Österreich: Jeder ein potenzieller Organspender

In Österreich gilt die Widerspruchslösung: Organe können entnommen werden, wenn der Verstorbene nicht ausdrücklich das Gegenteil verfügt hat. Entsprechend werden dort doppelt soviele Organe verpflanzt wie in der Schweiz.

Vorarlberg, das österreichische Bundesland jenseits des Rheins, ist punkto Organspenden in ganz Österreich federführend. Vorarlberg verzeichnete im letzten Jahr mit rund 30 Organspendern pro eine Million Einwohner einen der höchsten Werte im Land.

Die meisten dieser Organentnahmen wurden am Landeskrankenhaus in Feldkirch vorgenommen. Für den dortigen Chefarzt Karl Lhotta ist die sogenannte Widerspruchslösung im Augenblick die «optimale Lösung». In Österreich herrsche allgemeiner Konsens, sagt er: Wer im Fall der Fälle seine Organe nicht spenden möchte, trägt sich dort in ein behördliches Widerspruchsregister ein.

Nur wenige lassen sich als Nicht-Spender registrieren

Aktuell sind 25'000 Menschen in diesem Register eingetragen. Das heisst, gerade einmal 0,25 Prozent der österreichischen Bevölkerung wollen ihre Organe explizit nicht spenden.

Die Widerspruchsregelung gilt in unserem östlichen Nachbarland seit jeher. Jeder Mann und jede Frau wird hier als potenzieller Organspender gesehen. Man muss also nicht wie in der Schweiz ausdrücklich Ja zur Spende sagen, sondern ausdrücklich Nein. Das erleichtere vieles, ist Chefarzt Lhotta überzeugt.

So etwa das Gespräch mit den Angehörigen eines Hirntoten. Diese würden in Österreich nicht gefragt, ob sie der Entnahme der Organe zustimmen; die Frage laute vielmehr, ob etwas Wesentliches gegen eine Entnahme spreche. «Das ist eine etwas andere Fragestellung», so Lhotta.

Chirurgen bei der Arbeit: Herztransplantation in Zürich. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Herztransplantation in Zürich: Auch in der Schweiz wird bald die Widerspruchslösung diskutiert. Keystone

Dass Hinterbliebene eine Organentnahme verweigern – in einem solchen Fall werden auch in Österreich keine Organe verpflanzt – komme nur gerade in 10 Prozent der Fälle vor, sagt Lhotta weiter. Und dennoch gebe es in Österreich noch immer zu wenige Organspender. Denn allein durch die gesetzliche Änderung von der Zustimmungs- zur Widerspruchslösung sei das Problem nicht gelöst.

Organisation ist alles

Die Krankenhäuser müssten sich auch gut organisieren. Man müsse daran denken, dass hirntote Patienten Organspender sein könnten. So hätte sein Krankenhaus in Feldkirch vor drei Jahren eine spezielle Stelle eines Transplantationsbeauftragten eingerichtet. Dieser sei für die Identifizierung von möglichen Spendern zuständig. «Seither hat die Zahl der Spender in Vorarlberg deutlich zugenommen», sagt Lhotta.

Das Bundesland habe damit das Ziel, welches sich Österreich mit 30 Organspendern pro eine Million Einwohner gesetzt habe, in den letzten Jahren stets erreicht.

In der Schweiz kommt ein politischer Vorstoss, der die Einführung der Widerspruchslösung auch hierzulande fordert, noch in diesem Jahr in die eidgenössischen Räte.

(snep)