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International Pelda: «Erdogan nimmt Eroberung von Kobane in Kauf»

In der syrischen Grenzstadt Kobane toben heftige Kämpfe zwischen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und den Kurden. Die türkische Regierung will der Bevölkerung helfen, hält jedoch mit einem Militäreinsatz in Syrien zurück. Journalist Kurt Pelda rechnet mit dem Schlimmsten.

Legende: Video Entscheidungsschlacht um Kobane abspielen. Laufzeit 3:50 Minuten.
Aus 10vor10 vom 07.10.2014.

Im Kampf um die nordsyrische Stadt Kobane rücken die Dschihadisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) immer weiter vor. Nach Angaben von Aktivisten haben sich die Gefechte auch auf Viertel im Süden und Westen der Stadt ausgeweitet. Die Dschihadisten hatten zuvor drei Stadtviertel im Osten von Kobane erobert.

Die US-geführte Koalition habe erneut Luftangriffe auf IS-Stellungen im Osten der Stadt ausgeführt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Offenbar reichen aber auch diese Angriffe nicht aus, um die IS-Kämpfer aufzuhalten.

Bereits 400 tote Einwohner

In den vergangenen drei Wochen sind in Kobane über 400 Einwohner umgekommen. Die IS-Dschihadisten haben bereits mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobane eingenommen, rund 160'000 Menschen flohen in die Türkei. Etwa 5000 Kurden stellen sich nach Angaben aus Kobane derzeit den IS-Extremisten entgegen.

Sollte es dem IS gelingen, Kobane einzunehmen, würden er ein langes Stück der türkisch-syrischen Grenze kontrollieren. Zudem würde ihm ein grosses zusammenhängendes irakisch-syrisches Gebiet unterliegen.

Warum greift die Türkei nicht ein?

Kurt Pelda, der vor einer Woche noch nach Kobane vordringen konnte, sagte in der Sendung «10vor10», dass die Türkei bzw. Präsident Recep Erdogan ein zynisches Verhalten zeige. «Er könnte etwas tun, aber weil auf der anderen Seite der Grenze Kurden stehen und weil er mit der eigenen kurdischen Minderheit im Land seit bald 30 Jahren Krieg führt, will Erdogan diesen Kurden nicht helfen.» Er nehme so in Kauf, dass der IS die Stadt Kobane erobern wird.

Legende: Video Kriegsreporter Kurt Pelda zur Rolle der Türkei abspielen. Laufzeit 1:58 Minuten.
Aus 10vor10 vom 07.10.2014.

Solange die Kurden die Stadt Kobane halten könnten, werde Erdogan ihnen nicht helfen. Er würde allenfalls nachher versuchen, den IS zurückzudrängen und eine Pufferzone an der Grenze einzurichten. Dort könnte er dann die 1,5 Millionen syrischen Flüchtlinge, die jetzt in der Türkei leben, wieder ansiedeln.

Für ein Zurückdrängen der Dschihadisten brauche es ein koordiniertes Vorgehen. «Die Türkei muss einig sein mit der westlichen Koalition. Diese Koalition muss einig sein mit den innersyrischen Gegnern des IS, also mit den Kurden und den arabischen Rebellen. Nur dann wird es Erfolge geben gegen diese Terrorgruppe.»

«Die Welt schweigt»

Der syrische Kurdenpolitiker Salih Muslim warf der internationalen Gemeinschaft Versagen vor. «Die Welt schweigt» angesichts des drohenden Massakers, kritisierte der Ko-Präsident der syrischen Kurden-Partei PYD.

Die Luftangriffe reichten nicht aus. «Wenn es den USA ernst wäre, könnten sie innerhalb kurzer Zeit zurückschlagen.» Muslim rief alle Kurden dazu auf, sich umgehend dem Kampf anzuschliessen. «Wer immer handeln wird, sollte das jetzt tun.»

Die türkische Regierung sagte den Kurden in Kobane zwar Unterstützung zu. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte bei einem Besuch in einem Flüchtlingslager im südtürkischen Gaziantep, Kobane stehe kurz vor dem Fall.

Legende: Video SRF-Korrespondent Pascal Weber in Beirut abspielen. Laufzeit 2:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.10.2014.

Am letzten Donnerstag hatte das Parlament in Ankara der türkischen Regierung erlaubt, zum Kampf gegen Terrororganisationen wie die IS-Miliz künftig Soldaten nach Syrien und in den Irak schicken. Doch einen schnellen Einsatz von Bodentruppen gegen den IS in der umkämpften syrischen Stadt stellte Ankara nicht

in Aussicht. Türkische Panzer und Soldaten blieben weiterhin an der Grenze stationiert, schritten aber nicht ein.

Zuerst muss Assad weg

«Wir werden alles nur Mögliche unternehmen, um den Menschen in Kobane zu helfen», sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu dem US-Sender CNN. «Bodentruppen zu schicken ist aber natürlich eine andere Entscheidung.»

Wenn man in Kobane eingreife, müsse man in ganz Syrien intervenieren. Davutoglu machte vielmehr klar, dass die Vorbedingung für ein Eingreifen in die Kämpfe ein Sturz von Präsident Baschar al-Assad sei.

