Nordkorea will Wasserstoffbombe getestet haben

Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen weiteren Atomtest durchgeführt. Es habe sich um den Test einer Wasserstoffbombe gehandelt, berichtete das nordkoreanische Staatsfernsehen. Ob die Aussagen stimmen, ist umstritten.

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Nordkorea testet Wasserstoffbombe

1:46 min, aus Tagesschau am Mittag vom 6.1.2016
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Stärker als eine Atombombe

Was der Unterschied zwischen Atom- und Wasserstoffbombe ist und wie letztere funktioniert, lesen Sie hier.

Das weithin isolierte Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoffbombe getestet. Der Test sei am Mittwochvormittag (Ortszeit) erfolgreich verlaufen, meldete das staatliche nordkoreanische Fernsehen.

Waffentechnischer Sprung für Nordkorea?

«Wir sind jetzt eine Atommacht, die ebenfalls eine Wasserstoffbombe hat», hiess es in der gesendeten Erklärung. Es habe sich um eine «strategische Entscheidung» unter Leitung des Staatsführers Kim Jong Un gehandelt.

Ob die Angaben Nordkoreas stimmen, ist umstritten. Sollten sie sich aber bewahrheiten, hätte die Atomwaffenentwicklung des Landes eine neue Dimension erreicht. Ein leichtes Erdbeben in der Nähe des Atomtestgeländes in Kilju im Nordosten des Landes hatte im Ausland sofort Spekulationen um einen neuen Atomtest ausgelöst. Der Erdstoss erreichte eine Stärke zwischen 4,9 und 5,2 auf der Richter-Skala.

Zwischen 2006 und 2013 hatte Nordkorea drei herkömmliche Atomtests unternommen, auf die der UNO-Sicherheitsrat jeweils mit neuen Strafmassnahmen reagiert hatte.

Südkorea und Japan reagieren scharf

Auch dieses Mal fielen die internationalen Reaktionen heftig aus: Südkorea und Japan verurteilten den angeblichen Test aufs Schärfste. Dem kommunistischen Regime in Pjöngjang droht eine weitere Verschärfung der internationalen Sanktionen.

Südkoreas Vize-Aussenminiser Ling Sum Nam erklärte, Nordkoreas Atomtest sei eine Provokation und eine klare Verletzung von UNO-Resolutionen. Und Präsidentin Park Geun Hye doppelte nach: Ihre Regierung werde sicherstellen, dass Nordkorea einen entsprechenden Preis für seinen Atomtest zahlen müsse. Südkorea werde dabei eng mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten.

Auch China kritisierte den neuen nordkoreanischen Atomtest deutlich. Die Sprecherin des Aussenministeriumsforderte Nordkorea auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und seine Atomwaffen aufzugeben.

Auch USA und Grossbritannien besorgt

Die USA verurteilten die Verletzung von UNO-Resolutionen durch das Regime in Nordkorea, falls die Aussagen denn stimmten. Die USA prüften nun die Angaben des Landes, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA. Derzeit könnten die USA diese nicht bestätigen.

Der britische Aussenminister Philip Hammond verurteilte die nordkoreanische Provokation via Twitter. Sollte der Test tatsächlich stattgefunden haben, so verstosse er ganz klar gegen UNO-Resolutionen.

Tweet Philip Hammond

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen werde sich noch an diesem Mittwoch mit dem mutmasslichen Atomtest befassen, berichtete der Fernsehsender CNN. Japan und die USA hätten die Sitzung beantragt.

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Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Schlechte Stimmung zwischen Nord- und Südkorea

    Aus Tagesschau vom 21.8.2015

    Es wird wieder gezündelt im Nachbarschafts-Konflikt zwischen Nord- und Südkorea. Gestern hat Nordkorea ein Ziel im benachbarten Südkorea beschossen und zwar Lautsprecher, die anti-nordkoreanische Propaganda verbreiten. Südkorea reagierte prompt mit Artillerie-Geschossen im Grenzgebiet nach Nord-Korea.