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International Nordkorea provoziert mit Test einer Langstrecken-Rakete

Einen Monat nach dem letzten Atomtest hat Nordkorea nach Angaben der südkoreanischen Armee eine Langstreckenrakete gestartet. Nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien handelte es sich um eine Weltraumrakete. Die internationalen Reaktionen auf den Abschuss blieben nicht aus.

Legende: Video Nordkorea testet Langstreckenrakete abspielen. Laufzeit 02:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.02.2016.

Trotz internationaler Warnungen hat Nordkorea nach südkoreanischen Angaben eine Langstreckenrakete abgefeuert. Der Raketenstart erfolgte nur einen Monat nach einem neuen nordkoreanischen Atomtest, der weltweit verurteilt worden war.

Nordkorea seinerseits sprach von einem erfolgreich verlaufenen Start einer Weltraumrakete. Die Trägerrakete habe einen Satelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht, berichteten nordkoreanische Staatsmedien am Sonntag unter Berufung auf die nationale Raumfahrtbehörde. Südkorea, die USA und Japan hatten den Start als verschleierten Test einer militärischen Langstreckenrakete verurteilt.

SRF-Korrespondent Thomas Stalder sagt, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un wolle seinem Volk mit dem Raketentest Stärke demonstrieren und zeigen, dass «sein Land politisch und technisch eine Rolle spielt.»

UNO-Sicherheitsrat eingeschaltet

Südkoreas Regierung habe nach dem nordkoreanischen Raketentest eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats beantragt, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Japan seinerseits verurteilte den Raketentest. Der Abschuss sei eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit der Welt, sagte ein Regierungssprecher in Tokio.

Man werde beim Regime in Pjöngjang vehement protestieren. Ministerpräsident Shinzo Abe übte ebenfalls scharfe Kritik und sprach von einem Verstoss gegen UNO-Resolutionen. Japan habe jedoch nichts unternommen, um die Rakete abzufangen, hiess es von Seiten des Verteidigungsministeriums in Tokio. Japan unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea.

Die USA verurteilten den Raketenstart als «destabilisierend, provokativ und flagrante Verletzung» zahlreicher UNO-Resolutionen. «Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, zusammenzustehen und Nordkorea zu demonstrieren, dass seine rücksichtslosen Aktionen ernste Konsequenzen haben müssen», hiess es in der schriftlichen Mitteilung weiter.

Verschärfung der Sanktionen?

Pjöngjang hatte den Raketenstart vorverlegt, denn ursprünglich war von einem Startfenster zwischen dem 8. und 25. Februar die Rede gewesen. Nordkorea hatte zuletzt Ende 2012 eine Weltraumrakete gestartet. Der Start wurde damals weltweit verurteilt.

Legende: Video Korrespondent Thomas Stalder zu Kim Jong Un abspielen. Laufzeit 00:26 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 07.02.2016.

Nach dem vierten Atomtest Nordkoreas am 6. Januar dieses Jahres nahm der UNO-Sicherheitsrat Diskussionen über schärfere Sanktionen gegen das kommunistische Regime auf.

Laut SRF-Korrespondent Stalder herrscht denn auch Einigkeit unter den Nachbarländern Nordkoreas und den USA, dass neue Sanktionen erhoben werden müssten, weil die Region durch den Raketen sowie den Atomtest vor einem Monat unsicherer geworden sei. «Es ist für die Länder aber gleichzeitig eine Möglichkeit, ihre militärische Präsenz in der Region zu verstärken.»

UNO-Sondersitzung

Die UNO hat den Start der Rakete verurteilt und noch für heute Sonntag eine Sondersitzung des Sicherheitsrats in New York einberufen. Nordkorea verletze mit seinem Vorgehen bestehende Resolutionen des Sicherheitsrats und der Raketenstart sei «äusserst bedauerlich», erklärte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon – selber Südkoreaner.

Abwehrsystem für Südkorea?

Wegen der Bedrohung durch den nördlichen Nachbarn erwägt Südkorea, ein Raketenabwehrsystem zu installieren. Ein Vertreter des Verteidigungsministeriums erklärte, man werde mit den USA darüber verhandeln. Das US-Militär hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach betont, Südkorea benötigte das Abwehrsystem Thaad der USA, um sich zu schützen.

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Die USA und ihre Vasallen sind leider mehrfach diskreditiert, irgend etwas gegen einen Diktator oder ein Land sagen zu können. Sie haben bewiesen, welche brutale Absichten sich hinter ihren Aussagen, welche auch Lügen sein können, verberben können. Nur die Uno, wobei auch Russland und China eine gewichtige Stimme haben, kann hier als "neutrales" Gremium einigermassen sachlich urteilen.
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  • Kommentar von Nikolas Wirz (Libertär)
    Die Pro-Nordkoreanische Haltung vieler Kommentatoren schockiert mich. Wenn ein machthungriger Diktator seine eigene Bevölkerung aushungert und in KZs abschlachtet, dann haben wir nicht nur das Recht, sondern die Pflicht etwas zu tun. Ich frage mich manchmal ob all diese US-Hasser und Pazifisten noch genauso denken würden, hätten sie den Horror in vielen Orten der Welt selbst erlebt. In Ruanda hätte ein ganzer Völkermord nur durch gezielte Angriffe auf ein paar Radiotürme verhindert werden können
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Der Völkermord in Ruanda wurde durch französische Soldaten mitverursacht. Wo war die Empörung der "Guten"? Leider haben die USA jegliche Legitimation verloren, die Verbrechen eines Landes und der Gefahren, welche davon ausgehen, zu verurteilen. Sie sind selbst zum grössten Verbrecher und zur grössten Gefahr geworden. "Rücksichtslose Aktionen" können die USA nun mal wirklich niemanden ausser zuerst mal sich selbst vorwerfen. Es ist natürlich, dass solche Aussagen der USA nicht akzeptiert werden.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      P.S.: Kein US-Hass, das macht blind. Einfach nur Fakten: Irak, Libyien, Afghanisten, Folter, Geheimgefängnisse, Drohnenmorde, Regierungsumstürze, false-flag-Operationen (Operation Northwood, 9/11 u.a.), Unterstützung des IS und anderer Terroristen. Die Liste ist extrem lang. Siehe u.a.: "There Is No Freedom Without Truth — Paul Craig Roberts" Darum geht es: Kein Frieden ohne Wahrheit. Die USA haben jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Zuerst müssen sie mit ihren Lügen aufräumen.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Wetten, dass der berühmt-berüchtigte Rote Knopf dereinst in Nordkorea gedrückt wird. Dann Gnade !
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