Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Nordirland Erneute Ausschreitungen in Belfast

  • In Nordirland ist es nach den jüngsten Ausschreitungen erneut zu Spannungen gekommen.
  • Im Visier der Krawallmacher standen Menschen mit Migrationshintergrund, die teils unter Polizeischutz aus ihren Häusern gerettet werden mussten.
  • Auch ausserhalb der Hauptstadtregion Nordirlands kam es zu weiteren Ansammlungen, insgesamt verlief der Abend jedoch ruhiger als am Vortag.

Dutzende vermummte Randalierer errichteten in Belfast Barrikaden und setzten Fahrzeuge in Brand. Die Polizei wurde mit Steinen und Molotow-Cocktails beworfen. Die Beamten brachten Wasserwerfer zum Einsatz, um die Krawallmacher in Schach zu halten. Zwölf Polizistinnen und Polizisten wurden verletzt. Die Polizei hat 16 Beteiligte festgenommen.

Polizeibeamte stehen einer Menschenmenge und Flammen auf einer Strasse gegenüber.
Legende: Ziegelsteine, Flaschen und Steine sind auf die Polizei geworfen worden. Keystone/EPA/ADAM VAUGHAN

Maskierte seien von Haus zu Haus gezogen und hätten Migrantinnen und Migranten bedroht, so SRF-Korrespondent Michael Gerber.

«Die Ermittlungen gegen die Maskierten laufen auf Hochtouren, sie sind allerdings kompliziert», sagt Michael Gerber. «Auf den Bildern sieht man viele junge, maskierte, schwarz gekleidete Männer. Sie sind gewaltbereit und wurden über die Sozialen Medien angestachelt», so Gerber.

Nordirlands zuständiger Minister, Hilary Benn, verurteilte die Vorfälle als «rassistische Gewalttaten».

Plattform X als Verstärker

Ein bekannter Anführer in der Szene sei ein rechtsextremer Aktivist, der in den Sozialen Medien über zwei Millionen Follower habe. «Er hat dazu aufgerufen, sich um sieben Uhr abends zu versammeln und die Sache selbst in die Hand zu nehmen.» Er wirft der Polizei und den Politikern vor, dass sie viele Ausländer nach Grossbritannien einreisen liessen und sich besser um die Ausländer kümmerten als um die eigenen Leute.

Ausschreitungen gegen die Polizei in Southhampton

Box aufklappen Box zuklappen

Auch in Southhampton kam es erneut zu Protesten. Diese richteten sich gegen die örtliche Polizei, der ein folgendschwerer Fehler vorgeworfen wird. Es geht um den Fall Henry Nowak. Der Student starb, nachdem ihn die Polizei nach einer Messerstecherei als Täter festgenommen hatte. Nowak war aber das Opfer. Der eigentliche Täter, ein Anhgehöriger der Religionsgemeinschaft der Sikh, ist mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

«Explizit zu Gewalt ruft dieser Aktivist nicht auf – das übernimmt sein Megafon Elon Musk. Dieser gibt seine Posts wieder und schreibt dazu ‹Fight back›», sagt der Korrespondent. Wie die Leiterin der nordirischen Labour-Partei, Claire Hanna, gegenüber der BBC sagte, kursierten im Netz auch Namen von Strassen, in denen Menschen ethnischer Minderheiten leben. Die Polizei bestätigt dies und sagt, damit seien diese Menschen zu Zielscheiben geworden. Die Polizei geht entschieden dagegen vor.

Das Königreich in einer Krise

Die Ereignisse reihen sich in eine Serie von Unruhen ein, die die Region seit der Messerattacke in Belfast und den darauffolgenden Protesten beschäftigen. Politische und polizeiliche Stellen rufen weiterhin zur Deeskalation auf und betonen die Notwendigkeit, weitere Gewalt zu verhindern.

«Grossbritannien steckt wirtschaftlich in einer grossen Krise. Die Wirtschaft stagniert seit zehn Jahren», sagt Gerber zu der gesellschaftlichen Entwicklung. «Die Lebensmittel und die Mieten werden teurer und die Löhne halten nicht Schritt damit.» Dies führe zu einer Stimmung, die sehr schnell aufgeheizt werden könne. Gleichzeitig verzeichne das Land eine starke Zunahme von zuwandernden Arbeitskräften im Gesundheitswesen, im Gastgewerbe oder in der Landwirtschaft. «Auch Flüchtlinge und Asylsuchende kommen in einer beachtlichen Anzahl ins Land», sagt Gerber. Diesen gegenüber fühlten sich viele Einheimische benachteiligt und unterprivilegiert, weshalb es einfach sei, sie zu Krawallen anzustiften.

Wählen Sie SRF als Ihre bevorzugte Quelle bei Google

Box aufklappen Box zuklappen

Schneller das sehen, was für Sie relevant ist: Mit wenigen Klicks können Sie bei der Google-Suche Ihre bevorzugten Nachrichtenquellen hinterlegen. So auch SRF.

Über diesen Link gelangen Sie zu den Quelleneinstellungen in Ihrem Google-Konto, wo SRF zur Auswahl bereit steht. Klicken Sie das Kästchen an – nun wird die Zusammenstellung der Nachrichtenquellen personalisiert. Sie sehen häufiger Inhalte von SRF in den Ergebnissen.

SRF 4 Nachrichten, 11.06.2026, 2 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel