Pakistan verschärft Gangart gegenüber Terroristen

Nach dem Massaker gibt es kein Pardon mehr: Künftig will Pakistan Terroristen wieder hinrichten lassen. Die Bevölkerung stehe grösstenteils hinter der Todesstrafe, sagt Philipp Kauppert, Leiter einer Stiftung in Islamabad. Aktionismus bringe aber im Kampf gegen den Terror nichts.

Gefangene in Pakistan. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seit 2012 hat der pakistanische Staat keine Hinrichtungen mehr durchgeführt. Keystone

Nach dem Massaker pakistanischer Talibankämpfer an einer vom Militär betriebenen Schule in Peshawar will die Regierung Terroristen künftig wieder hinrichten lassen. Premierminister Nawaz Sharif beschloss, für verurteilte Terroristen werde ein derzeit geltendes Moratorium auf die Todesstrafe aufgehoben. Er schloss zugleich künftige Verhandlungen mit den pakistanischen Taliban (TTP) aus und kündigte an, weiter militärisch gegen die Extremisten vorzugehen.

Talibankämpfer hatten am Dienstag eine Schule in der nordwestpakistanischen Provinzhauptstadt Peshawar gestürmt. Die Extremisten ermordeten 132 Kinder und Jugendliche sowie neun Mitarbeiter der Schule. Alle sieben Angreifer kamen bei achtstündigen Gefechten mit den Sicherheitskräften ums Leben. Der Angriff war der bislang schwerste der TTP und wurde international verurteilt.

Aktionismus statt längerfristige Strategie

Ein überwiegender Teil der pakistanischen Bevölkerung befürworte die Wiedereinführung der Todesstrafe, sagt Philipp Kaupert, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Islamabad. «Die Reaktion ist sehr emotional.» Aktionismus sei aber die falsche Antwort, um das Problem des Extremismus längerfristig zu bekämpfen. «Man muss die Ursachen der tiefen Verwurzelung des Terrors in der Gesellschaft anschauen.» Ob die Regierung dabei eine Strategie abseits von Militärschlägen und harter Bestrafung entwickle, bleibe abzuwarten.

Zumindest Dialogbereitschaft hatte Premier Scharif nach seinem Wahlsieg im vergangenen Jahr gezeigt und sich um Gespräche mit der TTP bemüht. «Der Gesprächsprozess begann, und das Ergebnis ist das, das vor ihnen liegt», sagte Sharif. «Diese Option offen zu halten, ist nach meinem Gefühl nicht mehr machbar.» Seine Regierung sei der Ansicht, dass die Armee weiterhin gegen die Extremisten vorgehen müsse.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Dreitägige Staatstrauer in Pakistan

    Aus Tagesschau vom 17.12.2014

    Im Gedenken an die über 140 Opfer begeht Pakistan eine dreitägige Staatstrauer. Einen Tag nach dem Anschlag islamistischer Taliban auf eine Schule in Peshawar fliegt die Luftwaffe zehn Angriffe an der Grenze zu Afghanistan.

  • Die Macht der Taliban

    Aus 10vor10 vom 16.12.2014

    In einer Schule der pakistanischen Stadt Peshawar haben mehrere Taliban-Kämpfer während fünf Stunden rund 500 Schüler und Lehrer als Geiseln genommen. Mehr als 130 Menschen wurden getötet. «10vor10» fragt angesichts des Abzugs westlicher Truppen, welche Macht die Taliban in Afghanistan und Pakistan heute ausüben.

  • Massaker an Schülerinnen und Schülern in Pakistan

    Aus Echo der Zeit vom 16.12.2014

    Die Taliban-Kämpfer hatten sich die Schule im Norden Pakistans gezielt ausgesucht: Sie wollten Kinder und Jugendliche töten - aus Rache.

    Am Ende der stundenlangen Gefechte mit der Polizei ist ihre Rechnung aufgegangen: Das Massaker in Peschawar forderte weit über 100 Opfer, darunter mehr als 80 Schulkinder.

    Karin Wenger