stellt sich die Frage, wohin die Reise geht? Mehr Sozialdemokratie statt Sozialismus? Mehr in die Mitte? So wie damals Tony Blair? Doch gewisse Bereiche der politischen Mitte erobert unterdessen auch Boris Johnson, der ebenfalls bricht mit dem Erbe der Tories, indem er etwa viel mehr Investitionen verspricht. Den richtigen, Labour-eigenen Kurs zu finden, wird also für den Kapitän Keir Starmer nicht leicht.

3. Herausforderung: Profil aufbauen.

Der Jurist Keir Starmer gilt als einer, der mit Fakten und Logik punktet. Bei den angriffslustigen Rede-Duellen im Unterhaus, die die Briten heiss lieben, könnte er damit Boris Johnson in die Defensive zwingen.

Doch ausserhalb des Parlaments wird Keir Starmer noch an Profil zulegen müssen. Der Londoner gilt als fleissiger Schaffer, aber auch als nett und langweilig. Die Wählerinnen und Wähler im Norden beklagen, dass nach Corbyn auch Starmer wieder einer aus der Hauptstadt-Bubble ist. Viele von ihnen haben bei den Wahlen im Dezember zum allerersten Mal für die Tories gestimmt. Will Keir Starmer mit der Labourpartei bei den nächsten Wahlen gewinnen, muss er diese Regionen zurückerobern. Dafür fehlt ihm im Moment noch das Charisma und die Volksnähe.

Henriette Engbersen

Henriette Engbersen

Grossbritannien-Korrespondentin, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Engbersen ist seit Frühling 2017 Grossbritannien-Korrespondentin von SRF. Sie ist seit 2008 für das Schweizer Fernsehen tätig, zuerst als Ostschweiz-Korrespondentin und später als Redaktorin der «Tagesschau».

Tagesschau, 04.04.2020, 13 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von mahmut alane  (holundder)
    Wenn labour konsequent linke Politik betreibt und sich von den rechten grossmäulern nicht beeindrucken lässt, kehren auch die Wähler zurück. Das schlimmste ist in die Mitte oder sogar nach rechts zu gehen... Dann wählt man lieber das Original.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Bei Blair war es aber genau umgekehrt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Nun ja der Linkskurs war ja bei den letzten Wahlen extrem erfolgreich. Das Momentum ist sozusagen durch die Decke geschossen … dummerweise nach unten und nicht nach oben. Man muss verblödet sein, um nicht zu erkennen, dass die Mehrheit in der Mitte liegt und sicher nicht im linken Extrem. Darum hat die Momentumkandidaten bei der Nachfolge von Corbin eine Niederlage eingefahren, dass sie hier im Artikel nicht mal erwähnt wird! Der linke Corbinism ist auf dem ideologischen Misthaufen gelandet.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen