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Argentiniens Präsident Milei zu Besuch beim Papst
Aus Rendez-vous vom 12.02.2024. Bild: EPA/VATICAN MEDIA HANDOUT
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Papstaudienz für Javier Milei Argentinisches Gipfeltreffen im Vatikan

Küsschen, gar eine Umarmung: Dabei hatte Javier Milei den Papst im Wahlkampf wüst beschimpft. Nun ging es um Politik.

Was hatte der argentinische Präsident im Wahlkampf nicht alles über seinen Landsmann, Papst Franziskus, gesagt. Dieser sei ein «Hurensohn, der überall auf der Welt für den Kommunismus wirbt» und der «Vertreter des Bösen auf der Erde.» Dazu kamen unwiederholbare Ausdrücke in Fäkalsprache. Der Papst reagierte auf all das mit Verzeihen und liess den roten Teppich für den exzentrischen Präsidenten ausrollen. Eine ganze Stunde sprachen die beiden, so viel Zeit hat vor Milei noch kein argentinischer Präsident mit dem Papst bekommen.

Himmlischen Beistand könnte Milei derzeit gut gebrauchen. Argentinien ist hoch verschuldet, die Inflation liegt bei über 200 Prozent, die ohnehin hohen Armutsziffern steigen. Im Parlament hat Milei keine Mehrheit und auf der Strasse regt sich Widerstand gegen die Motorsägen-Reformen des neuen Präsidenten, der das Land im Hauruck-Verfahren mit einer «Schocktherapie» umgestalten will.

Landesweit über 30'000 Volksküchen

Der Wirtschaft droht Stillstand. Konjunktur haben stattdessen Armenspeisungen, nach Angaben von sozialen Organisationen gibt es mehr als 30'000 Volksküchen im Land. Dort klagt man: Seit Amtsantritt von Milei im Dezember habe die Regierung die Lebensmittellieferungen eingestellt. Dieser entgegnet: Das stimme nicht. Man sei lediglich dabei, die Volksküchen zu überprüfen und das Hilfssystem neu zu organisieren.

Eine Person hält einen Teller mit Essen.
Legende: Die Bevölkerung wird mit Armenspeisungen unterstützt. REUTERS/Enrique Marcarian

Auch wenn das Gespräch zwischen Papst und Präsident hinter verschlossenen Türen stattfand: Die Armenspeisungen dürften Thema gewesen sein. Denn, die katholische Kirche in Argentinien und Mileis Regierung liegen öffentlich im Clinch. In gleich zwei Kommuniqués kritisierte die argentinische Kirche die Regierung in der vergangenen Woche: Die Lebensmittelversorgung dürfe nicht Teil einer Sparpolitik sein. Sie forderte die Regierung auf, die Volksküchen mit Lebensmitteln zu beliefern, während sie überprüft werden.

Kirche kritisiert selektive Unterstützung

Die Regierung reagierte schnell auf die Kirchenmitteilung und schloss neue Verträge für Armenspeisungen ab, mit Pfingstkirchen und auch mit der Caritas. Diese selektive Unterstützung führte dazu, dass die katholische Organisation die Regierung erneut kritisierte und aufforderte, auch zigtausenden nicht-kirchlichen Organisationen Lebensmittel zu liefern: «Niemand kann heute im Alleingang den Umfang und die Komplexität der Sozialarbeit bewältigen. Deshalb bestehen wir darauf, all diejenigen einzubinden, die sich mit grossem Einfühlungsvermögen um die Ärmsten kümmern, und ihnen auch die notwendige Unterstützung zu geben, dies weiterhin zu tun.»

Die Kirche spricht indirekt an, was auf der Hand liegt: Die Regierung will soziale Bewegungen, die solidarisch organisiert und politisch oft eher links orientiert sind, nicht weiter unterstützen.

Nach dem Treffen mit dem Papst sagte Präsident Milei, er sei dazu bereit, einige seiner Positionen zu überdenken. Was das für die Volksküchen bedeutet, dürfte sich bald zeigen.

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Archiv: Steigende Armut in Argentinien unter Javier Milei
Aus Tagesschau vom 12.02.2024.
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Rendez-vous, 12.02.2024, 12:30 Uhr

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