Mit der zögerlichen Taktik riskiert die Türkei allerdings ein Wiederaufflammen des Konflikts mit der Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Deren inhaftierter Chef Abdullah Öcalan hatte mit einem Ende des Friedensprozesses mit der türkischen Führung gedroht, sollte es in Kobane zu einem Massaker kommen. Die in Kobane kämpfenden Kurden sind mit der türkischen PKK verbündet.

Fakten zu Kobane

Kartenausschnitt mit Syrien, Irak und der Türkei.
  • Name der Stadt auf Arabisch: Ain al-Arab
  • Einwohner: 54'700 (Stand 2007); Schätzung 2014: rund 100'000 Menschen.
  • In Kobane leben hauptsächlich Kurden.
  • Die Stadt war immer wieder Schauplatz von Kämpfen, unter anderem wegen ihrer strategisch wichtigen Lage direkt an der Grenze und dem reichlichen Trinkwasser, das sich hier sammelt.

Proteste von Kurden

Bei den Kurden in der Türkei stösst die Tatenlosigkeit Ankaras auf Widerstand. In mehreren Städten lieferten sich Demonstranten Strassenschlachten mit Sicherheitskräften. Dabei wurde ein Mann getötet. Doch auch in Europa gab es Proteste. So besetzten Kurden das Europaparlament in Brüssel. Und auch in der Schweiz gingen Kurden auf die Strasse. Mehr

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Erdogan täuscht sich, wenn er glaubt, er könne die Kurden von Kobane opfern, nur um die IS-Truppen von der Türkei fernzuhalten. Es deutet einiges darauf hin, dass die IS viele "Schläfer" schon im Land selber hat, schliesslich gehört auch dieses Land zum zukünftigen "Kalifat" (ich habe vor kurzem auf die IS-Karte hingewiesen). Dazu kommen zahlreiche fanatische Salafisten, die sowohl in der Türkei als auch bei uns in Europa für allfällige Strassenkämpfe gegen "Kuffar" bereitstehen.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      "Dazu kommen zahlreiche fanatische Salafisten,die sowohl in der Türkei als auch bei uns in Europa für allfällige Strassenkämpfe gegen "Kuffar" bereitstehen" Eben gerade deshalb sollte der IZRS auch aufgelöstt werden. Wenns um Religiöses oder um menschliche Reproduktion geht, kennt Toleranz keine Grenzen. Das müsste endlich aufhören, denn was Menschen und Religionen in der Geschichte der Menschheit bisher angerichtet haben und weiterhin werden, führt uns u.unsre Mitgeschöpfe ins Verderben.
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Streng juristisch gesehen haben Sie Recht, was den IZRS betrifft. Nach meinem Wissen ist es strafbar, öffentlich zu Gewalt aufzurufen, und die Herren Illi und Blancho & Co. weigern sich bis heute, in dieser Frage klar Stellung zu beziehen und den IS-Terror mindestens mit Worten zu verurteilen, was faktisch einer Gutheissung gleichkommt. Beim Versuch eines IZRS-Verbots würden jedoch sofort Hunderte von CH-Salafisten Radau machen, zudem gibt es immer noch etliche Winkeladvokaten.
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  • Kommentar von Bendicht Häberli, Burgdorf
    Es ist ungeheuerlich, was alles im Namen des Glaubens auf der Welt passiert.Die Religionen sind Auswüchse des Glaubens und sollten weltweit verboten werden.Ich selber glaube auch an einen einzigen Gott (Kraft des Guten).Dass es nur einen einzigen Geben kann, darauf hin sollte gelehrt missioniert werden. Es spielt auch keine Rolle ob der Grossvater Gott, Allah, Budda, Manitou usw heisst, er bleibt der gleich Grossvater. Noch dem Tod separiert auch niemand: Hier die Christen, da die Muslime,usw.
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      "Noch dem Tod separiert auch niemand: Hier die Christen, da die Muslime,usw." - Hallo, was erzählen Sie hier?! Warum wohl weigern sich Moslems in Europa, auf demselben Friedhof neben Christen beerdigt zu werden und lassen sich entweder im Heimatland bestatten oder dann separat? Christlich 'verseuchte' Erde gilt im Islam als 'unrein' und deshalb will man auch nach dem Tod nichts mit uns zu tun haben.
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @B. Christen: Im Prinzip haben Sie Recht, aber Sie müssen das etwas lockerer sehen. Auch die Juden haben diesen Brauch, ihre Toten auf einem eigenen Friedhof beerdigen zu lassen, ohne dass dies kritisiert wird, und auch bei den Hindus und Buddhisten wird es nicht überall gern gesehen, wenn bei ihren Verbrennungszeremonien "Ungläubige" dabei sind. Zudem liegt es noch nicht allzu lange zurück, dass es bei uns in vielen Dörfern für Katholiken und Reformierte getrennte Friedhöfe gab.
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  • Kommentar von Frédéric Weil, Adliswil
    "Die Welt schweigt ..." In der Geschichte nichts Neues. Nur ... wenn der IS seinen Einfluss massiv erweitert, dann schreit die Welt (mit Recht). Aber ... hatte sie nicht geschwiegen? Also liebe Welt, tu was, damit es dir vor lauter schweigen danach die Stimme nicht verschlägt !!!
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