Obama stärkt den Mittelstand in den USA

Die Obama-Regierung weitet die Pflicht für Arbeitgeber aus, Überstunden zu kompensieren. Damit sollen vier Millionen Angestellte neu Anrecht auf Bezahlung haben, wenn sie mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Bauarbeiter in den USA Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gratisarbeit soll in den USA seltener werden. Keystone

In den USA werden bis anhin längst nicht alle Überstunden bezahlt. Die Detailhandelsangestellte zum Beispiel, die 60 Stunden pro Woche den Laden führt, oder der Automechaniker, der 50 Stunden lang Autos repariert, sie beide erhielten bisher kein Geld für ihre Überzeit, sofern ihr Jahreslohn höher lag als rund 23'000 Franken. Nur jenen, die weniger verdienten, mussten Firmen geleistete Überstunden bezahlen. Alle anderen arbeiteten ab der 41. Stunde ohne Bezahlung.

Die Obama-Regierung hat diese Schwelle nun verdoppelt auf rund 47'000 Franken. Von dieser Massnahme sollen vier Millionen Menschen profitieren.

Arbeitgeberverbände sind gegen mehr Kompensation

Damit solle der amerikanische Mittelstand gestärkt werden, erklärt Arbeitsminister Tom Perez auf National Public Radio:«Die existenzielle Angst, die die Menschen in diesem Land verspüren, stammt davon, dass sie hart arbeiten und immer weiter zurückfallen.» Statistiken zeigen, dass der Mittelstand in den USA schrumpft, immer mehr Menschen rutschen in die Armut ab oder steigen zu den Reichen auf.

Das Medianeinkommen ist in den letzten Jahren um 8 Prozent gesunken. Um diesen Trend zu stoppen wollte die Obama-Regierung den Mindestlohn anheben, doch das Anliegen scheiterte im Kongress. Die Schwelle für die Überzeitkompensation kann das Arbeitsministerium aber alleine bestimmen. Arbeitgeberverbände kritisieren den Schritt und warnen, dass Mittelstands-Jobs verschwinden werden.