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Papstbesuch in Spanien Warum der Sozialist Sánchez den Papst umwirbt

Viel Übereinstimmung in politischen Fragen: Spaniens Regierungschef lobt Papst Leo. Nicht ganz uneigennützig.

Eine ganze Woche lang verbringt Papst Leo XIV. in Spanien. Teil seiner Reise werden öffentlichkeitswirksam grosse Messen sein – so werden am Sonntag über eine Million Gläubige an der Plaza de Cibeles in Madrid erwartet. Doch die Papstreise hat es auch in politischer Hinsicht in sich.

Die Stimme des Papstes ist ein moralischer Kompass im Kampf gegen die Ungerechtigkeit.
Autor: Pedro Sánchez Ministerpräsident von Spanien

Es ist auffällig, wie sehr der sozialistische Premier Pedro Sánchez die Nähe zum Pontifex sucht. Er traf ihn bereits im Voraus im Vatikan zum Gespräch und schwärmte danach: «Die Stimme des Papstes ist ein moralischer Kompass im Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Er stellt gesunden Menschenverstand und Empathie der Unvernunft und dem Gesetz des Dschungels entgegen.»

Papst Leo XIV. und der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez bei ihrem Treffen im Vatikan am 27. Mai 2026.
Legende: Papst Leo XIV. und der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez bei ihrem Treffen im Vatikan am 27. Mai 2026. Vatican Media/Simone Risoluti/Reuters

Der spanische Regierungschef spielte insbesondere auf zwei politische Themen an, bei denen er sich päpstliche Rückendeckung verspricht: einerseits die Migration (Sánchez vertritt eine offene Einwanderungspolitik und hat erst gerade hunderttausenden Sans-Papiers einen geregelten Status ermöglicht), andererseits das Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump (Sánchez profiliert sich gerne als Anti-Kriegs-Stimme, er stellte sich etwa von Anfang an vehement gegen den von den USA und Israel gestarteten Irankrieg).

Gelegene Ablenkung von Korruptionsvorwürfen

Dass Papst Leo bei beiden Themen ähnliche Haltungen vertritt, kommt Pedro Sánchez mehr als gelegen. Er kann Unterstützung von einer moralischen Autorität derzeit besonders gut gebrauchen. Denn innenpolitisch steht er unter massivem Druck – wegen diverser mutmasslicher Korruptionsfälle in seinem engsten Umfeld. Der Papstbesuch und die zur Schau gestellte Einigkeit könnten den Fokus auf anderes lenken.

Papst Leo XIV. auf Spanienreise

Zumal der Papst mit einigen seiner Reisestationen genau Sánchez' Themen bedienen dürfte. So wird Leo XIV. als erster Papst in der Geschichte der spanischen Demokratie im Parlament eine Rede halten und er wird sich zum Schluss seiner Reise auf die Kanarischen Inseln begeben, um sich direkt über die Situation von Bootsflüchtlingen zu informieren.

Volles Programm für den Papst in Spanien

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Die Sagrada Famila in Barcelona mit dem mittlerweile höchsten Kirchturm der Welt.
Legende: Die Sagrada Famila in Barcelona mit dem mittlerweile höchsten Kirchturm der Welt. Reuters/Guillermo Martinez

Das sind die wichtigsten Stationen der Papstreise vom 6. – 12. Juni:

  • Samstag: Ankunft in Madrid, Höflichkeitsbesuch bei der Königsfamilie
  • Sonntag: Grosse Messe auf der Plaza de Cibeles in Madrid mit voraussichtlich über einer Million Gläubigen
  • Montag: Der Papst hält – als erster Papst überhaupt – eine Rede im spanischen Parlament
  • Dienstag: Weiterreise nach Barcelona, Gebet in der Kathedrale
  • Mittwoch: Besuch in einem Gefängnis. Messe in der Sagrada Familia mit der Einweihung des höchsten Kirchturms der Welt (172.5 Meter)
  • Donnerstag: Flug auf die kanarischen Inseln zum Thema Migration. Grosse Messe im Stadion von Gran Canaria
  • Freitag: Besuch in einem Aufnahmezentrum für Flüchtlinge auf Teneriffa

Die Opposition in Spanien bringt das in eine ungemütliche Lage. Der kirchennahe, konservative Partido Popular (PP) kritisiert Sánchez' offene Migrationspolitik zwar immer wieder, er wird sich aber vor Kritik hüten, wenn der Papst ähnliche Positionen vertritt. Gleichzeitig will der Partido Popular die Bühne des Papstbesuchs nicht der sozialistischen Regierung überlassen.

Auch die Konservativen auf Vorabbesuch im Vatikan

Und so pilgerte auch die PP-Politikerin Isabel Diaz Ayuso im Vorfeld der Papstreise in den Vatikan. Die Präsidentin der Region Madrid ist eine der lautstärksten Gegenspielerinnen von Sánchez. Doch nach ihrem Besuch bei Leo XIV. äusserte sie sich ungewöhnlich zurückhaltend. Politik sei im Gespräch mit dem Papst kein Thema gewesen: «Wir haben darüber gesprochen, wie in Madrid der Glaube und die katholischen Werte gelebt werden.»

Kirchlicher und politischer Besuch

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Der Papst ist nicht nur ein kirchliches, sondern auch ein politisches Oberhaupt – schliesslich ist er Regierungschef des Vatikanstaates.

Trotzdem spielt die katholische Kirche die politische Bedeutung des Papstbesuchs in Spanien lieber herunter. So sagte der Kardinal und Erzbischof von Madrid, José Cobo, im Vorfeld: «Der Papst kommt weder, um Politik zu machen, noch kommt er, um irgendjemandem zu Stimmen zu verhelfen.» Der Papst komme, «um den Menschen einen Horizont aufzuzeigen: Einen Horizont der Transzendenz.»

Die zwei Vorabbesuche im Vatikan zeigen, wie wichtig der Papstbesuch in der spanischen Politik ist, sie stehen aber auch für die unterschiedlichen Strategien der beiden grossen spanischen Parteien: Die sozialistische Partei erhofft sich vom Papst Unterstützung in politischen Aspekten, die Konservativen setzen mehr auf die kirchliche Seite der Reise.

SRF4 News, Echo der Zeit, 06.06.2026, 18:00 Uhr; noes

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