Nordkoreas Atomprogramm: Was bisher bekannt ist

Bereits zum vierten Mal testet Nordkorea unterirdisch Kernwaffen, im aktuellen Fall eine Wasserstoffbombe. Über die Tests ist nur wenig bekannt. Dem Ausland bleiben nur wenig Möglichkeiten, um die Stärke der Waffen einzuschätzen

Wolke einer Wasserstoffbombe am Abendhimmel Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Enorme Zerstörungskraft: Die erste US-Wasserstoffbombe war 700-mal so stark wie die Hiroshima-Atombombe. Keystone

Am Mittwoch hat Nordkorea nach eigenen Angaben erstmals und erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet. Stimmen die Angaben, erreicht die Atomwaffenentwicklung der Militärdiktatur einen neuen Höhepunkt. Das Programm beunruhigt die internationale Gemeinschaft seit vielen Jahren. Ein Überblick:

  • Februar 2005: Das Regime in Pjöngjang bekennt sich erstmals offiziell zum Besitz von Atomwaffen.
  • Oktober 2006: Nordkorea führt seinen ersten unterirdischen Atomtest durch. Südkoreas Regierung vergleicht die Sprengkraft der ersten Explosion mit der von weniger als einer Tonne TNT. Das damals ausgelöste Erdbeben der Stärke 4,2 dient dabei als wichtiger Indikator: Da Nordkorea vom Ausland abgeschottet ist, kann auf die Stärke nordkoreanischer Kernwaffen nur über die Heftigkeit der Detonation bei Tests geschlossen werden. Die Vereinten Nationen verhängen nach dem ersten Test Sanktionen, die dann nach weiteren Atomtests verschärft werden.
  • Mai 2009: Nordkorea unternimmt einen zweiten Atomtest. Südkorea schätzt die Kraft diesmal auf zwischen zwei und sechs Kilotonnen TNT ein.
  • Februar 2013: Der dritte Atomtest des Landes hat laut Angaben von Südkoreas Verteidigungsministerium eine Sprengkraft von sechs bis sieben Kilotonnen. Zu einem ganz anderen Schluss kommt die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Sie errechnet eine Ladungsstärke von gar 40 Kilotonnen. Zum Vergleich: Die Atombombe, die 1945 über Hiroshima gezündet wurde, hatte eine Sprengkraft von rund 13 Kilotonnen.
  • Januar 2016: Nordkorea testet offenbar erstmals eine Wasserstoffbombe. Diese ist üblicherweise um ein Vielfaches stärker als Atombomben. So war etwa die im November 1952 gezündete erste US-Wasserstoffbombe mit zehn Megatonnen rund 700-mal so stark wie die Atombombe von Hiroshima. Die Sowjetunion zündete 1961 eine 58-Megatonnen-Wasserstoffbombe.

«Das Atomprogramm ist quasi die Rückendeckung für das Regmie»

SRF-Diplomatie-Korrespondent Fredy Gsteiger zum Umgang mit Nordkorea.

Warum ist die Weltgemeinschaft eigentlich so ohnmächtig gegenüber Nordkorea?

Es ist so, dass die Einflussmöglichkeiten der Weltgemeinschaft in Nordkorea extrem begrenzt sind. Man hat ja vieles versucht, man hat jahrelang verhandelt, man hat immer wieder die Sanktionen verschärft. Das Ziel, Nordkorea von seinem Atomprogramm abzubringen, wurde verfehlt. Nun könnte man noch schärfere Sanktionen ins Auge fassen, darunter würde aber hauptsächlich die Bevölkerung leiden. Es könnten Hungersnöte ausbrechen oder man könnte Krieg führen gegen Nordkorea. Aber auch das ist keine ernsthafte Option, denn ein Krieg gegen Nordkorea würde enorm viele Opfer fordern, wäre enorm riskant und der Ausgang wäre ungewiss.


Warum ist eine Lösung wie mit Iran mit Nordkorea nicht denkbar?

Es gibt einen grundsätzlichen Unterschied. Iran lancierte ja sein Atomprogramm aus einem Gefühl der Stärke. Es wollte noch stärker werden. Nordkorea startete mit dem Programm aus einem Gefühl der Schwäche. Das Atomprogramm ist sozusagen die Rückversicherung für das Überleben des Regimes. Das heisst, der Iran hatte viel zu verlieren, wirtschaftlich und politisch. Der Iran wollte ja nicht eine völlig isolierte Nation sein, und deswegen war der Iran druckempfindlich. Nordkorea hat praktisch nichts zu verlieren, die Wirtschaft ist am Boden und das Land ist total isoliert. Es ist druckunempfindlich.


Dadurch wird ein Regime extrem unberechenbar.

Das Regime im Pjöngjang ist wohl das unberechenbarste weltweit. Machthaber, die in der Vergangenheit schon bewiesen haben, dass sie mutwillig Millionen von Menschen verhungern lassen, dürften auch sehr weit gehen, wenn es um ihr eigenes Überleben, um ihr Verbleiben an der Macht geht.


Hat die Staatengemeinschaft denn nun noch eine Möglichkeit, auf diesen Bombentest zu reagieren?

Es gibt nichts, das wirklich Eindruck machen würde. Man wird im Sicherheitsrat scharf protestieren, die UNO-Atombehörde IAEA hat dies bereits getan. Man wird vielleicht die Sanktionsschraube noch mal etwas anziehen. Und man wird China, das am ehesten noch Einfluss auf das Regime in Pjöngjang hat, drängen, seinen Einfluss geltend zu machen, aber letztlich wird die Weltgemeinschaft gegenüber Nordkorea einmal mehr ein Bild der Hilfslosigkeit abgeben.