Eine ganze Woche lang verbringt Papst Leo XIV. in Spanien. Teil seiner Reise werden öffentlichkeitswirksam grosse Messen sein – so werden am Sonntag über eine Million Gläubige an der Plaza de Cibeles in Madrid erwartet. Doch die Papstreise hat es auch in politischer Hinsicht in sich.
Die Stimme des Papstes ist ein moralischer Kompass im Kampf gegen die Ungerechtigkeit.
Es ist auffällig, wie sehr der sozialistische Premier Pedro Sánchez die Nähe zum Pontifex sucht. Er traf ihn bereits im Voraus im Vatikan zum Gespräch und schwärmte danach: «Die Stimme des Papstes ist ein moralischer Kompass im Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Er stellt gesunden Menschenverstand und Empathie der Unvernunft und dem Gesetz des Dschungels entgegen.»
Der spanische Regierungschef spielte insbesondere auf zwei politische Themen an, bei denen er sich päpstliche Rückendeckung verspricht: einerseits die Migration (Sánchez vertritt eine offene Einwanderungspolitik und hat erst gerade hunderttausenden Sans-Papiers einen geregelten Status ermöglicht), andererseits das Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump (Sánchez profiliert sich gerne als Anti-Kriegs-Stimme, er stellte sich etwa von Anfang an vehement gegen den von den USA und Israel gestarteten Irankrieg).
Gelegene Ablenkung von Korruptionsvorwürfen
Dass Papst Leo bei beiden Themen ähnliche Haltungen vertritt, kommt Pedro Sánchez mehr als gelegen. Er kann Unterstützung von einer moralischen Autorität derzeit besonders gut gebrauchen. Denn innenpolitisch steht er unter massivem Druck – wegen diverser mutmasslicher Korruptionsfälle in seinem engsten Umfeld. Der Papstbesuch und die zur Schau gestellte Einigkeit könnten den Fokus auf anderes lenken.
Papst Leo XIV. auf Spanienreise
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Bild 1 von 6. Papst Leo XIV. ist zum Auftakt seiner mehrtägigen Spanienreise von König Felipe VI. und Königin Letizia in Madrid empfangen worden. Bildquelle: REUTERS / Yara Nardi.
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Bild 2 von 6. Auf dem Hinflug signiert der Papst fleissig für die Journalistinnen und Journalisten – wie hier einen Baseball. Leo XIV. war viele Jahre in Peru als Missionar und Bischof tätig und spricht ausgezeichnet Spanisch. Bildquelle: Reuters / Alessandra Tarantino.
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Bild 3 von 6. Frisch gelandet in Madrid. Nach einigen Tagen in der Hauptstadt geht es weiter nach Barcelona und auf die kanarischen Inseln. Bildquelle: Reuters / Violeta Santos Moura.
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Bild 4 von 6. Vor dem königlichen Palast wird der Papst von König Felipe und Königin Letizia empfangen. Später dankt er Spanien für die «Treue zum Völkerrecht und zum Multilateralismus», statt «spaltender und polarisierender» Äusserungen – ein Seitenhieb gegen Trump? Bildquelle: REUTERS / Yara Nardi .
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Bild 5 von 6. Im überwiegend katholischen Land wird der Papst mit allen Ehren empfangen. Auch mehr als 14'000 Polizistinnen und Polizisten sind allein in Madrid im Einsatz. Bildquelle: REUTERS / Yara Nardi.
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Bild 6 von 6. Aus dem Papamobil winkt er der Menge in Madrid zu. Auf der mehrtägigen Reise will er unter anderem den Jesus-Turm der Sagrada Família segnen, aber auch Missbrauchsopfer der katholischen Kirche treffen. Bildquelle: Reuters / Alejandro Martinez Velez.
Zumal der Papst mit einigen seiner Reisestationen genau Sánchez' Themen bedienen dürfte. So wird Leo XIV. als erster Papst in der Geschichte der spanischen Demokratie im Parlament eine Rede halten und er wird sich zum Schluss seiner Reise auf die Kanarischen Inseln begeben, um sich direkt über die Situation von Bootsflüchtlingen zu informieren.
Die Opposition in Spanien bringt das in eine ungemütliche Lage. Der kirchennahe, konservative Partido Popular (PP) kritisiert Sánchez' offene Migrationspolitik zwar immer wieder, er wird sich aber vor Kritik hüten, wenn der Papst ähnliche Positionen vertritt. Gleichzeitig will der Partido Popular die Bühne des Papstbesuchs nicht der sozialistischen Regierung überlassen.
Auch die Konservativen auf Vorabbesuch im Vatikan
Und so pilgerte auch die PP-Politikerin Isabel Diaz Ayuso im Vorfeld der Papstreise in den Vatikan. Die Präsidentin der Region Madrid ist eine der lautstärksten Gegenspielerinnen von Sánchez. Doch nach ihrem Besuch bei Leo XIV. äusserte sie sich ungewöhnlich zurückhaltend. Politik sei im Gespräch mit dem Papst kein Thema gewesen: «Wir haben darüber gesprochen, wie in Madrid der Glaube und die katholischen Werte gelebt werden.»
Die zwei Vorabbesuche im Vatikan zeigen, wie wichtig der Papstbesuch in der spanischen Politik ist, sie stehen aber auch für die unterschiedlichen Strategien der beiden grossen spanischen Parteien: Die sozialistische Partei erhofft sich vom Papst Unterstützung in politischen Aspekten, die Konservativen setzen mehr auf die kirchliche Seite der Reise.