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Macht im Vatikan: Gänswein wird hierarchisch zurückgestuft
Aus SRF 4 News aktuell vom 06.02.2020.
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Papst beurlaubt Erzbischof «Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass es eine Degradierung war»

Papst Franziskus hat den Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt, Georg Gänswein, zurückgestuft. Gänswein hatte auch für Papst Franziskus eine wichtige Funktion inne, er war Präfekt des Päpstlichen Hauses. In diesem Amt war er für die Besuche und Audienzen von Papst Franziskus zuständig, er empfing Staatsoberhäupter und Politiker aus dem Ausland und koordinierte alle Besuche. Dass er nun dieser Funktion enthoben wurde, stehe in Zusammenhang mit einer Publikation des emeritierten Papstes, sagt SRF-Italien-Korrespondent Franco Battel.

Franco Battel

Franco Battel

Italien-Korrespondent, SRF

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Franco Battel ist seit Anfang 2015 SRF-Korrespondent in Rom. Davor war er als Auslandredaktor für Italien, Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein verantwortlich. Er berichtete zudem vom UNO-Sitz in Genf.

SRF News: Was steckt hinter der Absetzung von Gänswein als Präfekt?

Franco Battel: In Rom vermuten viele, dass es sich um eine Strafe handelt, eine Strafe dafür, dass der emeritierte Papst Benedikt und auch sein Privatsekretär Gänswein dem amtierenden Papst zu viel hereinreden.

Ausgerechnet in der heiklen Frage des Zölibats hat sich Benedikt eingemischt.

Ausgerechnet in der heiklen Frage des Zölibats, der Ehelosigkeit katholischer Priester, hat sich Benedikt eingemischt. Dagegen wehre sich Papst Franziskus nun, indem er Gänswein entmachtet. Der Vatikan selbst hat das allerdings nicht bestätigt. Im Vatikan heisst es, es sei eine ganz normale Umbesetzung, also Routine.

Und, ist es ein normaler Vorgang?

Genau weiss man es nicht. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass es eine Degradierung war. Man muss den Hintergrund kennen: Papst Franziskus denkt darüber nach, den Zölibat für römisch-katholische Priester ein klein wenig zu lockern. Im Januar erschien nun in Frankreich ein Buch, in dem der emeritierte Papst Benedikt zusammen mit einem sehr konservativen Kardinal aus Afrika mit deutlichen Worten zum Zölibat Stellung genommen hat. Beide wollen den Zölibat unter allen Umständen beibehalten. Klar ist, dass dabei auch Benedikts Privatsekretär Gänswein eine wichtige Rolle gespielt hat. Das soll dem amtierenden Papst missfallen haben. Das ist die wahrscheinlichste Lesart dieses Vorgangs.

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Aus dem Archiv: «Benedikt hat versprochen zu schweigen»
Aus SRF News vom 13.01.2020.
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Das erwähnte Buch, das der emeritierte Papst Benedikt mitverfasst hat, hat viel Kritik ausgelöst. Haben Benedikt und sein Privatsekretär auf diese Kritik reagiert?

Benedikt, der Co-Autor des Buches, hat seine Autorenschaft zurückgezogen und Gänswein sprach von einem Missverständnis. Die Aussagen zum Zölibat haben aber weder Gänswein noch der emeritierte Papst zurückgezogen. Mit anderen Worten: Dieser Rückzug hat nicht alle überzeugt.

Steht beim Thema Zölibat für die Kirche bald eine Entscheidung an?

Ja, im Herbst fand im Vatikan die sogenannte Amazonas-Synode statt. Dort sprachen Bischöfe und Kirchenleute aus aller Welt darüber, ob in der Amazonas-Region, wo akuter Priestermangel herrscht, ausnahmsweise auch Verheiratete Priester werden dürfen.

Eine klare Mehrheit der Bischöfe der Amazonas-Synode befürwortete diese begrenzte Lockerung des Zölibats.

Eine Mehrheit der damals in Rom versammelten Bischöfe befürworteten diese geografisch begrenzte Lockerung des Zölibats. Entscheiden aber wird der Papst. Benedikt hat sich mit seinem Nein zur Lockerung des Zölibats in die Debatte eingeschaltet, obwohl er versprochen hatte, sich nach seiner Emeritierung zurückzuhalten und zu schweigen.

Hat die Intervention von Benedikt die Gewichte im Vatikan grundsätzlich verschoben?

Ich gehe nicht davon aus. Bei der Amazonas-Synode im Herbst war das Stimmenverhältnis unter den Bischöfen eindeutig. Eine klare Mehrheit von ihnen befürwortete diese ganz begrenzte Lockerung des Zölibats. Daran hat die Intervention von Benedikt wohl nichts geändert. Dass nun dessen Vertrauter Gänswein nicht mehr Präfekt des Päpstlichen Hauses ist, schwächt die konservative Seite in dieser Debatte.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Religionen lösen Probleme, welche diese selber verursachen. Geographische Aufhebung des Zölibats ist eine solche Null-Lösung und irgendwie eine peinliche Verrenkung eines Alt-Herren Vereins. Was kommt als Nächstes?
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  • Kommentar von Matthias Rey  (matthiasrey)
    Ich fühle mich als zölibatär Lebender von den Kommentaren angegriffen und unter Generalverdacht gestellt. Es wäre nötig, die Zölibatären in der Anti-Rassismus-Norm eigens gegen Diskriminierung und Verunglimpfung zu schützen.
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    1. Antwort von Andreas Würtz  (Andhrass)
      Lieber Herr Rey. Obwohl ich selbst den Zwang zum Zölibat als weltfremden Anachronismus betrachte und daher ablehne, tut es mir leid, dass Sie sich angegriffen und verdächtigt fühlen. Das sollte nicht sein. Allerdings bin ich nicht sicher, ob Sie durch die erwähnte Strafnorm geschützt würden, denn sie verbietet ja vor allem den Aufruf zu Diskriminierung und Hass gegenüber Menschen. Hier wird gegen den Zwang gewettert, nicht gegen Menschen, die freiwillig enthaltsam leben.
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  • Kommentar von Edi Steinlin  (Chäsli)
    Da Führung der kath. Kirche trotz unzähligen Kinderschändungen, unhaltbarem Zölibat, Verbot der Geburtenregelung, Diskriminierung der Frauen usw. bin ich fast ein bisschen Schadenfreudig, dass die in Rom hintereinander kommen.
    Was auch immer passiert, sie lernen nichts.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      Lernen täten sie vermutlich gerne, aber wenn man seit Jahrhunderten gewisse Glaubensgrundsätze als unumstößliches sakrosanktes Credo hinaus posaunt hat, ist man zwangsläufig in einem Käfig gefangen, aus dem man nur bei Selbstaufgabe ausbrechen kann.
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