- Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre und sieben Monate Haft im Prozess gegen den Sohn der Kronprinzessin, Marius Høiby.
- Die Zeit, die Høiby bereits in der Untersuchungshaft verbracht hat, soll von der Haftstrafe abgezogen werden.
- Ausserdem verlangte die Anklage ein zweijähriges Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin.
Staatsanwalt Sturla Henriksbø forderte, Mette-Marits Sohn in 39 von 40 Anklagepunkten zu verurteilen. Lediglich für einen Verstoss gegen ein Kontaktverbot solle Høiby freigesprochen werden. In diesem Fall soll er seine Ex-Freundin, trotz des Verbots, versehentlich angerufen haben.
Vergewaltigung, Gewalt, Raserei: 40 Anklagepunkte
Mette-Marits Sohn ist unter anderem in vier Fällen von Vergewaltigung nach norwegischem Recht angeklagt. In drei Fällen soll er Frauen im Genitalbereich berührt haben. In einem Fall soll es zur Penetration mit dem Penis gekommen sein. Während der mutmasslichen Taten sollen die Frauen geschlafen beziehungsweise ein Blackout gehabt haben.
Høiby soll sie dabei gefilmt haben. Foto- und Videoaufnahmen auf den Handys des Norwegers spielten im Prozess deshalb eine wichtige Rolle. Mit drei der Frauen soll der Angeklagte vor den mutmasslichen Taten länger freiwilligen Sex gehabt haben – das sollte sich strafmildernd auswirken, sagte Staatsanwalt Henriksbø.
Verantworten muss sich der 29-Jährige auch wegen zahlreicher Fälle häuslicher Gewalt gegen zwei Ex-Freundinnen. Ein Vorfall in der Wohnung einer der beiden hatte die Ermittlungen gegen den norwegischen «Bonus-Prinzen» ins Rollen gebracht. Dort soll Høiby seine damalige Freundin unter anderem gewürgt, einen Kronleuchter von der Wand gerissen und darauf herumgetrampelt sowie ein Messer in die Wand geworfen haben.
Die Beziehung der beiden war laut Anklage von Høibys «Aggressionsproblem» geprägt: Vor allem im Rausch habe der Norweger die Beherrschung verloren, sei eifersüchtig gewesen und gewalttätig geworden.
Während der Ermittlungen hatten die beiden den Kontakt wieder aufgenommen und sich vor Prozessbeginn fast täglich gesehen oder gesprochen. Auch deshalb soll Høiby ein ihm auferlegtes Kontaktverbot regelmässig gebrochen haben.
Anklage: Frauen sind glaubwürdiger als Høiby
Neben den Sexual- und Gewalttaten werden dem Sohn der Kronprinzessin einige weniger schwere Vergehen vorgeworfen. Er soll etwa zu schnell gefahren sein und Polizisten den Stinkefinger gezeigt haben. Für einen Dealer soll er mindestens 3.5 Kilo Marihuana transportiert haben. Während er einige der Taten zugibt, bestreitet Høiby unter anderem die Vergewaltigungen.
Staatsanwalt Sturla Henriksbø hatte den mutmasslichen Opfern in seinem Plädoyer eine grössere Glaubwürdigkeit zugesprochen als Høiby. Dieser hatte während des sechs Wochen andauernden Prozesses häufig angegeben, sich nicht genau erinnern zu können.
Urteil in einigen Monaten
Während der Sohn der norwegischen Kronprinzessin sich am vergangenen Freitag selbst als «Monster» in der öffentlichen Wahrnehmung und «Hassobjekt von ganz Norwegen» bezeichnet hatte, hatte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer klargestellt, dass Høiby ein Mensch wie jeder andere sei und nicht dafür bestraft werden solle, wer er sei, sondern was er getan habe.
In einigen Monaten wird das Urteil gegen Marius Høiby erwartet.