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Aborigines dürfen in Australien nicht als Fremde bezeichnet werden
Aus HeuteMorgen vom 11.02.2020.
abspielen. Laufzeit 02:34 Minuten.
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Oberstes Gericht in Australien Aborigines werden vor Ausschaffung geschützt

  • Das höchste Gericht Australiens hat die Rechte der Aborigines gestärkt.
  • Die Ureinwohner hätten einen besonderen Status, egal, wo sie geboren worden seien, entschied das Gericht.
  • Damit können Aborigines nicht mehr als Fremde eingestuft werden. Das schränkt das Innenministerium bei Ausschaffungen ein.

Beim Prozess in der Hauptstadt Canberra ging es um zwei Fälle: um verurteilte Kriminelle, die in Papua-Neuguinea und Neuseeland geboren wurden und ausgeschafft werden sollten. Beide haben einen australischen Elternteil und identifizieren sich als Aborigines.

Mit dem Entscheid wurde Geschichte geschrieben.
Autor: Urs WälterlinSRF-Mitarbeiter in Canberra

«Mit diesem Entscheid wurde Geschichte geschrieben», sagt Urs Wälterin, der in der Nähe von Canberra lebt. «Es ist eine Rückenstärkung des indigenen Australiens, ein Schritt hin zu mehr Fairness und Anerkennung. Aborigines sind damit praktisch vom Immigrationsrecht ausgeschlossen», erläutert der SRF-Mitarbeiter.

Aborigine-Mädchen
Legende: In Australien gibt es noch rund 700'000 Ureinwohner. Ihnen geht es aus verschiedensten Gründen schlechter als den rund 24 Millionen anderen Australiern. Keystone

Doch das Urteil war nicht unumstritten: Es fiel mit vier zu drei Stimmen. Beim Fall des in Papua-Neuguinea geborenen Mannes steht zudem noch aus, ob seine Gemeinde ihn als Aborigine akzeptiert. «Da ist noch eine weitere Anhörung erforderlich», so Wälterlin.

Die Aborigines leben bereits seit mehr als 60'000 Jahren auf dem Kontinent, waren dort also lange vor den britischen Siedlern; diese kamen 1788. Die Tatsache, dass Australien bereits vor 1788 bewohnt gewesen war, hat die australische Justiz 1992 anerkannt.

Oftmals benachteiligt und diskriminiert

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Aborigines
Legende:Reuters

230 Jahre nach Ankunft der Briten gehören die Aborigines noch immer zu den am stärksten benachteiligten Gruppen Australiens. Zwar sind manche Ureinwohner ganz normal im Arbeitsleben integriert – meist leben diese aber in den grösseren Städten Australiens.

Anders sieht es in den ländlichen Gebieten des fünften Kontinents aus – wie etwa im isolierten Osten des australischen Nordterritoriums. Hier gibt es nur wenige Arbeitsplätze, die von den weissen Arbeitgebern meist an Weisse vergeben werden.

Viele Aborigines leiden unter dem mangelnden Verständnis der weissen Bevölkerungsmehrheit und unter Rassismus. Ausserdem tut die derzeitige konservative Regierung nichts, um das Schicksal und die Lebensumstände der Aborigines zu verbessern.

Für die Ureinwohner begann mit dem Kolonialismus eine lange Leidensgeschichte. Viele wurden getötet oder sie starben an eingeschleppten Krankheiten.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Die Fähigkeit der Kolonial- und Siedlermächte die Welt auf den Kopf zu stellen ist unglaublich. Von einer Anmassung sondergleichen. Ins gleiche Kapitel gehört, dass der Vatikan, die Kirche, die Christenmenschen mit Grausamkeiten und Aneignungen glänzten. Die Forderung an Papst Franziskus die menschenverachtenden päpstlichen Edikte/Bullen von 1452 und 1493 als abolutes Versagen der Christenwelt anprangert und für nichtig erklärt, sollte von grossem öffentlichem Druck begleitet werden.
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    1. Antwort von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
      Bravo. Eine sehr differenzierte und ausgewogene Geschichtsbetrachtung.
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    2. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      Wäre es nur möglich, Antigone! Der Vatikan hat allergrösste Mühe das von ihm in jüngster Vergangenheit gebilligte Unrecht (Stichwort Missbrauch...) einzugestehen, wie soll er dann erst seine Rolle im transatlantischen Sklavenhandel aus der Zeit von vor der Reformation aufarbeiten? Im Vatikan arbeiten Theologen, keine Juristen (obwohl letztere dringend nötig wären). So wie es jetzt aussieht, muss man bis zum jüngsten Gericht - so es denn überhaupt kommt - mit der Aufarbeitung warten.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Aborigines, bilden/sind die Urbevölkerung von Australien! Alle andern Menschen-Gattungen, sind zugewandert-geflohen! Also ist wohl klar, wer - wenn schon - aus dem Land verschwinden muss, nämlich, all diejenigen, welche sich nicht anpassen wollen! Das sollte weltweit so gehandhabt werden.
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    1. Antwort von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
      Es gibt nur eine Menschengattung! Alles andere ist Rassismus.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Für viele Siedler sind die Aborigines Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr wert als Tiere. Die Siedler töten die Männer, vergewaltigen die Frauen, nehmen das Land für sich in Anspruch. Dazu leiden die Aborigines an den von den Europäern eingeschleppten Krankheiten, gegen die sie keine Abwehrkräfte haben. Sie sterben reihenweise an Cholera, Grippe oder Pocken. Australien sollte alle tun jetzt im 21. Jh die Lebensbedingungen, und die Anerkennung der Aborigines zu verbessern. Gutmachung!
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