Parlamentswahl in Australien wird zur Hängepartie

In Australien wackelt die konservative Regierungskoalition. Bei den Parlamentswahlen legt die linke Labor-Partei anders als in Umfragen vorhergesehen zu. Ob das für einen Regierungswechsel ausreicht, ist aber noch fraglich.

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Schwierige Regierungsbildung in Australien

1:34 min, aus Tagesschau vom 2.7.2016

Nach überraschenden Stimmenverlusten der konservativen Regierungskoalition steuert Australien nach den Parlamentswahlen auf eine schwierige Regierungsbildung zu.

Ein Patt im Parlament war nach Auszählung von rund zwei Dritteln der Stimmen nicht ausgeschlossen, wie erste Ergebnisse der Wahlkommission zeigten.

Die linke Labor-Partei dürfte nach Hochrechnungen des Senders ABC deutlich Sitze dazugewinnen. Es sah allerdings nicht so aus, als ob es für einen Sieg reiche.

Bill Shorten mit Frau vor Wahlplakaten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schafft Labor die Rückkehr an die Macht? Trotz Sitzgewinnen wird dies für Partei-Chef Bill Shorten wohl schwierig. Reuters

Nach einer Hochrechnung des Senders ABC könnte die Koalition von Regierungschef Malcolm Turnbull (61) von derzeit 90 Parlamentssitzen 17 verlieren, Labor könnte zu seinen 55 Sitzen 12 dazugewinnen. Die Koalition käme danach auf 73 Sitze, Labor auf 67 und der Rest ginge an kleine Parteien. Damit hätte niemand die Mehrheit von 76 Sitzen erreicht.

In Stimmprozenten war der Umschwung weniger dramatisch: Nach den ABC-Berechnungen verlor die Koalition rund 3,5 Prozent der Stimmen, Labor, Grüne und Unabhängige gewannen Stimmen hinzu. Die Koalition lag nach diesen Rechnungen mit fast 42 Prozent der Stimmen vor Labor unter Oppositionschef Bill Shorten (49) als zweitstärkster Kraft mit 35 Prozent. Sowohl Turnbull als auch Shorten hatten sich bei der Stimmabgabe siegesgewiss gegeben.

Klimawandel kaum thematisiert

Die Spitzenkandidaten waren mit traditionellen Themen in den Wahlkampf gezogen. Turnbull versprach mehr Wachstum und Arbeitsplätze, Shorten mehr Ausgaben für Bildung und Gesundheit.

Ein Thema, das viele Wähler bewegt, kam im Wahlkampf kaum zur Sprache: der Klimawandel. Australien stösst wegen der grossen Kohleförderung pro Kopf der Bevölkerung so viel CO2 aus wie kaum ein anderes Industrieland.

Der rechte Flügel der Konservativen schwor Turnbull darauf ein, die Kohleindustrie nicht mit zu hohen Auflagen zur Emissionsreduzierung zu belasten. Shorten musste versprechen nichts zu tun, was die mehr als 50'000 Arbeitsplätze in der Kohleindustrie gefährden könnte.