- In Nordirland ist es nach den jüngsten Ausschreitungen erneut zu Spannungen gekommen.
- Im Visier der Krawallmacher standen Menschen mit Migrationshintergrund, die teils unter Polizeischutz aus ihren Häusern gerettet werden mussten.
- Auch ausserhalb der Hauptstadtregion Nordirlands kam es zu weiteren Ansammlungen, insgesamt verlief der Abend jedoch ruhiger als am Vortag.
Dutzende vermummte Randalierer errichteten in Belfast Barrikaden und setzten Fahrzeuge in Brand. Die Polizei wurde mit Steinen und Molotow-Cocktails beworfen. Die Beamten brachten Wasserwerfer zum Einsatz, um die Krawallmacher in Schach zu halten. Zwölf Polizistinnen und Polizisten wurden verletzt. Die Polizei hat 16 Beteiligte festgenommen.
Maskierte seien von Haus zu Haus gezogen und hätten Migrantinnen und Migranten bedroht, so SRF-Korrespondent Michael Gerber.
«Die Ermittlungen gegen die Maskierten laufen auf Hochtouren, sie sind allerdings kompliziert», sagt Michael Gerber. «Auf den Bildern sieht man viele junge, maskierte, schwarz gekleidete Männer. Sie sind gewaltbereit und wurden über die Sozialen Medien angestachelt», so Gerber.
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Bild 1 von 6. Während der Ausschreitungen in Belfast kam es zu mehreren Bränden. Bildquelle: AP/ Peter Morrison.
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Bild 2 von 6. Die Protestierenden waren teilweise vermummt. Bildquelle: AP/ Peter Morrison.
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Bild 3 von 6. Auch Busse wurden durch Feuer zerstört. Bildquelle: AP/ Peter Morrison.
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Bild 4 von 6. Gebäude wie dieser kleine Supermarkt sind abgebrannt. Bildquelle: AP/ Peter Morrison.
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Bild 5 von 6. Die Ausschreitungen waren weitgehend auf den Stadtteil Newtownabbey im Nordwesten von Belfast beschränkt. Bildquelle: AP/Peter Morrison.
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Bild 6 von 6. Krawalle wurden im Vorfeld befürchtet, trotz Appellen zur Zurückhaltung seitens Polizei und Politik. Bildquelle: AP/ Peter Morrison.
Nordirlands zuständiger Minister, Hilary Benn, verurteilte die Vorfälle als «rassistische Gewalttaten».
Plattform X als Verstärker
Ein bekannter Anführer in der Szene sei ein rechtsextremer Aktivist, der in den Sozialen Medien über zwei Millionen Follower habe. «Er hat dazu aufgerufen, sich um sieben Uhr abends zu versammeln und die Sache selbst in die Hand zu nehmen.» Er wirft der Polizei und den Politikern vor, dass sie viele Ausländer nach Grossbritannien einreisen liessen und sich besser um die Ausländer kümmerten als um die eigenen Leute.
«Explizit zu Gewalt ruft dieser Aktivist nicht auf – das übernimmt sein Megafon Elon Musk. Dieser gibt seine Posts wieder und schreibt dazu ‹Fight back›», sagt der Korrespondent. Wie die Leiterin der nordirischen Labour-Partei, Claire Hanna, gegenüber der BBC sagte, kursierten im Netz auch Namen von Strassen, in denen Menschen ethnischer Minderheiten leben. Die Polizei bestätigt dies und sagt, damit seien diese Menschen zu Zielscheiben geworden. Die Polizei geht entschieden dagegen vor.
Das Königreich in einer Krise
Die Ereignisse reihen sich in eine Serie von Unruhen ein, die die Region seit der Messerattacke in Belfast und den darauffolgenden Protesten beschäftigen. Politische und polizeiliche Stellen rufen weiterhin zur Deeskalation auf und betonen die Notwendigkeit, weitere Gewalt zu verhindern.
«Grossbritannien steckt wirtschaftlich in einer grossen Krise. Die Wirtschaft stagniert seit zehn Jahren», sagt Gerber zu der gesellschaftlichen Entwicklung. «Die Lebensmittel und die Mieten werden teurer und die Löhne halten nicht Schritt damit.» Dies führe zu einer Stimmung, die sehr schnell aufgeheizt werden könne. Gleichzeitig verzeichne das Land eine starke Zunahme von zuwandernden Arbeitskräften im Gesundheitswesen, im Gastgewerbe oder in der Landwirtschaft. «Auch Flüchtlinge und Asylsuchende kommen in einer beachtlichen Anzahl ins Land», sagt Gerber. Diesen gegenüber fühlten sich viele Einheimische benachteiligt und unterprivilegiert, weshalb es einfach sei, sie zu Krawallen anzustiften.