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Notfalls Penaltyschiessen In Japan gibt es keine Fussball-Unentschieden mehr

In der aktuellen Saison gibt es in jedem Fall einen Sieger – wie im Eishockey. Damit verfolgt der japanische Fussballverband mehrere Ziele.

Darum geht es: Japan experimentiert derzeit mit einer kleinen Revolution im Fussball. Seit Anfang Februar gibt es bei Spielen in der höchsten japanischen Liga immer einen Sieger. Wenn es nach 90 Spielminuten also unentschieden steht, geht es direkt ins Penaltyschiessen. Der Sieger erhält dann zwei Punkte, der Verlierer einen – so wie es im Eishockey bereits seit längerem praktiziert wird.

Ein Versuch: Das Experiment heisst «Der 100-jährige Wettbewerb der Japanliga». Es läuft in der aktuellen, verkürzten Saison – die nur 18 Spieltage umfasst. Denn weil Japans Liga im Sommer zum europäischen Kalendersystem wechselt, fängt die Fussballsaison künftig auch in Japan im August an – nicht mehr wie bisher im Februar.

Die Gründe für neuen Saisonstart

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Künftig startet also auch in Japan die Fussballsaison im August. Begründet wird dies vom Fussballverband mit der Sommerhitze, die in den letzten Jahren immer schlimmer geworden ist. Zudem will man sich dem internationalen Rhythmus angleichen. Das erleichtert die Spielertransfers. Und davon wiederum erhofft man sich höhere Transferzahlungen für japanische Spieler, die ins Ausland wechseln.

Vorbereitung auf WM: Das Experiment hat offenbar auch mit der im Sommer anstehenden Fussball-Weltmeisterschaft in Amerika zu tun. Denn in der Vergangenheit ist Japan oft im Penaltyschiessen gescheitert. Und so zwingt die aktuelle japanische Fussballsaison die Profis quasi dazu, vermehrt Penaltys zu üben. Schliesslich will man endlich einmal an einer WM in den Viertelfinal einziehen. Das hat Japan noch nie geschafft.

Die ersten Erfahrungen: Bislang gab es in Japan drei Spieltage mit 30 Spielen ohne Unentschieden. An den ersten beiden Tagen gab es nach der regulären Spielzeit in der Hälfte der Matches ein Unentschieden. Doch schon in der dritten Runde standen nur noch zwei von zehn Spiele nach 90 Minuten unentschieden. «Man muss nun abwarten, wie die Bilanz nach allen 18 Spieltagen aussehen wird», sagt der in Tokio lebende Journalist Martin Fritz.

Weniger Prämie bei Penalty-Sieg

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Wenn eine Mannschaft während des «100-jährigen Wettbewerbs der Japanliga» innerhalb der regulären 90 Spielminuten siegt, erhält sie umgerechnet 30’000 Franken Siegesprämie. Gewinnt sie erst im Penaltyschiessen, gibt es nur 20’000 Franken. Damit sollen die Teams einen weiteren Anreiz haben, in den 90 Spielminuten auf Sieg zu spielen.

Neue Anreize, anderes Spiel: Weil die reguläre Siegermannschaft nach 90 Minuten mehr Geld und auch drei Punkte erhält, ist der Druck auf Mannschaft und Trainer höher, das Spiel vor dem Penaltyschiessen zu gewinnen. Andererseits gibt’s einen Punkt bei unentschieden nach 90 Minuten. «Deshalb will man womöglich ein spätes Gegentor verhindern», sagt Martin Fritz. «Es kann in beide Richtungen gehen: All in zum Sieg – oder mehr Vorsicht in der Schlussphase.»

Das sagen die Fans: Die Reaktionen der Fussballfans in Japan sind unterschiedlich. Laut Fritz sind zwei Tendenzen auszumachen: Viele feiern den Nervenkitzel, weil jetzt jedes Spiel endgültig entschieden wird. Andere finden die neue Häufigkeit von Penaltyschiessen übertrieben. Auch weil diese eher einer Lotterie gleichen. «Auch die Fans müssen sich also zuerst an das Experiment gewöhnen», betont Fritz.

SRF 4 News aktuell, 24.2.2026, 6:25 Uhr ; 

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